Samstag, 5. Mai 2018

Zartbittertod

Bild von der hörverlag
Steckbrief

Name: Zartbittertod (auch als Buch erhältlich)
Autor: Elisabeth Hermann
Verlag: der Hörverlag
Geeignet für: Krimi Fans bzw. Leser, die Krimis für Jugendliche mögen
Gelesen oder gehört: gehört als ungekürztes Hörbuch
Sprecher: Laura Maire
Bewertung: 4 von 5 Punkten


Klappentext 

(von der hörverlag

"Zart wie die Liebe, bitter wie die Schuld
Mia ist in dem kleinen Chocolaterie-Geschäft ihrer Eltern aufgewachsen – mit den wunderbaren Rezepten, aber auch mit dem Familienfoto, auf dem ihr Urgroßvater Jakob und sein Lehrherr zu sehen sind. Der Lehrherr ist weiß, Jakob schwarz. Mia weiß, dass ihr Vorfahr als kleiner Junge aus dem damaligen Deutsch-Südwestafrika nach Deutschland gekommen ist. Aber warum? Und wie?

Als Mia den Nachkommen von Jakobs Lehrer unbequeme Fragen stellt, sticht sie in ein Wespennest. Liebe und Verrat ziehen sich durch die Generationen, und als Mia endlich weiß, wer sie zum Schweigen bringen will, ist es fast zu spät …"


Meine Meinung 

Ich habe euch bereits vor ein paar Monaten einen Roman von Elisabeth Hermann vorgestellt. Hier war ich mir aber nicht ganz sicher, ob die Geschichte wirklich etwas für mich war. Durch Zufall bin ich dann auf Zartbittertod aufmerksam geworden. Und zwar war die Hörbuchsprecherin Laura Maire zu Beginn des Jahres bei einem LovelyBooks Livestream im Rahmen der Sound der Bücher Aktion zu Gast. Hier wurde ich auf die Sprecherin aufmerksam und wollte unbedingt eine Geschichte hören, die von ihr gelesen wird. Da kam mir Zartbittertod gerade recht.

Gestaltung 
Laura Maire hat eine etwas tiefere Stimme, die es ihr ermöglicht, sowohl weibliche als auch männliche Charaktere gekonnt zu interpretieren, ohne, dass es unfreiwillig bemüht klingt. Sie war hier vor Herausforderungen gestellt: Es gab nämlich nicht nur eine verträumte Protagonistin, sondern auch knallharte Geschäftsleute. Und sowohl das Harte als auch das Weiche in Laura Maires Stimme kam sehr gut zur Geltung. Und nebenbei bemerkt, mag ich ihre Stimmfarbe, die mir das Zuhören wirklich leicht gemacht hat.

Inhalt 
Eigentlich wollte Mia nur eine erzählenswerte Geschichte, um sich bei einer Journalistenschule zu bewerben. Und dann wurde sie kurzerhand in einen kleinen Kriminalfall verwickelt.

Mias Urgroßvater kam als Kind aus Afrika nach Deutschland. Er lebte bei der Familie Herder, die ihn zum Chocolatier ausbildeten. Er machte sich schließlich selbstständig und gründete seinen eigenen Laden, der mittlerweile Mias Eltern gehört. Hier hängt immer noch ein Bild, das Jakob und seinen Lehrmeister neben einem Nashorn aus Schokolade zeigt. Und da liegt es nahe, dass Mia erfahren möchte, wie es zu dem Foto kam. Doch bei Familie Herder wird sie nicht mit offenen Armen empfangen.

Ich musste zu Beginn feststellen, dass mir Protagonistin Mia etwas zu verträumt war. Sie ist neunzehn, hat ihr Abitur bereits hinter sich. Dennoch weiß sie noch nicht, was sie mit ihrem Leben anfangen möchte. Den Betrieb der Eltern zu übernehmen kommt nicht infrage. Da bleibt nur noch Plan B: Die Journalistenschule. Mich störte an ihr, dass sie Dinge machte, die ganz klar als Falle ausgelegt waren. Ich saß da und fragte mich, warum sie so naiv an die Sache heran ging.

Als sich Mia nach Lüneburg aufmacht, um bei den Herders Auskunft über ihre eigene Familiengeschichte zu erfragen, lernen wir auch die anderen Charaktere kennen: Das Ehepaar Herder mit ihrem Sohn Will, der ungefähr in Mias Alter ist. Hier hat Elisabeth Hermann die Ablehnung, die Mia zu Beginn entgegengebracht wird, ziemlich gut herausgearbeitet. Mich interessierte, ob Mia es wirklich schaffte, noch an Informationen zu kommen, oder ob sie unverrichteter Dinge wieder abreisen musste.

Elisabeth Hermann hat die Handlungsstränge gut miteinander verknüpft. Es gibt einen kleinen Handlungsstrang der uns mit in Mias Familiengeschichte nimmt. Auf der anderen Seite erlebten wir unsere Charaktere auch in der Gegenwart und konnten so Stück für Stück das Puzzle zusammensetzen. Aber das Tolle daran war: Wir als Leser waren Mia nicht sehr weit voraus. Immer, wenn wir eine Information bekamen, erfuhr sie auch bald davon.

Spannung 
Was den Spannungsbogen betrifft, bin ich mir noch etwas unschlüssig. Bei Zartbittertod handelt es sich um ein Jugendbuch ab 12 Jahren. Das heißt, Elisabeth Hermann kann uns hier keinen blutrünstigen Kriminalroman bescheren, was aber auch nicht schlimm ist. Obwohl ich bis zum Schluss keine Ahnung hatte, wer die wirklich bösen Geister der Geschichte waren, war mir der Spannungsbogen hier und da doch etwas zu flach und ich hatte den Eindruck, dass sich unsere Charaktere etwas im Kreis drehten. Dennoch vermute ich, dass es für die gedachte Zielgruppe wahrscheinlich genau das richtige Tempo ist, da so genug Zeit bleibt, den Inhalt zu verdauen.

Schreibstil 
Elisabeth Hermann hat einen lebendigen Schreibstil. Sie erzählt die Geschichte größtenteils aus der Ich-Perspektive und aus Sicht von Protagonistin Mia. Hier und da gibt es auch einen anderen Handlungsstrang, der sich vom Schreibstil her, sehr von der Ich-Perspektive unterscheidet. Und dieser Spagat ist der Autorin hier wirklich gut gelungen. Elisabeth Hermanns Schreibstil war verständlich und doch so geschrieben, dass er mir nicht zu kindlich vorkam und ich spannende Stunden mit der Geschichte verbringen konnte.

Gesamteindruck 
Ich hatte eigentlich keine Erwartungen an Zartbittertod und wollte mich einfach von der Geschichte überraschen lassen. Ich bekam hier ein sehr schönes unterhaltsames Jugendbuch mit einem guten Spannungselement. Schön fand ich auch, dass der Roman seinem Titel gerecht wurde und es hier und da Ausflüge in die Welt der Schokolade gab. Gerade deswegen vermute ich, dass sich Zartbittertod als perfekte Lektüre für die Weihnachtszeit eignet.

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* Dieses Hörbuch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt.

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