Dienstag, 31. Oktober 2017

Ge(h)lebt im Oktober

Gelesen im Oktober 

Ich habe diesen Monat wieder einige Geschichten gehört. Und zwar habe ich insgesamt fünf Hörbücher beendet.

Beim Klick auf den Schriftzug im Video gelangt ihr direkt auf die YouTube Seite. Oder nutzt einfach DIESEN Link.


Im ersten Teil des Hörmonats erzähle ich euch von Graffiti Moon, einem schönen Jugendbuch, einem Mann namens Ove, der wahrscheinlich zu meinen Jahreshighlights gehört und rede über die schlafloseste Prinzessin von ganz Zamonien.



Im zweiten Teil treffen zwei unterschiedliche Hörbücher aufeinander. Es geht zum einen um QualityLand, dem neuen diesmal dystopischen Roman von Marc-Uwe Kling und Driving Miss Norma, einem biografischen Reisebericht.

Insgesamt Beendet 
Graffiti Moon
Ein Mann namens Ove
*Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr
*Driving Miss Norma
QualityLand

Neuzugänge: Diesmal gibt es keinen separaten Neuzugänge Post, da ich bereits fast alle Neuzugänge gelesen habe.
Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr von Walter Moers
QualityLand von Marc-Uwe kling
Driving Miss Norma von Tim Bauerschmidt
Solange du atmest von Joy Fielding


Gefunden im Netz

13 Tipps für professionelle Buchrezensionen
Ich habe neulich ein Interview mit Susanne von literaturschock gelesen. Dort erzählte sie, dass sie die Plattform clever-bloggen ins Leben gerufen hat. Hier habe ich einen Artikel zum oben genannten Thema entdeckt. Und ich muss sagen: Einige Tipps davon, hätten mir am Anfang mit Sicherheit geholfen, meine Rezensionen besser zu strukturieren.
Zum Beitrag - HIER ENTLANG

Die Sache mit den Rezensionsexemplaren
Während sich Blogger und Buchhändler über Rezensionsexemplare freuen, können diese für die Autoren oft frustrierend sein. Besonders, wenn das verschenkte Buch noch vor dem eigentlichen Erscheinungsdatum gebraucht angeboten wird. Autorin Angela Kirchner erzählt, was solche Aktionen für Autoren bedeuten. (Übrigens hat sich mediemops via Twitter geäußert und verkündet, das Buch von der Seite genommen zu haben).
Zum Artikel - HIER ENTLANG

Inga spricht über ihre Behinderung 
Ich war mal wieder damit beschäftigt, für mein Romanprojekt zu recherchieren. So bin ich auf das Interview von Inga aufmerksam geworden. Hier erzählt sie nicht nur von ihrer Behinderung, sondern spricht auch über Inklusion. Besonders gut gefallen hat mir ihre Einstellung zum Thema Förderschule, da ich diese überwiegend teile.
Zum Video - HIER ENTLANG

Crime und Thrill meets Fantasy - Janine von The Empire of Books spricht mit u.a. Rainer Wekwerth, Sebastian Fitzek
Eigentlich fasst die Überschrift den Inhalt ziemlich gut zusammen. Nur noch eine kleine Vorwarnung an dieser Stelle: Das Video geht eine Stunde ABER die Runde ist sehr unterhaltsam.
Zum Video - Hier klicken

Blogger Future Place
Auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse gab es wieder einen Blogger Future Place. Ich konnte mir leider nicht alle Vorträge anschauen und habe von der lieben Janine von The Empire of Books einen Link zu einer Aufzeichnung bekommen. Wer wissen möchte, über was beim Future Place so gesprochen wurde, kann HIER rein schauen.

10 Fehler, die man bei einem Expose vermeiden sollte 
In letzter Zeit beschäftige ich mich etwas ausführlicher mit dem Thema Expose schreiben. Und hier bin ich auf den folgenden Artikel gestoßen, der einige interessante Infos enthält.
Zum Artikel HIER ENTLANG


Hinter den Kulissen 

Diesmal habe ich gar nicht so viel zu berichten, deswegen dachte ich, ich fasse den Privat-Teil mal unter diesem Titel zusammen. Ich war richtig froh, dass ich im Oktober so viele Beiträge für euch produzieren bzw. vorplanen konnte, obwohl das Semester wieder losgegangen ist. Außerdem habe ich noch ein paar Reserven, sodass es in den kommenden Monaten hoffentlich nicht allzu ruhig wird.

Mein Highlight des Monats war natürlich wieder die Buchmesse. Ein allgemeiner Bericht wird die nächsten Tage noch folgen. Außerdem sind bereits die ersten Berichte zu den besuchten Veranstaltungen geschrieben und werden in den nächsten Monaten nach und nach online kommen.

Besonders gefreut habe ich mich aber, dass eine Freundin von mir, von der ich schon lange nichts mehr gehört habe, meinen Blog entdeckt und weiterempfohlen hat. Außerdem kamen von einer Kommilitonin gute Anregungen für einen weiteren Blog Artikel zum Thema Leben mit Behinderung. Ihr dürft also gespannt sein.
Ich mache kein großes Geheimnis um meinen Blog - den Blog Rucksack trage ich in der Stadt auch außerhalb von buchigen Veranstaltungen :-) - dennoch lasse ich das Blogger Image auch nicht immer und überall heraushängen. Deswegen freut es mich umso mehr, wenn ich Rückmeldungen von Freunden und Bekannten zu Blog Artikeln bekomme.

Und sobald der Monatsrückblick online geht, fallen mir wahrscheinlich wieder massenhaft Dinge ein, die ich hier eigentlich erwähnen wollte. Ich glaube, ich sollte mal wieder anfangen, Listen zu schreiben.


Was gab's zu erzählen?

Vier Tipps für ein erfolgreiches Studium mit Behinderung 
Tipp 1: Orientierung ist alles (aus dem letzten Monat)
Tipp 2: Organisation ist alles
Tipp 3: Umgang mit der eigenen Behinderung
Tipp 4: Bezieh nicht alles auf dich persönlich


Der Lesemarathon 
Fazit September

Frankfurter Buchmesse 2017 
Unser Terminkalender

Lese- bzw. Hörnacht 
Die Sound der Bücher Hörnacht

Freiburger Bücherstammtisch 
Treffen im Oktober

Rezensionen aus dem September 
Der Flügelschlag des Glücks
Darm mit Charme

Ge(h)schmökert 
SuB Geheimnisse Part 2: (Auto)Biografien
Meine Highlights von der hörverlag Teil 4 (Podcast Folge)


In diesem Sinne... 

hoffe ich, ihr habt ein schönes Halloweenfest und bekommt mehr Süßes als Saures.

Bis hoffentlich bald

Emma

Sonntag, 29. Oktober 2017

Driving Miss Norma

Bild von 
RandomHouse Audio
Steckbrief 

Name: Driving Miss Norma - Sag ja zum Leben (auch als Buch erhältlich)
Autor: Tim Bauerschmidt und Ramie Little
Verlag: RandomHouse Audio
Geeignet für: Menschen, die gerne Biografien lesen
Gelesen oder gehört: gehört als gekürzte Fassung
Sprecher: Christian Berkel und Andrea Sawatzki
Bewertung: 3 von 5 Punkten


Klappentext 

(von Randomhouse Audio

"Es ist nie zu spät, das wirklich Wichtige im Leben zu erfahren.

Als bei Miss Norma 2015 im Alter von 90 Jahren Gebärmutterkrebs diagnostiziert wurde, riet man ihr zu einer Operation, zu Bestrahlung und Chemotherapie. Doch Norma – nach sieben Ehejahrzehnten erst frisch verwitwet – dachte nicht daran, ihrem Ende in einem Krankenhausbett entgegen zu dämmern. Sie richtete sich zu ihrer vollen Größe von eineinhalb Metern auf und sagte ihrem Arzt: „Ich bin neunzig Jahre alt, ich gehe auf Reisen!” Sie packte das Nötigste und begab sich zusammen mit drei Vollzeitnomaden – ihrem pensionierten Sohn Tim, seiner Frau Ramie und ihrem Pudel Ringo – in einem zehn Meter langen Wohnmobil auf eine unvergessliche Reise."


Meine Meinung 

Driving Miss Norma war eines der Herzensbücher, das mir dieses Jahr auf der Leipziger Buchmesse empfohlen wurde. Zuerst runzelte ich die Stirn: Schon wieder das Thema Krebs? Immerhin war das Thema dieses Jahr wirklich genug präsent. Doch dann machte mich die Geschichte neugierig: Was erlebt Miss Norma auf ihrer Reise? Und wird ihr das Reisen aufgrund ihrer Krankheit oder besser gesagt, ihren hohen Alters, nicht auch irgendwann zu anstrengend?

