Dienstag, 24. Oktober 2017

Ein Mann namens Ove

Bild von Argon Verlag
Steckbrief

Name: Ein Mann namens Ove (auch als Buch und Film erhältlich)
Autor: Fredrik Backman
Verlag: Argon Verlag
Geeignet für: Schweden Fans, oder solche, die feine Geschichten suchen
Gelesen oder gehört: gehört als autorisierte Fassung
Sprecher: Heikko DEutschmann
Bewertung: 5 von 5 Punkten


Klappentext 

(von Argon Verlag

"Ove ist der Nachbar aus der Hölle: Jeden Morgen macht er seine Kontrollrunde, schreibt Falschparker auf, räumt Fahrräder an ihren Platz und prüft die Mülltrennung. Aber hinter seinem Gegrummel verbergen sich ein viel zu großes Herz und eine berührende Geschichte. Seit Oves geliebte Frau Sonja gestorben ist und man ihn vorzeitig in Rente geschickt hat, sieht er keinen Sinn mehr in seinem Leben. Doch als nebenan eine junge Familie einzieht, die als Erstes mal Oves Briefkasten umnietet, beginnt eine so komische wie herzerwärmende Geschichte über Freundschaft, Liebe, das richtige Werkzeug und was sonst noch wirklich zählt im Leben."


Meine Meinung 

Ove ist mir schon mehrfach begegnet. Viel hatte ich bereits über den Roman von Fredrik Backman gehört. Doch es dauerte ein bisschen, bis das Hörbuch bei mir einziehen konnte.

Gestaltung
Der Roman wird von Heikko Deutschmann gelesen. Und es hätte absolut keine bessere Besetzung für Ove geben können. Heikko Deutschmann bringt eine tiefe Stimme mit, die darauf schließen lässt, dass er selbst auch etwas älter ist. Anhand seiner Interpretation wird deutlich, dass er Ove als Charakter verstanden hat. Ove meint nämlich nicht immer das, was er sagt. Es erfordert genaues Zuhören um zu verstehen, was Ove wirklich möchte. Und so braucht es einen Sprecher, der gut betont und so dafür sorgt, dass dem Hörer die wesentlichen Informationen zugespielt werden. Und das hat Heikko Deutschmann geschafft. Ich hatte schnell ein inneres Bild von Ove vor Augen.
Zudem lässt er auch die anderen Charaktere, wie beispielsweise langjährige Nachbarn oder die junge Familie lebendig werden.

Inhalt 
Die Geschichte beginnt scheinbar banal. Ove möchte einen Computer kaufen. Und er weiß verdammt nochmal genau, wie ein Computer aussieht. Der ein oder andere mag vielleicht genervt mit den Augen rollen und sich fragen, ob das jetzt ein Roman wird, der ältere Menschen auf den Arm nimmt. Jedoch beginnt in diesem Laden eine wunderbare Geschichte.

In Ein Mann namens Ove spricht Fredrik Backman viele Themen an, die ältere Menschen beschäftigen. Einsamkeit und teils damit verbundene Depression, Demenz, die Frage, wie der Ruhestand richtig genutzt werden kann und natürlich das schwierige Thema Pflegeheim bekommen hier Raum. Außerdem lernen wir verschiedene Generationen kennen. Ove, der noch viel von Handwerk versteht, muss dem ein oder anderen jungen Mann in der Geschichte erst einmal wichtige Grundlagen vermitteln. Außerdem versteift sich Ove sehr auf Regeln und Ordnung und gerät hier mit einigen Nachbarn ziemlich aneinander.

Ove ist im Grunde ein Stereotyp. Viele von euch werden wahrscheinlich feststellen, dass auch sie einen griesgrämigen, vielleicht auch nervigen, Ove in der Nachbarschaft sitzen haben. Fredrik Backman versucht zu beleuchten, was Ove zu dem Menschen gemacht hat, der er in der Geschichte ist. Zudem macht er auf Widersprüche aufmerksam und sorgt dafür, dass sich Ove nach und nach für die Menschen um sich herum öffnet.
Leider ist es nun so, dass die wenigsten Menschen im realen Leben Zeit und Lust haben, sich mit der Sprache eines Oves auseinanderzusetzen.

Wir lernen zudem auch etwas über das schwedische Gesundheitssystem. Ein Nachbar von Ove soll ins Pflegeheim. Das wurde aber nicht etwa von den Angehörigen beschlossen, sondern von dem Sozialamt so angeordnet. In Deutschland ist es ziemlich schwierig einen Platz im Pflegeheim zu bekommen. Bei Ein Mann namens Ove scheint das kein Problem zu sein. Jedoch ist der bevorstehende Einzug keinesfalls mit einer Entlastung verbunden, sondern zeigt eher, wie sich die Ämter über die Bedürfnisse der Menschen hinwegsetzen.

