Freitag, 20. April 2018

Camp 21

Bild von rubikon
Steckbrief

Name: Camp 21 (auch als Buch erhältlich)
Autor: Rainer Wekwerth
Verlag: Rubikon Audioverlag
Geeignet für: Fans von spannenden Jugendbüchern
Gelesen oder gehört: gehört als ungekürztes Hörbuch
Sprecher: Mark Bremer
Bewertung: 3,5 von 5 Punkten


Klappentext

(von Rubikon Audioverlag)

"Mike und Kayla sind in Camp 21 gelandet. Sie kennen sich kaum und mögen sich noch weniger. Durch elektronische Armbänder aneinander gefesselt, ist es ihnen jedoch unmöglich, sich aus dem Weg zu gehen. Entfernen sie sich zu weit voneinander, empfangen sie über die Fessel quälende Schmerzimpulse. Während Kayla noch versucht mit der Situation zurechtzukommen, ahnt Mike bereits, dass im Camp etwas nicht stimmt. Nach einem tödlichen Vorfall im Lager gelingt den beiden die Flucht. Doch dies ist erst der Anfang einer atemberaubenden Jagd, denn die Fesseln, die geheimen Experimente und die Liebe zueinander bilden für Mike und Kayla ein gefährliches Netz, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint."


Meine Meinung 

Gestaltung
Die Geschichte wird von Mark Bremer, einem der Gründer des Rubikon Verlages gelesen. Mark Bremer hat bereits zahlreiche Hörbücher eingelesen unter anderem für den Hörverlag. Bei Camp 21 handelt es sich um das erste Hörbuch, das ich mit ihm als Sprecher gehört habe. Er hat eine tiefe Stimmfarbe, die unglaublich gut zu der Geschichte und deren Stimmung passt. So bin ich sehr schnell in den Roman rein gekommen. Allerdings muss ich gestehen, dass mir bei Mark Bremer noch das gewisse Etwas gefehlt hat. Ich hatte hier und da Mühe, die Charaktere auseinanderzuhalten. Auch die Stimmung der Charaktere kam nicht immer bei mir an, gerade, wenn es um Feinheiten geht. Allerdings kann es auch gut sein, dass ihr das ganz anders hört.

Mir gefielen ein paar Elemente der Hörbuchgestaltung ganz gut: Zum einen wurde das Hörbuch in ungekürzter Fassung gelesen. Das freute mich besonders. Bei Rubikon handelt es sich um einen recht jungen Hörbuchverlag und da fand ich es echt cool, dass sie sich trotzdem die Zeit nahmen, ungekürzte Lesungen zu produzieren und nicht auf gekürzte Fassungen ausweichen mussten.
Zum anderen enthielt das Hörbuch auch Elemente wie Musik zu Beginn und am Ende sowie das ein oder andere stilistische Mittel, das ich hier aber nicht vorwegnehmen möchte. Was mir ebenfalls gut gefiel war, dass die Kapitel mit aufgesprochen wurden. Bei vielen Hörbüchern wird nicht genannt, wenn ein neues Kapitel beginnt. Das macht es beispielsweise schwierig, mit einem Hörbuch an einer Leserunde teilzunehmen. Hier hingegen hatte ich einen guten Überblick wo ich mich befand.

Inhalt
Inhaltlich hat es mich etwas gewundert, dass es doch etwas gebraucht hat, bis Kayla und Mike im Camp 21 landen. Wir bekommen mit, was die beiden in das Camp führte. Diese Vorgeschichte ist besonders wichtig, um die Charaktere besser verstehen zu können. Mich überraschte nur, dass der Klappentext der Geschichte schon recht viel vorwegnahm.

Man könnte meinen, dass Kayla und Mike einfach zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Sie haben wunderbare Eigenschaften: Nämlich einen Blick für die Menschen in ihrer Umgebung. Doch der Drang anderen zu helfen, sorgt dafür, dass sie sich mehr oder weniger freiwillig in Camp 21 wiederfinden. Einem Camp, von dem man nicht so recht weiß, ob es wirklich gut ist oder ob die eigentliche Gefahr noch irgendwo hinter verborgenen Türen lauert. Mike und Kayla sind durch Armreife verbunden, die sich aktivieren, wenn sich die beiden zu weit voneinander entfernen. Zu Beginn ist der Abstand auf 200 Meter eingestellt, kann aber ausgeweitet werden, sofern die beiden sich benehmen. Die Fesseln erfüllen einen einfachen Zweck: Sie sollen die Campbewohner an einer Flucht hindern. Bisher war das Prozedere auch sehr erfolgreich.