Gestaltung 
Hier kommen wieder zwei Erzähler zum Einsatz. Zum einen wird die Geschichte aus der Sicht von Normas Adoptivsohn Tim erzählt. Zum anderen übernimmt Schwiegertochter Ramie auch einige Passagen des Buches. Daher bot es sich bei der Hörbuchproduktion an, die Geschichte mit zwei Sprechern zu besetzen. Und zwar schlüpften Christian Berkel und Andrea Sawatzki in die Rollen von Tim und Ramie.
Bei Christian Berkels Interpretation hatte ich zu Beginn etwas Bedenken. Ich habe ihn vor ein paar Jahren auf der Buchmesse live aus Ein plötzlicher Todesfall lesen gehört und musste feststellen, dass er mich nicht wirklich fesseln konnte. Auch im Publikum wurde es damals schnell unruhig. Daher fragte ich mich, wie ich mit den von ihm gelesenen Passagen zurechtkommen würde. Leider muss ich gestehen, dass er mir zu schlicht gelesen hat. Dennoch - und das klingt jetzt wahrscheinlich wirklich gemeiner formuliert, als es eigentlich soll - war ich erstaunt, dass ich mich doch relativ gut konzentrieren konnte.
Bei Andrea Sawatzki war ich wirklich positiv überrascht, wie wandlungsfähig ihre Stimme ist. Das letzte gehörte Hörbuch, das von ihr gelesen wurde, war ein Thriller. Hier klang ihre Stimme belegt und ernst. Bei Driving Miss Norma transportierte sie Normas Lebendigkeit gekonnt, nahm aber auch die nachdenklichen Momente der Biografie wahr. Nach und nach hauchte sie der Geschichte um die kleine Reisegruppe Leben ein.

Inhalt / Spannung 
Hm, wo fange ich hier bloß an? Der Klappentext fasst die Ausgangssituation ziemlich gut zusammen. Gerade das eingebaute Zitat gefällt mir wirklich gut. Hier musste ich beim hören selbst etwas schmunzeln. Wie bereits erwähnt, erzählen Ramie und Tim abwechselnd, wie sie die Reise gemeinsam mit Norma erlebt haben.

Zu Beginn waren beide sehr unsicher. Bisher waren sie immer zu dritt, gemeinsam mit ihrem Pudel Ringo, durchs Land gereist. Nun kam Norma zur Gruppe dazu und es mussten erst einmal wichtige Voraussetzungen geschaffen werden, damit die Reise beginnen konnte. So brauchte es beispielsweise ein neues Wohnmobil. Und natürlich stellte sich auch die Frage, welche Ziele überhaupt angesteuert werden sollten. Und hier war Norma zu Beginn der Reise bescheiden. Doch nach und nach begann sie Gefallen an der Reise zu finden und taute zunehmend auf.
Ramie bekam eines Tages die Idee, kleine Reiseberichte in Form von Facebook Posts festzuhalten. Und danach nahm alles seinen Lauf...

An sich fand ich es schön zu hören, wie viel Liebe Norma entgegengebracht wird. Es war für mich wirklich unglaublich, dass sie Menschen inspiriert und anderen in ähnlichen Situationen Mut macht. Allerdings hätte ich mir hier und da mehr Einblicke gewünscht. Tim und Ramie erzählen in dem Buch von verschiedenen Begegnungen und greifen unterschiedliche Situationen heraus. Es ist keine klassische Biografie, die von vorne bis hinten geradlinig zusammengefasst wird. Natürlich gibt es Einblicke in Normas Vergangenheit. Wir erfahren, wie sie aufgewachsen ist und wie ihre ersten Ehejahre waren. Doch gingen mir die Entwicklungen auf der Reise teilweise etwas zu schnell. Die Geschichten waren schön, aber ich konnte die Momente nicht immer hundertprozentig nachvollziehen. Allerdings glaube ich auch, dass es etwas völlig anderes gewesen wäre, die Situation live mitzuerleben.

Schreibstil 
Tim und Ramies Schreibstil habe ich hier als sehr ergänzend erlebt. Während Ramie einen Blick von außen hat - sie kennt Norma zwar schon einige Jahre, dennoch ist sie nicht mit ihr verwandt - beschreibt sie ihre Gefühle Norma gegenüber sehr gut und fasst auch gut zusammen, welche Wirkung Norma auf andere Menschen hat.
Tim wirkt zu Beginn eher rational und hat zudem den familiären Part. Er erzählt, wie er aufgewachsen ist, was er über Norma weiß und wie das Leben von Familie Bauerschmidt bisher verlief. Dennoch berichtet er mit der Zeit von eigenen Ängsten: Als der Medienrummel um Norma größer wird, hat er Angst, sie damit zu überfordern. Er möchte nicht, dass seine Mutter einer Nation vorgeführt wird. Doch er erkennt, dass Norma die Situationen mit Bravour meistert und sich sehr gut zu helfen weiß.
Mich verwirrte zu Beginn die Struktur der Biografie. Wir erleben wie bereits beschrieben, immer wieder Momentaufnahmen und ich hatte hier und da Mühe inhaltlich hinterherzukommen.

Gesamteindruck 
Driving Miss Norma ist buchstäblich eine Biografie fürs Herz. Ich habe den Reisebericht sehr gerne gelesen und mich gut unterhalten gefühlt. Besonders gefreut hat es mich, dass Norma ihre letzten Monate genießen konnte und noch die Möglichkeit hatte, etwas von der Welt zu sehen. Wären Ramie und Tim beruflich voll eingespannt gewesen, wäre Normas Geschichte womöglich völlig anders verlaufen.


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* Dieses Hörbuch wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt

Samstag, 28. Oktober 2017

Meine Highlights aus dem Verlagsprogramm des Hörverlags Teil 4

Guten Morgen Buchlinge,

die Zeit schreitet voran. Vor Monaten habe ich damit begonnen, euch meine Highlights aus dem Herbstprogramm des Hörverlags vorzustellen. Nun geht die Aktion dem Ende entgegen. In dieser Podcast Folge stelle ich euch zwei gegensätzliche Hörbücher vor. Nämlich einen Thriller und einen Fantasy Roman.




Die vorgestellten Hörbücher
Dann schlaf auch du von Leila Slimani
Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr von Walter Moers

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Inhaltsverzeichnis

00:00 - 00:43 - Willkommen und Vorstellung des Formates
00:44 - 01:47 - "Dann schlaf auch du"
01:48 - 05:14 - Hörprobe
05:15 - 06:02 - Meinung zum Inhalt und zur Hörprobe
06:03 - 06:49 - Prinzessin Insmomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr
06:50 - 12:35 - Hörprobe
12:36 - 13:49 - Meinung zur Hörprobe
13:50 - Schluss - Abschluss und Fragen in de Runde

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Was sagt ihr zu den vorgestellten Hörbüchern? 
Wie haben euch die Hörproben gefallen? 

Donnerstag, 26. Oktober 2017

Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr

Bild von der hörverlag
Steckbrief

Name: Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr (auch als Buch erhältlich)
Autor: Walter Moers
Verlag: der hörverlag
Geeignet für: Moers-Fans oder Fantasy Liebhaber
Gelesen oder gehört: gehört als ungekürztes Hörbuch
Sprecher: Andreas Fröhlich
Bewertung: 3,5 von 5 Punkten


Klappentext 

(von der hörverlag

"Höre auf das dunkle Herz der Nacht

Prinzessin Dylia, die sich selbst „Prinzessin Insomnia“ nennt, istdie schlafloseste Prinzessin von ganz Zamonien. Eines Nachts erhält sie Besuch von einem alptraumfarbenen Nachtmahr. Havarius Opal, wie sich der gleichsam beängstigende wie sympathische Gnom vorstellt, kündigt an, die Prinzessin in den Wahnsinn treiben zu wollen. Vorher nimmt er die Prinzessin aber noch mit auf eine abenteuerliche Reise durch die Welt des Denkens und Träumens, die für beide immer neue und überraschende Wendungen bereit hält, bis sie schließlich zum dunklen Herz der Nacht gelangen. Walter Moers erzählt dieses Märchen aus der zamonischen Spätromantik voller skurriler Charaktere mit der ihm eigenen Komik: spannend und anrührend zugleich."