Spannung 
Der Spannungsbogen ist sehr gut aufgebaut. Fredrik Backman erzählt Oves Geschichte subtil, verrät aber einiges über seinen Protagonisten. Zudem hat der Autor zum Schluss eine Wendung eingebaut, die mich kurz ziemlich durcheinander gebracht hat. Das Tolle war, dass ich mit dieser Stelle absolut nicht gerechnet habe.

Schreibstil 
Fredrik Backman verpasst Ein Mann namens Ove einen allwissenden Erzähler. Der Großteil der Geschichte wird aus Oves Sicht erzählt. Hin und wieder lernen wir aber auch andere Blickwinkel kennen. Außerdem enthält Fredrik Backmans Schreibstil viele Gespräche in indirekter Rede. Diesen Erzählstil lese ich hin und wieder richtig gern. Durch die indirekte Rede wird deutlich, wie viel zwischen den Zeilen abläuft.
Nach und nach lernen wir Oves Sprache kennen und so kam es, dass ich bei einigen Dialogen schmunzeln musste, weil ich wusste, warum Ove manche Dinge fragt bzw. diese Fragen für ihn relevant erscheinen, während sie bei seinem Gegenüber für Irritation sorgen.

Gesamteindruck 
Ich hätte absolut nicht damit gerechnet, dass mich die Geschichte um Ove so packen könnte. Ich fand es toll in seine Welt eintauchen zu können und miterleben zu dürfen, wie er Stück für Stück eine Beziehung zu Mensch und Tier aufbaut. Zusammenfassend kann ich sagen: Wer etwas über das Leben lernen möchte, sollte Ove unbedingt einen Platz im Bücherregal freiräumen.

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Andere, die Ove gelesen haben: 
Suhani

Kommentare:

  1. Hi Emma,

    ja Ove ist echt toll. Ich habe ihn als erstes als Wanderbuch bekommen und am Ende wollte ich ihn gar nicht wieder hergeben.
    Da steht so viel zwischen den Zeilen. Ich hatte überhaupt keine Probleme Ove zu verstehen und am schönsten fand ich immer wieder die Zeilen mit und über sein Leben mit seiner Frau. Das hat Ove total ausgemacht, wie ich finde.
    Mittlerweile hat mein Sohn ihn mir geschenkt - das pfiffige Kerlchen weiß wo meine Wunschliste zu finden ist :-) - und ich werd ihn nie wieder hergeben!
    Eins der absolut wenigen Büchern, das ich nicht nur einmal lesen werde.
    Ich will auch so einen Nachbarn haben. ^_^

    Hier ist Mein Ove zu finden.
    Und ich hab dich mal am Ende dazu verlinkt. ^^

    Auf Hörbücher kann ich leider gar nicht, da fehlt mein Kopfkino immer komplett - einfach nicht da. Aber bei dir hat es ja bestens funktioniert. :)

    Liebe Grüße und noch eine schöne Restwoche,
    Su

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    1. Hallo Su,

      vielen Dank für deinen Kommentar Es freut mich sehr, dass dir Ove ebenfalls so gut gefallen hat. Und du hast wirklich einen tollen Sohn :-)

      Super, dass du dir meine Rezension angeschaut hast, obwohl du überhaupt kein Hörbuch Typ bist. Viele runzeln bei Hörbuch Rezensionen eher die Stirn aber ich denke mir halt, wer das Buch nur gelesen hat, der lässt halt den Teil weg, indem ich über den Sprecher schreibe.

      Vielen Dank für deine Verlinkung. Ich schaue bei dir natürlich auch sofort rein.

      viele Grüße

      Emma

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  2. Hallo Emma,

    ich bin ja so froh, OVE bei dir zu finden! Er war mein Jahreshighlight in 2015! Habe ihn ebenfalls als Hörbuch genossen, war einfach wundervoll!
    Hast du den Film gesehen? Die meisten Buchverfilmungen sind ja nicht so gut gelungen, aber OVE fand ich toll. Ich kann dir nur empfehlen, dir den Film anzuschauen. :-)

    GlG vom monerl

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    1. Guten Morgen monerl,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass Ove schon "so" alt ist und ich echt eine Weile gebraucht habe, um seine Geschichte zu entdecken.

      Um die Verfilmung habe ich mich bisher ehrlich gesagt etwas gedrückt. Ich weiß noch genau, wie ich mich damals auf die Verfilmung des "Hundertjährigen, der aus dem Fenster stieg und verschwand" freute und dann einfach nur enttäuscht war. Da wollte ich mir Oves Geschichte nicht von dem Film kaputt machen. Allerdings habe ich am Rande mitbekommen, dass der Film wohl bei einem Filmfestival vorgestellt wurde oder einen Preis bekommen hat. Ich bin mir nicht mehr so sicher.

      Es freut mich jedenfalls, dass dir der Film gut gefallen hat. Das gibt mir jetzt etwas Hoffnung :-)

      viele Grüße

      Emma

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