Mir gingen die Handlungsstränge hier und da nicht ganz fließend ineinander über. So durchlaufen Kayla und Mike ein paar Stationen, bis sie sich in Camp 21 wiederfinden. Als sie das Camp dann schließlich erreichten, war mir nicht ganz klar, wie sich die Geschichte weiterentwickelte. Einerseits ist das natürlich toll, weil ich den Verlauf so nicht erraten konnte. Andererseits fühlte ich mich auch etwas orientierungslos. Rainer Wekwerth beschrieb zwar ein paar Dinge, die Fragen aufwarfen, dennoch wurden hier zwar Dinge angedeutet, ich hatte aber keine Ahnung welche Handlungsstränge weiter vertieft werden würden. Allerdings waren die Handlungsstränge in sich logisch.

Wie man schon anhand des Titels erraten kann, behandelt Rainer Wekwerth hier das Thema Bootcamps. Und das hat er wirklich gut umgesetzt. Bootcamps sind Erziehungseinrichtungen, in die Jugendliche geschickt werden, wenn sie wieder lernen sollen, sich in die Gesellschaft einzuordnen. In der Realität heißt es aber oft, dass Eltern mit ihren Kindern nicht zurechtkommen, diese in ein Bootcamp abschieben, in dem es nicht darum geht, eine Beziehung zu den Jugendlichen aufzubauen, sondern sie nur so weit zu konditionieren, damit sie sich an Regeln halten und nicht mehr rebellieren. Dass die Rebellion aber nicht immer ein Zeichen von Trotz sein muss, sondern oft eine Reaktion auf das Nicht-verstanden-werden ist, wird dabei völlig außer Acht gelassen. Rainer Wekwerth hat die Wut und Hilflosigkeit unserer Charaktere sehr gut herausgearbeitet und die Stimmung, die im Camp herrscht, glaubhaft transportiert.

Spannung
Wie bereits berichtet, hatte ich hier und da Mühe, die Struktur in der Geschichte zu erkennen. Dennoch konnte Rainer Wekwerth gerade gegen Schluss den Spannungsbogen wirklich gut vorantreiben. Ich fragte mich, wie die Geschichte wohl ausgehen würde und ob es für Kayla und Mike ein Entkommen aus Camp 21 gibt.

Schreibstil
Rainer Wekwerths Schreibstil sorgte dafür, dass ich sehr schnell in die Geschichte eintauchen konnte. Hier und da kamen mir die Dialoge zwischen den Charakteren etwas künstlich vor. Dennoch waren Mikes und Kaylas Gedanken sehr gut und glaubhaft herausgearbeitet. Rainer Wekwerth erzählt die Geschichte aus der dritten Person, schlüpft hier aber in die Rollen von Kayla und Mike. Ich hatte nicht den Eindruck, dass einer der beiden Charaktere hier zu kurz kommt. Die Kapitel gingen gut ineinander über.

Spannend fand ich hier, dass mir vor allem die Nebensätze in Dialogen auffielen, wie beispielsweise wenn Bewegungen von Charakteren genannt werden oder erwähnt wird, mit welchen Emotionen der eine Charakter gerade etwas zum anderen sagt. Dieses Element ist mir bei anderen Hörbüchern bisher noch nicht so aufgefallen.

Gesamteindruck
Von Camp 21 hatte ich bereits einiges gehört. Ich habe das Buch vor einer Weile auf ein paar Buchblogs entdeckt und habe mich umso mehr gefreut, dass es auch ein Hörbuch gibt. Hier und da fehlte mir etwas die Tiefe. Allerdings muss man auch dazu sagen, dass es sich hier um ein Jugendbuch handelt und der Autor eine breite Altersspanne erreichen muss. Es braucht also eine gute Mischung zwischen ernster, spannender Geschichte, aber auch einem Ausgleich auf der andere Seite, damit niemand das Buch verschreckt zuschlägt.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass wir hier eine spannende Geschichte vor uns haben, die mir unterhaltsame Hörstunden beschert hat. 

Kommentare:

Daniela von Buchvogel hat gesagt…

Hallo,
das hört sich wirklich gut an, eine schöne Rezension.
Der Plot mit den Fesseln erinnert mich an eine Star-Trek-Folge, in der genau dasselbe mit Picard und Beverly passiert. Hier ist es eine Strategie, um die Gefangenen an der Flucht zu hindern.
Bootcamps finde ich ganz furchtbar. :(
Grüße
Daniela

Emma hat gesagt…

Hey Daniela,
vielen Dank fürs vorbeischauen und für Deinen Kommentar. Ich finde es immer spannend, welche Beiträge die Leser anregen, einen Kommentar da zu lassen. Das ist a spannend, dass es bei Star Trek mal eine ähnliche Handlung gab. Als ich noch kleiner war, haben wir viel Star Trek geschaut (sowohl die Kirk als auch die Picard Folgen) und tatsächlich konnte ich mich nicht mehr daran erinnern.

viele Grüße und einen guten Start ins Wochenende wünscht
Emma