Meine Meinung 

Die Geschichten um Prinzessin Insomnia zog im Rahmen einer LovelyBooks Aktion bei mir ein. Momentan findet auf der Plattform die Aktion Sound der Bücher statt. Hier werden monatlich Hörbücher verlost. Diesmal sollten die verlosten Exemplare gemeinsam bei einer Hörnacht begonnen werden. Ich versuchte mein Glück und gewann.

Gestaltung 
Als ich das Hörbuch bekam, war ich erstaunt, dass der Inhalt auf einer CD zusammengefasst war. Vor einer Weile beendete ich Die Stadt der träumenden Bücher und konnte mich noch gut erinnern, wie lang mir die Geschichte vorkam. Als ich dann merkte, dass mich hier nur eine CD erwartete, war ich auch etwas erleichtert.
Gelesen wird Prinzessin Insomnia von Andreas Fröhlich. Für mich bedeutete das eine große Umstellung, da ich bisher nur Moers Lesungen von Dirk Bach kannte. Ich brauchte erst einmal geschlagene zwei Stunden, bis ich meine innere Dirk Bach Stimme endlich erfolgreich abstellen konnte. Und das lag nicht etwa daran, dass Andreas Fröhlich im Vergleich schlechter gelesen hat. Er liest die Geschichte etwas schlichter. Das hat mir dabei geholfen, dass ich mich mehr auf den Inhalt konzentrieren konnte und nicht ausschließlich an den tollen Wortkonstruktionen hängen geblieben bin. Außerdem hat Andreas Fröhlich unseren beiden Protagonisten Leben eingehaucht. Besonders gut gefielen mir die Dialoge zwischen der Prinzessin und dem Nachtmahr. Und glaubt mir, die beiden können sich nicht wirklich leiden.

Inhalt 
Wie es im Klappentext so schon heißt, ist Prinzessin Insomnia die schlafloseste Prinzessin von ganz Zamonien. Und das macht ihr wirklich schwer zu schaffen. Als dann noch ein Nachtmahr auftaucht, der sie in den Wahnsinn treiben möchte, fragt sie sich zuerst, wer ihr hier einen Streich spielt. So leicht gibt sie sich jedenfalls nicht geschlagen. Und so brechen die Prinzessin und der Nachtmahr auf. Sie reisen durch Prinzessin Insomnias Gehirn auf dem Weg nach Amygdala.

Und sobald wir uns in ihrem Gehirn befinden, überzeugt Walter Moers wieder mit tollen sprachlichen Bildern. Er berichtet von Gedanken, die mit viel Pech in Endlosschleifen landen oder erzählt, wo die größten Ängste im eigenen Gehirn lauern. Mehr als einmal dachte ich mir, dass die Geschichte für Menschen mit Depressionen oder solche, die ihr Gedankenkarussell nicht mehr abstellen können, geeignet ist. Dieses Buch enthält so viele sprachliche Bilder, das ich es wahrscheinlich nochmal hören müsste, um alle zu begreifen. Toll finde ich hier, dass Moers die Gedanken von Prinzessin Insomnia genauer beleuchtet. Er zeigt auf, was in ihrem Kopf stattfindet und was passiert, wenn sie ihre Gedanken ändert. Und das meint nicht etwa Schlimmes zu verdrängen, sondern einen anderen Blickwinkel auf die Situation zu bekommen. Und das alles erzählt uns der Autor, ohne zu moralisieren.

Obwohl der Nachtmahr schon einen bedrohlichen Namen hat, wirkte der Charakter auf mich keinesfalls gruselig. Und auch die Prinzessin scheint Stück für Stück Gefallen an ihrem Gefährten zu finden. Obwohl er sie auch ziemlich gut provoziert.

Spannung
Die Handlung von Prinzessin Insomnia lag klar auf der Hand. Dennoch fand ich die Teilschritte, nämlich die Auseinandersetzung mit Prinzessin Insomnias Gedanken und die verschiedenen Stationen im Gehirn fast interessanter als die Frage, ob sie nun wirklich in den Wahnsinn getrieben wird oder nicht. Das große Ziel habe ich gelegentlich aus den Augen verloren.

Gegen Ende war ein merkwürdiger Bruch in der Handlung, der mich etwas verwirrte. Dennoch wird die Geschichte als solches schön aufgelöst, wobei ich eine Nacht darüber schlafen musste, um das Ende verstehen zu können.

Schreibstil
Wie bereits erwähnt, hat Walter Moers einen schönen Schreibstil mit sehr vielen sprachlichen Bildern. Zu Beginn der Geschichte war ich etwas enttäuscht. Ich hatte noch so gut die Fantasie rund um Die Stadt der träumenden Bücher im Kopf und hatte den Anspruch, dass Prinzessin Insomnia mindestens genauso viele und genauso tolle Elemente enthalten sollte. Doch obwohl hier einige Bilder beschrieben werden, sind sie dennoch anders als in den vorherigen Büchern des Autors. Die Bilder wirken subtiler und es ist mir leichter gefallen, sie auf das reale Leben zu übertragen.

Gesamteindruck
Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr enthält wirklich schöne Elemente, die sich auf unser Leben übertragen lassen. Und das ohne, dass der Autor belehrend um die Ecke kommt. Walter Moers zeigt hier auf, dass einen die eigenen Gedanken manchmal ziemlich in die Irre führen können, ohne, dass es einem auf Anhieb bewusst ist.

Allerdings muss ich auch sagen, dass Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr zwar eine schöne Geschichte ist, sie für mich aber nicht ganz an andere Bücher des Autors herankommt.

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Andere Meinungen 
KayvanTee, Bücher und Magie

Dienstag, 24. Oktober 2017

Ein Mann namens Ove

Bild von Argon Verlag
Steckbrief

Name: Ein Mann namens Ove (auch als Buch und Film erhältlich)
Autor: Fredrik Backman
Verlag: Argon Verlag
Geeignet für: Schweden Fans, oder solche, die feine Geschichten suchen
Gelesen oder gehört: gehört als autorisierte Fassung
Sprecher: Heikko DEutschmann
Bewertung: 5 von 5 Punkten


Klappentext 

(von Argon Verlag

"Ove ist der Nachbar aus der Hölle: Jeden Morgen macht er seine Kontrollrunde, schreibt Falschparker auf, räumt Fahrräder an ihren Platz und prüft die Mülltrennung. Aber hinter seinem Gegrummel verbergen sich ein viel zu großes Herz und eine berührende Geschichte. Seit Oves geliebte Frau Sonja gestorben ist und man ihn vorzeitig in Rente geschickt hat, sieht er keinen Sinn mehr in seinem Leben. Doch als nebenan eine junge Familie einzieht, die als Erstes mal Oves Briefkasten umnietet, beginnt eine so komische wie herzerwärmende Geschichte über Freundschaft, Liebe, das richtige Werkzeug und was sonst noch wirklich zählt im Leben."


Meine Meinung 

Ove ist mir schon mehrfach begegnet. Viel hatte ich bereits über den Roman von Fredrik Backman gehört. Doch es dauerte ein bisschen, bis das Hörbuch bei mir einziehen konnte.

Gestaltung
Der Roman wird von Heikko Deutschmann gelesen. Und es hätte absolut keine bessere Besetzung für Ove geben können. Heikko Deutschmann bringt eine tiefe Stimme mit, die darauf schließen lässt, dass er selbst auch etwas älter ist. Anhand seiner Interpretation wird deutlich, dass er Ove als Charakter verstanden hat. Ove meint nämlich nicht immer das, was er sagt. Es erfordert genaues Zuhören um zu verstehen, was Ove wirklich möchte. Und so braucht es einen Sprecher, der gut betont und so dafür sorgt, dass dem Hörer die wesentlichen Informationen zugespielt werden. Und das hat Heikko Deutschmann geschafft. Ich hatte schnell ein inneres Bild von Ove vor Augen.
Zudem lässt er auch die anderen Charaktere, wie beispielsweise langjährige Nachbarn oder die junge Familie lebendig werden.

Inhalt 
Die Geschichte beginnt scheinbar banal. Ove möchte einen Computer kaufen. Und er weiß verdammt nochmal genau, wie ein Computer aussieht. Der ein oder andere mag vielleicht genervt mit den Augen rollen und sich fragen, ob das jetzt ein Roman wird, der ältere Menschen auf den Arm nimmt. Jedoch beginnt in diesem Laden eine wunderbare Geschichte.

In Ein Mann namens Ove spricht Fredrik Backman viele Themen an, die ältere Menschen beschäftigen. Einsamkeit und teils damit verbundene Depression, Demenz, die Frage, wie der Ruhestand richtig genutzt werden kann und natürlich das schwierige Thema Pflegeheim bekommen hier Raum. Außerdem lernen wir verschiedene Generationen kennen. Ove, der noch viel von Handwerk versteht, muss dem ein oder anderen jungen Mann in der Geschichte erst einmal wichtige Grundlagen vermitteln. Außerdem versteift sich Ove sehr auf Regeln und Ordnung und gerät hier mit einigen Nachbarn ziemlich aneinander.

Ove ist im Grunde ein Stereotyp. Viele von euch werden wahrscheinlich feststellen, dass auch sie einen griesgrämigen, vielleicht auch nervigen, Ove in der Nachbarschaft sitzen haben. Fredrik Backman versucht zu beleuchten, was Ove zu dem Menschen gemacht hat, der er in der Geschichte ist. Zudem macht er auf Widersprüche aufmerksam und sorgt dafür, dass sich Ove nach und nach für die Menschen um sich herum öffnet.
Leider ist es nun so, dass die wenigsten Menschen im realen Leben Zeit und Lust haben, sich mit der Sprache eines Oves auseinanderzusetzen.

Wir lernen zudem auch etwas über das schwedische Gesundheitssystem. Ein Nachbar von Ove soll ins Pflegeheim. Das wurde aber nicht etwa von den Angehörigen beschlossen, sondern von dem Sozialamt so angeordnet. In Deutschland ist es ziemlich schwierig einen Platz im Pflegeheim zu bekommen. Bei Ein Mann namens Ove scheint das kein Problem zu sein. Jedoch ist der bevorstehende Einzug keinesfalls mit einer Entlastung verbunden, sondern zeigt eher, wie sich die Ämter über die Bedürfnisse der Menschen hinwegsetzen.

Spannung 
Der Spannungsbogen ist sehr gut aufgebaut. Fredrik Backman erzählt Oves Geschichte subtil, verrät aber einiges über seinen Protagonisten. Zudem hat der Autor zum Schluss eine Wendung eingebaut, die mich kurz ziemlich durcheinander gebracht hat. Das Tolle war, dass ich mit dieser Stelle absolut nicht gerechnet habe.

Schreibstil 
Fredrik Backman verpasst Ein Mann namens Ove einen allwissenden Erzähler. Der Großteil der Geschichte wird aus Oves Sicht erzählt. Hin und wieder lernen wir aber auch andere Blickwinkel kennen. Außerdem enthält Fredrik Backmans Schreibstil viele Gespräche in indirekter Rede. Diesen Erzählstil lese ich hin und wieder richtig gern. Durch die indirekte Rede wird deutlich, wie viel zwischen den Zeilen abläuft.
Nach und nach lernen wir Oves Sprache kennen und so kam es, dass ich bei einigen Dialogen schmunzeln musste, weil ich wusste, warum Ove manche Dinge fragt bzw. diese Fragen für ihn relevant erscheinen, während sie bei seinem Gegenüber für Irritation sorgen.

Gesamteindruck 
Ich hätte absolut nicht damit gerechnet, dass mich die Geschichte um Ove so packen könnte. Ich fand es toll in seine Welt eintauchen zu können und miterleben zu dürfen, wie er Stück für Stück eine Beziehung zu Mensch und Tier aufbaut. Zusammenfassend kann ich sagen: Wer etwas über das Leben lernen möchte, sollte Ove unbedingt einen Platz im Bücherregal freiräumen.

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Andere, die Ove gelesen haben: 
Suhani

Sonntag, 22. Oktober 2017

Vier Tipps für ein erfolgreiches Studium mit Behinderung - Tipp 4: Bezieh nicht alles auf dich!

Hallo in die Runde,

nun sind wir auch schon beim letzten Beitrag in dieser kleinen Reihe angekommen. Für alle, die die Beiträge jetzt erst entdecken, nochmal eine kurze Zusammenfassung: Ich, selbst Studentin mit Sehbehinderung, dachte mir, dass es eine clevere Geschichte wäre, anderen Studenten mit Behinderungen Anregungen für den Studienalltag zu geben.

Im ersten Tipp ging es um das Thema Orientierung. Hier spielt hauptsächlich die räumliche Orientierung eine Rolle. Ich verrate euch, wie ich mich zu Beginn auf dem Hochschulgelände orientiert habe und erkläre auch, was Mobilitätstraining ist und wie ihr das beantragen könnt.

Im zweiten Tipp geht es um das Thema Organisation. Und glaubt mir, da können sich auch nicht behinderte Studenten wahrscheinlich ein paar tolle Inspirationen holen. Die behandelten Themen sind hier u.a.: Nachteilsausgleich im Studium, Beschaffung von Fachliteratur.

Im dritten Tipp geht es dann ans Eingemachte: Umgang mit der eigenen Behinderung. Natürlich möchte niemand auf seine Behinderung reduziert werden. Dennoch gibt es, meiner Meinung nach, wichtige Dinge, die andere vielleicht wissen sollten, damit Unsicherheiten und Irritationen abgebaut werden können.

Wie immer gilt: Die in den Beiträgen angesprochenen Anregungen sind nicht in Stein gemeißelt. Sie können euch weiterhelfen oder ihr könnt sie verfluchen und mich zum Teufel jagen. Schön finde ich es, wenn wir in den Kommentaren darüber ins Gespräch kommen.

Wie es der Titel schon sagt, soll es heute um das Thema Bezieh nicht alles auf dich! gehen. Und das ist wirklich eine knifflige Sache. Dieser Punkt hängt ziemlich eng mit dem vorangegangen Tipp, dem Umgang mit der eigenen Behinderung, zusammen. Dennoch gibt es hier genügend Stoff für einen eigenen Beitrag. Also, auf geht's:


4. Bezieht nicht alles auf euch persönlich

Gerade in der Anfangszeit oder im Laufe eures Studiums kann es immer wieder irritierende Situationen geben. Um besser verdeutlichen zu können, was ich meine, führe ich mal die beiden folgenden Beispiele an:

Betriebsblinde Dozenten 
Das kann schon bei einfachen Schaut-euch-um-und-bildet-eine-Gruppe Situationen losgehen. Kurz zu Erklärung: Wer hier eine räumliche Übersicht hat und zusätzlich noch Blickkontakte aufnehmen kann, findet so die perfekten Gruppenmitglieder.

Ich habe aber ein anderes Beispiel für euch: Im Rahmen meines Studiums mussten wir auch ein einjähriges Seminar in Gesprächsführung belegen. Hier ging es nicht nur darum, sich Theorie anzueignen. In der Anfangszeit war es wichtig, dass wir uns untereinander kennenlernten und Vertrauen zueinander aufbauen konnten. Später sollten dann nicht nur anhand von Fallbeispielen Gesprächssituationen nachgestellt werden, sondern auch eigene Themen auf den Tisch kommen.

Zu Beginn des Seminars fand also ein Kennlernspiel statt. Hier wurde jedem von uns ein Zettel auf den Rücken geklebt. Wir sollten uns dann positive Dinge auf den Rücken schreiben. Mir war klar, dass das bei mir aufgrund des Sehrests nicht funktionierte. Ich thematisierte es und so wurden mir Sachen auf den Rücken geschrieben, aber selbst musste ich nichts schreiben. Ich ging also davon aus, dass klar ist, dass ich bei solchen Übungen nicht mitmachen kann.

Zum Seminarabschluss haben wir dann eine Reihe solcher Spiele gemacht. Erst sollten wir in Partnerarbeit ein Bilderrätsel zusammensetzen. Ein Dialog zwischen meinem Partner und mir:
Er: "Siehst du es?"
Ich: "Nein!"
Und so durfte er das Rätsel dann alleine machen. Zum Abschluss hat jeder von uns einen Zettel in der Form eines kleinen Herzens bekommen. Wir sollten wieder unseren Namen darauf schreiben und die Zettel gingen reihum. Jeder durfte wieder eine Bemerkung über jemand anderen auf dem neuen Zettel notieren. Wieder war ich außen vor. Die Zettel hatten unterschiedliche Farben, sodass ich nicht lesen konnte, was auf den einzelnen Zetteln stand. Der Kontrast war für mich nicht ausreichend. (Beispiel: dunkle Schrift auf dunklem Hintergrund). Jemanden zu bitten, etwas für mich aufzuschreiben, hätte ich in dem Moment ziemlich unpassend gefunden, zumal so jemand anderes von der Arbeit abgehalten worden wäre und man mehr Zeit hätte einplanen müssen.

Jetzt denkt ihr euch vielleicht: Immer diese bösen, bösen Dozenten. Das ist mir aber zu einfach gedacht.
Hier finde ich es sehr wichtig, sich immer wieder klarzumachen, dass Personen in den seltensten Fällen mit Absicht ausgeschlossen werden. Es ist kein persönlicher Angriff gegen euch oder eine bewusste Ignoranz eurer Behinderung. Um mal beim obigen Beispiel zu bleiben: Ich studiere Soziale Arbeit, da geht es mitunter darum, Klienten in schwierigen Lebenslagen zu helfen. Der/die DozentIn hätte den Beruf also ziemlich verfehlt, wenn sie sich einen Spaß daraus macht, Kursteilnehmer aus der Übung auszuschließen.

Dennoch sorgen solche Situationen für Frustration. Wäre es nicht der letzte Kurstermin gewesen, hätte ich wahrscheinlich etwas gesagt, in der Hoffnung, dass bei anderen Terminen auf visuelle Spiele verzichtet wird. So habe ich es über mich ergehen lassen, mich im Nachhinein bei Freunden ziemlich darüber aufgeregt, aber am eigentlichen Problem hat es nicht wirklich etwas geändert. (Also, merkt euch: Genauso macht ihr es bitte nicht :-) ).
Auch wenn es absolut nervig ist: Bei einigen Dozenten muss man wirklich hinterher sein. Das oben genannte Beispiel war das einzige, in dem es so massive Probleme gab. In anderen Kursen fragten mich die Dozenten zum Teil, was ich bräuchte bzw. reagierten verständnisvoll wenn ich beispielsweise darum bat, dass Unterlagen bitte vorab hochgeladen werden sollten. Wichtig ist hier natürlich, dass ihr nicht von vorne herein fordernd daherkommt. Ich schweife ab...

Kurzum: Ihr könnt eure ganze Energie jetzt in die Keiner-beachtet-mich-Nummer stecken. Aber das ist es echt nicht wert. Denn so bleibt nichts mehr übrig, um Lösungsansätze zu finden, damit ihr auch etwas von der Lehrveranstaltung habt.

Kommunikation unter Studierenden
Ihr kennt es sicher: In der Anfangszeit lernt ihr einen Haufen netter Leute kennen und führt gute Gespräche. Und dann sitzt ihr in einem Vorlesungssaal mit hundert anderen Studierenden. Wer da diejenigen wiederfindet, mit denen er reden möchte, der kann mir mal SOFORT sein Geheimrezept verraten.

Im vorherigen Bericht habe ich bereits erzählt, dass ich zu Beginn von Seminaren kommuniziert habe, dass ich die Leute in einer großen Gruppe weder erkennen noch wiederfinden werde. Wenn es also Pausen während der Vorlesungen gab, bin ich meist auf meinem Platz sitzen geblieben, weil herumlaufen und Leute suchen mit denen ich vielleicht reden möchte, für mich keinen Sinn ergab.

Immer wieder kam es vor, dass ich irgendwo in meiner Nähe bekannte Personen hören konnte, aber nicht genau wusste, wo sie sich befinden. Rufen hätte bei der Lautstärke im Raum absolut nicht funktioniert. Zu Beginn war ich dann sehr irritiert, weil ich hörte, dass sie in meiner Nähe waren, sie aber nicht vorbeikamen, um kurz Hallo zu sagen. Ich hatte damals die Idee, dass wir uns doch ganz gut verstanden hatten und war daher verwundert, dass offenbar kein Interesse bestand, sich mit mir in der Pause zu unterhalten.

Und hier ist schon das erste Problem: Ich bin hier in einer Warteposition, in der ich eigentlich nicht sein will. Wenn ich mich daher wirklich mit Leuten in der Pause treffen möchte, könnte ich ihnen beispielsweise schreiben und die Situation erklären und schauen, was passiert. Dieses Gedankenspiel spinne ich an dieser Stelle mal in zwei Richtungen weiter:

Situation 1: Nach verschickter Nachricht, hat sich das Problem in Luft aufgelöst. Menschen sind nicht perfekt. Da ich mich beispielsweise sicher im Hochschulgebäude bewege, haben sie einfach vergessen, dass ich sie nicht sehen kann. Und ja, dass kann wirklich passieren, weil ich mich ja nicht unsicher in den Räumen bewege. (Selbst meine Eltern haben früher daheim ab und an vergessen, dass ich schlecht sehe, weil ich mich in gewohnter Umgebung eben schnell bewege).

Situation 2: Wenn sich dann immer noch nichts ändert, neigen viele von euch sicher dazu, entweder den Fehler bei euch zu suchen oder die Studenten zu verteufeln. So nach dem Motto: Die schließen mich ja alle aus und wollen nichts mit mir zu tun haben. Und ich vermute, die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte.

Es geht also zum einen darum, die Kommunikation unter Sehenden (ich mag das Wort nicht, aber mir fällt momentan noch kein anderes Synonym ein, deswegen: verzeiht!) zu verstehen und vielleicht auch zu schauen, was mein Anteil an der fehlenden Kommunikation ist.

Jemand, der keine Sehbehinderung hat, schafft es ebenfalls nicht mit allen bekannten Personen in einem Hundert-Leute-Vorlesungsraum zu reden. Das ist einfach so. Allerdings haben es Sehende einfacher, mit anderen Menschen in Dialog zu treten. Man winkt sich im Vorbeigehen zu, nimmt Blickkontakt auf und so sind oft schon die ersten Weichen für ein Gespräch oder ein Hey-ich-hab-dich-gesehen-Moment gestellt. Das Gegenüber fühlt sich beachtet und beide gehen wieder ihrer Wege.

An dieser Stelle noch eine kleine, lustige Situation: In der Anfangszeit meinte eine Kommilitonin mal zu mir: "Hey, ich hab dir vorhin gewunken und dann ist mir eingefallen, dass du das ja gar nicht siehst." Das fand ich dann irgendwie witzig und nett zugleich.

Kommen wir abschließend nochmal zu der Frage nach der Kommunikation: Wie bereits angekündigt, würde ich erst einmal versuchen, mich gezielt zu verabreden. Wenn das Gegenüber hier aber bei ausweichenden Ja-mal-schauen-Sätzen bleibt, würde ich den Personen ehrlich gesagt nicht mehr hinterher rennen. Diese Ich-will-mich-nicht-festlegen-Sätze haben unterschiedliche Bedeutungen. Zum einen könnt ihr hier verplanten Menschen begegnen, die sich noch nie festlegen mussten und ihr Leben daher weiterhin spontan gestalten wollen.
Oder es ist einfach die freundliche Sorry-eigentlich-bist-du-nicht-mein-Fall-Antwort. Und auch das kann tausend Gründe haben und muss nicht zwingend mit eurer Behinderung zusammenhängen. Schließlich habt ihr im Laufe eures Lebens sicher ebenfalls Menschen kennen gelernt, die euch einfach nicht liegen. Punkt. Aus.


Was tun gegen Einsamkeit? 

In der Theorie klingt das natürlich alles so einfach und logisch. Aber in der Praxis ist das oft alles um einiges komplizierter. Gerade in den ersten Wochen meines Studiums bin ich morgens an die Hochschule gefahren, habe im Laufe des Tages kein einziges Gespräch geführt und bin dann wieder nach Hause gekommen. Wäre ich in einer fremden Stadt gewesen, hätte ich mein Studium wahrscheinlich abgebrochen, weil Einsamkeit schon ziemlich nervig sein kann.

Daher die Frage: Was tun? Wenn ihr merkt, dass euch euer Semester einfach nicht liegt, bleibt immer noch die Option, euch Kontakte außerhalb des Semesters oder der Hochschule zu suchen. Vielleicht habt ihr ein Hobby, das ihr auch trotz Studium weitermachen könnt.

Mir hat besonders geholfen, meine innere Einstellung zu Kommunikation und Dialogen zu überdenken. Früher bin ich mit dieser Hey-ihr-müsst-doch-mit-mir-reden-Mentalität an die Hochschule gefahren. Ich wollte unbedingt Kontakte. Und genau das strahlte ich auch aus. Es war in unsichtbaren Lettern auf meine Stirn gedruckt. Nachdem ich diese Haltung dann über Bord geworfen und sie gegen einen Entweder-es-läuft-was-oder-halt-nicht-Satz eingetauscht habe, erlebte ich Tage mit ungeahnten Begegnungen. So ist es mir beispielsweise noch im vorletzten Semester passiert, dass ich neue Leute kennengelernt habe. Und damit hätte ich wirklich nicht gerechnet.
Dennoch ist es natürlich wichtig, Menschen um sich herum zu haben, die einem liegen. Egal, ob das jetzt im eigenen Studiengang oder außerhalb des Hochschullebens ist.


Und du? 

Hast du selbst eine Behinderung und befindest dich in einer Ausbildung oder einem Studium? Wie erlebst du deinen Alltag?

Bist du ein Student oder Azubi ohne Behinderung, der diese Beiträge neugierig verschlungen hat? Was denkst du über die angesprochenen Themen? Hast du in deinem Jahrgang selbst jemanden mit Behinderung?


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Zu meiner Person und der Sache mit der Sehbehinderung: Ich bin von Geburt an auf dem linken Auge blind und auf dem rechten Auge hochgradig sehbehindert. Seit 2017 beträgt mein Sehrest 2%, was bedeutet, dass ich nach dem Gesetz als blind gelte. In der Praxis heißt dass: Ich...

  • Habe Mühe mich in unbekannten oder schlecht beleuchteten Räumen zu orientieren
  • Erkenne mir bekannte Personen nicht im Vorbeigehen 
  • Laufe mit einem Blindenlangstock (von mir als Elderstab betitelt) pendelnd durch die Weltgeschichte 
  • Kann keinen Blickkontakt aufnehmen und mit der Mimik meines Gegenübers nichts anfangen 
  • Kann Personen, die in unmittelbarer Nähe (linker, rechter Sitznachbar je nach Entfernung auch mein Gegenüber) erkennen, alle was darüber hinaus geht aber nicht 

In dieser Rubrik bereits erschienen:  

Bewerben für die Ausbildung / das Studium - HIER KLICKEN
Wo und wie beantrage ich Hilfsmittel - HIER KLICKEN
Wie bewerbe ich mich für ein Praktikum? - HIER KLICKEN
Wie beschaffe ich mir Fachliteratur? - HIER KLICKEN
Was muss ich für Prüfungen beachten? - HIER KLICKEN
Umgang mit der Sehbehinderung eigene Erfahrungen - HIER KLICKEN
Wie arbeite ich mit einer Gesetzessammlung? HIER KLICKEN
Wichtige Tastaturbefehle (Shortcuts) im Überblick HIER KLICKEN
Blind heißt nicht gleich nichts sehen - HIER KLICKEN
Vier Tipps für ein erfolgreiches Studium mit Behinderung: Tipp 1: Orientierung ist alles HIER KLICKEN 
Vier Tipps für ein erfolgreiches Studium mit Behinderung: Tipp 2: Organisation ist alles HIER KLICKEN 
Vier Tipps für ein erfolgreiches Studium mit Behinderung: Tipp 3: Umgang mit der eigenen Behinderung HIER KLICKEN 


Samstag, 21. Oktober 2017

Graffiti Moon

Bild von HörbuchHamburg
Steckbrief

Name: Graffiti Moon (auch als Buch erhältlich)
Autor: Cath Crowley
Verlag: HörbuchHamburg
Geeignet für: Menschen, die gerne Jugendbücher lesen
Gelesen oder gehört: gehört als gekürztes Hörbuch
Sprecher: Mirco Kreibich, Birte Schnöink, Hans Löw,
Bewertung: 4,5 von 5 Punkten


Klappentext 

(von HörbuchHamburg

"Lucys Herz gehört Shadow, dem geheimnisvollen Graffiti-Künstler, dessen Werke über die ganze Stadt verteilt sind – dabei hat sie ihn noch nie gesehen! Irgendwo da draußen streicht er herum und sprüht Leben an die grauen Wände. Als der seltsame Ed ihr verspricht, sie Shadow vorzustellen, folgt Lucy ihm durch die Nacht. Und in dieser einen Nacht, in der die tiefsten Geheimnisse von der Dunkelheit umgeben sind, finden Lucy und Ed doch Licht im Dunkeln?"


Meine Meinung 

Gestaltung 
In Graffiti Moon begegnen wir drei Handlungssträngen. Daher kommen hier auch wieder drei Sprecher zum Einsatz. Zu Beginn war ich etwas verwirrt, wer von den Männern jetzt wer ist, aber Wikipedia hat mich dann aufgeklärt.
Birte Schnöink gehört langsam aber sicher wirklich zu meinen Lieblingssprecherinnen. Ich finde es immer noch total faszinierend, dass sie so jung klingt. Sie hat den Charakter von Lucy, die sehr verträumt wirkt, gut erfasst. Ich konnte mir das Mädchen, das auf der Suche nach Shadow ist, praktisch bildlich vorstellen.
Mirco Kreibich schlüpft hier in die Rolle von Ed, einem Jungen, dem Lucy schon lange nicht mehr egal ist. Doch Ed hat ein Geheimnis. Und er glaubt, wenn er es verrät, ist alles verloren. Doch ist es das nach dieser Nacht nicht sowieso schon? Er steht vor einer Zerreißprobe. Und diese Gefühle hat Mirco Kreibich ziemlich gut übersetzt. Er und Birte Schnöink haben gut miteinander harmoniert. Während Birte Schnöink jung klingt, gibt Mirco Kreibich Ed einen Hauch mehr Lebenserfahrung. Doch wenn man hier genau hinsieht, wirkt Ed gar nicht so sicher, wie gedacht.
Und dann gibt es da noch den dritten Strang, den ich irgendwie nicht ganz verstanden habe. Hans Löw erzählt hier die Geschichte eines Mannes und seiner großen Liebe. Hier und da gibt es Parallelen zu unseren Protagonisten. Manchmal fragte ich mich, ob dieser Handlungsstrang den beiden näher war, als gedacht.

Inhalt
Cath Crowley nimmt uns hier mit auf eine Reise durch die Nacht. Sie hat hier eine schöne Geschichte geschaffen, die von zwei Jugendlichen erzählt, die nicht nur auf der Suche nach sich selbst sind. Sie suchen Menschen, die sie verstehen und glauben, ihnen ganz nah zu sein.

Lucy und ihre Freundinnen haben gerade das zwölfte Schuljahr beendet. Der Abend will gefeiert werden. Als Lucy dann noch Ed trifft, der den Graffiti Künstler Shadow kennt, schwebt sie auf Wolke sieben. Beide machen sich auf um den geheimnisvollen Shadow suchen zu gehen.

Cath Crowley greift hier die Themen auf, die Jugendliche bewegen. Die erste Liebe, die Suche nach den eigenen Wurzeln und die Vorstellungen, wie das eigene Leben gestaltet werden kann. Und das Schöne ist, dass ich mich in der Geschichte wirklich wiederfinden konnte. Zu Beginn von Graffiti Moon glaubte ich, dass unsere Protagonisten jünger sind, als gedacht. Doch dann verwirrte mich die Tatsache, dass Lucy bald aufs College gehen würde. Trotz des Chaos in meinem Kopf wirkten die Charaktere keinesfalls unglaubwürdig. Gedanken und Handlungen passten zueinander und waren für mich verständlich dargestellt.

Spannung
Neben der Frage, ob Lucy Shadow finden wird, bahnt sich noch ein anderer Spannungsbogen an. Diesen hat Cath Crowley geschickt eingefädelt und auch wieder aufgelöst, ohne dabei ein Feld der Verwüstung zu hinterlassen. (Dieser Satz klingt jetzt wahrscheinlich ziemlich dramatisch :) ). Der Spannungsbogen hat mich wirklich überzeugt.

Schreibstil 
Cath Crowley hat einen angenehmen, lebendigen aber auch tiefgründigen Schreibstil. Sie kehrt die Innenwelt unserer Hauptcharaktere gut nach außen. Außerdem hat sie eine Reihe wirklich lustiger, humorvoller Dialoge geschaffen. Da habe ich mir glatt das ein oder andere Zitat herausgeschrieben.

Gesamteindruck 
Bei Graffiti Moon handelt es sich um ein wunderbares Jugendbuch, das den Leser auf eine schöne Reise mitnimmt. Selbst wenn man nicht mehr im High School Alter ist, kann man trotzdem etwas aus der Geschichte mitnehmen. Und das hat mir besonders gut gefallen.


Mittwoch, 18. Oktober 2017

Darm mit Charme

Bild von
Ullstein Verlag
Steckbrief 

Name: Darm mit Charme (auch als Hörbuch erhältlich)
Autor: Giulia Enders
Verlag: Ullstein Verlag
Geeignet für: alle, die sich mit dem Thema Darm beschäftigen wollen und verständlich geschriebene Lektüre suchen
Gelesen oder gehört: gelesen, als Paperback
Bewertung: 4 von 5 Punkten

Klappentext 

(von Ullstein Verlag

"Unser Darm ist ein fabelhaftes Wesen voller Sensibilität, Verantwortung und Leistungsbereitschaft. Wenn man ihn gut behandelt, bedankt er sich dafür. Das tut jedem gut: Der Darm trainiert zwei Drittel unseres Immunsystems. Aus Brötchen oder Tofu-Wurst beschafft er unserem Körper die Energie zum Leben. Und er hat das größte Nervensystem nach dem Gehirn. Allergien, unser Gewicht und eben auch unsere Gefühlswelt sind eng mit unserm Bauch verknüpft. In diesem Buch erklärt die junge Wissenschaftlerin Giulia Enders, was die medizinische Forschung Neues bietet und wie wir mit diesem Wissen unseren Alltag besser machen können. Die dazu gehörigen Illustrationen stammen aus der Feder ihrer Schwester Jill. Die aktualisierte Neuauflage wird um ein Kapitel ergänzt: Die Schwestern Enders geben hier ein Update zu neuen Forschungsergebnissen und der Welt der Mikroben.


Meine Meinung 

Dieses Buch ist mir so unfassbar oft im Buchladen begegnet. Das mag wahrscheinlich einfach daran liegen, dass es ziemlich lange auf der Bestsellerliste stand. Am Anfang hab ich den Hype um Darm mit Charme nicht so recht verstanden. Was sollte an diesem Thema bitte charmant sein? Dennoch siegte irgendwann die Neugier und das Buch zog bei mir ein. 

Darm mit Charme hat eine angenehme Schriftgröße und ist zudem sehr ansprechend gestaltet. Immer wieder tauchen Abbildungen in der Lektüre auf, die den Inhalt zum einen auflockern und zum anderen auch gut untermalen. Sehr toll fand ich, dass die Abbildung als Unterstützung dienten, aber nicht Voraussetzung dafür waren, den Inhalt verstehen zu können. 

Mir fällt es sehr schwer den Inhalt in Kürze zusammenzufassen, weil Giulia Enders das Thema Darm aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und ich das Buch nur gelesen aber nicht wirklich damit gearbeitet habe. Toll finde ich, dass sie umfassend über den Darm informiert. Sie beginnt beim richtigen Sitze nauf der Toilette, erklärt, was bei der Verdauung wirklich passiert und das anhand eines tollen Beispiels und erzählt zudem ausführlich wie der Darm und das Nervensystem zusammenhängt. In einer Talkshow erzählte sie, dass sie von den Medien gebeten wurde, den Darm-Nerven-Teil möglichst unerwähnt zu lassen, mit dem - meiner Meinung absolut dummen - Argument, dass die Menschen das ja gar nicht hören wollen. Und genau das stimmt einfach nicht. In unserer heutigen Gesellschaft leiden immer mehr Menschen an Stress, Depressionen oder Burnout. Da ist es doch interessant zu erfahren, ob und wie das mit dem Darm zusammenhängt. 

Giuila Enders hat einen angenehmen Schreibstil. Sie baut einiges an sprachlichen Bildern ein, was aber auch dafür gesorgt hat, dass ich Mühe hatte in das Buch hineinzukommen. Manchmal bin ich ihrem sprachlichen Bild so weit gefolgt, dass mir der Weg zurück zum Abstrakten oft etwas zu schnell ging und ich mich fragte, wie wir von der einen Stelle plötzlich bei der nächsten gelandet sind. Dennoch sind mir einige Bilder sehr präsent geblieben. Beispielsweise erzählt sie, dass der Darm wie ein Wald sei. Man könne neue Pflanzen oder Blumen setzen - übertragen auf den Darm wären das Bakterien - müssten aber auch Geduld haben, ob diese wirklich wachsen und das Bild des Waldes verändern. 

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir Darm mit Charme sehr gut gefallen hat. Besonders schön fand ich, dass die Thematik so erklärt wurde, dass vor allem Nicht-Mediziner die Möglichkeit hatten, inhaltlich mitzukommen und etwas zu lernen. 

Montag, 16. Oktober 2017

SuB Geheimnisse Part 2: (Auto)Biografien

Hallo Buchlinge,

vor einer Weile habe ich euch ja in meinen Stapel ungelesener bzw. ungehörter Hörbücher eingeführt. Und die Podcast Folge ist - um es mit emions Worten zu sagen - etwas eskaliert.
Deswegen hab ich mir vorgenommen, die ganze Aktion etwas zu kürzen, weil sonst nicht nur euer Gehirn, sondern wahrscheinlich auch meines explodiert.

Kurz zu der Idee: Ich stelle euch nicht mehr alle Hörbücher oder Bücher eines Genres vor, sondern suche mir die heraus, die ich am langweiligsten oder am spannendsten finde. Es kann aber auch vorkommen, dass es Rubriken gibt, in denen nur spannende Bücher zu finden sind. Dann gibt es halt kein langweiliges Buch. Aber ich denke, ihr könnt es verkraften.

Wie der Titel schon sagt, soll es in diesem Post um die Hörbücher aus dem Genre (Auto)biografie gehen. Vielleicht mache ich an dieser Stelle nochmal auf den Unterschied aufmerksam: Eine Autobiografie wurde von dem Autor selbst geschrieben. Biografien werden meist von anderen Personen verfasst. Aber natürlich wird hier eng mit demjenigen zusammengearbeitet, von dem die Biografie handelt.

Aber fangen wir jetzt mit meinen Büchern an.


Langweiligstes Hörbuch 

Mr. Nice von Howard Marks 

Der Klappentext (von Goldmann Verlag)
"Mr Nice alias Howard Marks war der berühmteste Drogendealer der Welt. Nach einem Studium in Oxford vernebelte er in den Siebzigerjahren das Bermuda-Dreieck zwischen Irland, Großbritannien und Spanien mit Stoff aus Pakistan. In den Achtzigern besaß er 43 Decknamen, 89 Telefonanschlüsse und 25 Firmen. Nach seiner Verhaftung 1988 saß er sieben Jahre in Amerikas härtestem Knast ein. Seine Biographie klingt unglaublich und ist doch wahr."

Warum mich das Hörbuch erstmal nicht anspricht
Ich muss dazu sagen, dass das Hörbuch so alt ist, dass es beim Verlag nicht mehr vertrieben wird. Ich finde das schon echt krass, weil ich dachte, dass Hörbücher auch zeitlos sind und quasi immer erhältlich sind.

Nun aber zum Inhalt: An sich ist es spannend zu erfahren, wie ein Mann sich so viele Identitäten und Firmen aufbauen konnte ohne erst einmal aufzufliegen. Ein bisschen erinnert mich das Setting an den Film Catch me if you can. Hier schleicht sich unser Protagonist ebenfalls durchs Leben und gibt vor etwas zu sein, was er nicht ist.
Allerdings merke ich auch, dass ich schon eine Abneigung gegen Mr. Nice hege. Natürlich hat er sicher seine Gründe gehabt, Drogendealer zu werden und mehrere Identitäten anzunehmen. (Der Satz klingt schon verrückt, oder?)
Aber wenn ich seine Biografie höre, muss ich mich ja auch auf seine Ansichten einlassen können. Und das kann und will ich im Moment noch nicht. 


Spannendste Hörbücher  

Warum soll ich mich eigentlich entscheiden, wenn ich auch einfach zwei Hörbücher vorstellen kann? Also legen wir doch gleich mal los. 

Mein Leben von Marcel Reich-Ranicki
Klappentext von der hörverlag
"Heute kennt man Marcel Reich-Ranicki vor allem als wortgewaltigen Kritiker, der über viele Jahre mit der ZDF-Sendung "Das literarische Quartett" Literatur einem breiten Publikum nahe brachte. In seinen Memoiren lernt man ihn als einen Menschen kennen, dessen Schicksal eng mit dem bedrückendsten Teil der Geschichte dieses Jahrhunderts verknüpft ist. Wie Reich-Ranicki seine Kindheit in Polen schildert, seine Jugend im Berlin der Weimarer Zeit, die Erlebnisse seiner Deportation nach Polen, die Begegnung mit seiner Frau Tosia am Anfang des Krieges, das Warschauer Ghetto, die Rückkehr nach Deutschland, das alles lässt nicht wieder los." 

Warum mich die Biografie interessiert 
Die Biografie verbindet historische Elemente mit der Liebe zur Literatur. Als es Das literarische Quartett mit Marcel Reich-Ranicki noch gab, war ich zu klein, um mich dafür zu interessieren.
Aber ich kann mich noch gut an seinen Ich nehme diesen Preis nicht an-Auftritt erinnern und fand es damals irgendwie witzig, dass jemand zu einer Preisverleihung geht, nur um diese eigentlich zu boykottieren. Er hätte ja auch einfach zu Hause bleiben können.

Vor Jahren hab ich dann mal ein paar Ausschnitte aus der Verfilmung seiner Biografie gesehen und fand diese ebenfalls interessant, war aber auch noch zu jung um die Geschichte richtig verstehen zu können. 
Leider ist der Literaturkritiker mittlerweile verstorben. Dennoch möchte ich mich gerne mit seiner Biografie auseinandersetzen. 

Ich bin dann mal weg von Hape Kerkeling 
Hape Kerkeling kennen wahrscheinlich noch viele von euch als einen lustigen Menschen, der sich auf ziemlich gute Wortwitze versteht. Eine Zeit lang war er aus dem Fernsehen nicht mehr wegzudenken. Und seine Kult-Figur Horst Schlämmer stellte sich sogar mal zur Bundestagswahl auf. Kerkeling begab sich schließlich auf eine Reise und wanderte den Jakobsweg entlang. Was er dort erlebt hat, berichtet er in seiner Biografie. 

Warum mich das Buch interessiert 
Eigentlich gehört das Hörbuch gar nicht mir. Es gehört zu den Büchern, die einem anderen Familienmitglied - in diesem Falle der Grafikerin - geschenkt wurden und die alle früher oder später bei mir landen. Dennoch interessiert mich die Biografie sehr: Ich möchte wissen, wie Hape Kerkeling aufgewachsen ist, wie er dazu kam, auf der Bühne stehen zu wollen und was er bei seiner Wanderung erlebt hat. In Interviews hatte der Autor nämlich erzählt, dass er keine leichte Kindheit hatte. Und da frage ich mich, wie man trotz der Schwere, die man schon früh mitbekommen hat, trotzdem immer wieder Witze produzieren kann. Außerdem wir das Hörbuch von Hape Kerkeling selbst gelesen. Und auf dieses Hörerlebnis bin ich natürlich besonders gespannt. 


Und ihr? 

Kennt ihr eines der vorgestellten Bücher? 
Welche Biografien schlummern auf eurem Stapel ungelesener Bücher? 


Samstag, 14. Oktober 2017

Der Flügelschlag des Glücks

Bild von
blanvalet Verlag
Steckbrief

Name: Der Flügelschlag des Glücks (auch als Hörbuch erhältlich)
Autor: Lisa Jewell
Verlag: blanvalet
Geeignet für: Menschen, die gerne Familiengeschichten mögen
Gelesen oder gehört: gelesen als Taschenbuch
Bewertung: 3,5 von 5 Punkten

Klappentext 

(von blanvalet

"Ein Haus. Eine Familie. Und das tragische Geheimnis, das zwischen ihnen steht ...

In einem gemütlichen Cottage in England verbringen die vier Bird-Geschwister eine idyllische Kindheit voller Wärme und Harmonie. Bis zu jenem schrecklichen Osterwochenende, nach dem nichts mehr ist wie zuvor. Die Jahre vergehen, und bald schon scheint es, als wären sie nie eine Familie gewesen ... Doch dann erreicht die in alle Himmelsrichtungen zerstreuten Birds eine Nachricht, die sie in das Haus zurückkehren lässt, in dem sie aufgewachsen sind. Endlich sollen sie die Wahrheit über das erfahren, was an jenem Osterfest vor vielen Jahren wirklich geschah ..."


Meine Meinung 

Gestaltung 
Mich machte der Klappentext von Der Flügelschlag des Glücks neugierig. Mich interessierte nicht nur, welches Ereignis die Familie auseinander trieb, sondern ob oder wie sie wieder zueinander finden. 
Das Cover finde ich sehr ansprechend gestaltet. Es ist ein Baum darauf abgebildet. Der Titel ist in der Baumkrone platziert. Durch die farbliche Gestaltung des Covers wird auch die Atmosphäre der Geschichte transportiert, die teilweise sehr bunt und farbenfroh ist. 
Allerdings war mir die Schriftart eindeutig zu klein. Jetzt werdet ihr sagen: Ja, dann hättest du das Hörbuch hören können! Und ich gestehe: Das Buch war schon sehr lange auf meiner Wunschliste und ich habe es absolut verplant, dass es eigentlich eine Hörbuch Fassung der Geschichte gibt. Tja, Buchlinge, man lernt nie aus. 

Inhalt 
Zu Beginn des Romanes lernen wir eine wunderbare Familie kennen. Mutter Lorelei und Vater Collin sind absolut liebenswürdig und versuchen das Leben ihrer Kinder so schön wie möglich zu gestalten .Zentraler Handlungsort der Geschichte ist das alljährliche Osterfest, welches die Birds bei sich zu Hause feiern. Hier werden auch regelmäßig Freunde und Familie eingeladen. Ostern stellt für die Birds wohl das zweite Weihnachtsfest dar. Ganz besonders die alljährliche Eiersuche hat es nicht nur den Kindern, sondern auch Mutter Lorelei angetan.

Lisa Jewell beschreibt die Geschichte aus mehreren Perspektiven. Zuerst blickt sie von außen auf die Familie und beschreibt die Idylle, in der sie leben. Und dann nimmt sie nach und nach die verschiedenen Perspektiven der Familienmitglieder ein: Angefangen bei der ältesten Tochter Meg, der nach und nach auffällt, dass mit ihrer Mutter etwas nicht stimmt. Weiter geht es mit ihrer jüngeren Schwester Bethan, von allen Beth genannt, die auf der Suche nach sich selbst ist. Und auch die Brüder Rhys und Rory haben eine eigene Sichtweise auf das Familienleben. 

Nach dem Ereignis, das die Familie auf eine harte Probe stellt, gehen die Wege der Familienmitglieder auseinander. Lisa Jewell lässt uns teilhaben, wie es dazu kam und wie sich die unterschiedlichen Familienmitglieder mit sich auseinandersetzen. 

Ich kam mit dem Aufbau des Romanes nicht wirklich zurecht. Die Kapitel werden immer mit einer Mail von Mutter Lorelei an ihren Brieffreund Jim eingeleitet. Das ist zwar gut gelungen, weil wir Lorelei sonst nur aus den Perspektiven Anderer erlebten, aber gerade auf den letzten Seiten waren mir die Mails etwas zu banal. Die Idee die Geschichte aus den verschiedenen Blickwinkeln der Kinder zu erzählen, hat mir an sich auch gefallen. Allerdings waren mir die Charaktere etwas zu einseitig bzw. wurde ihre Veränderung nicht wirklich thematisiert. Wir lernten zwar hier und da ein paar Krisen kennen, ich konnte aber nicht wirklich nachvollziehen, wie es dazu kam. Alles auf das Ereignis zu schieben, klang einerseits logisch, andererseits war es mir auch irgendwo etwas zu weit hergeholt. Zudem wurden mir die wesentlichen Veränderungen eines Geschwisterteils immer im Gespräch zwischen anderen Geschwistern herausgearbeitet. Das war mir tendenziell auch etwas zu einfach gedacht.
Hier und da schienen mir die Charaktere manchmal etwas unberechenbar, was einfach daran lag, dass ich sie nicht richtig greifen konnte. So gibt es beispielsweise eine Nachbarin, die eine wichtige Rolle in dem Roman einnimmt. Wir erleben ein Kapitel aus ihrer Sicht. Hier schien sie mir wirklich unsympathisch. Sie versucht sich in die Familie zu drängen und lässt auch kein gutes Haar an den Bird-Kindern aus. Und auch die anderen Familienmitglieder schienen sie höchstens zu dulden. Dann - Jahre später - ist sie plötzlich vollkommen akzeptiert worden. Auch ich schien sie nun sympathischer zu finden und hatte das Gefühl, dass der Charakter eine vollkommene gegensätzliche Entwicklung gemacht hat, von der ich aber überhaupt nichts mitbekommen habe. Und das schien mir dann doch etwas weit hergeholt.

Zudem erzählt der Klappentext davon, dass ein Ereignis die Familienmitglieder wieder zusammenbringt. Und dieses Wieder- zueinander-Finden-Thema spielte sich etwa auf den letzten 80 Seiten des Buches ab. Über die Hälfte des Buches handelte von dem Auseinanderdriften der Familie. Mir wäre es lieber gewesen, wenn die Handlungsstränge gleichmäßig verteilt worden wären. 

Spannung 
Zu Beginn von Der Flügelschlag des Glücks war der Spannungsbogen gut aufgebaut. Wir erlebten die Idylle und wie das ganze Gebilde zu bröckeln beginnt, als die älteste Tochter Megan in die Pubertät kommt. Dann bleibt der Spannungsbogen ziemlich lange auf einer Ebene. Natürlich ist es interessant zu lesen, was mit der Bird-Familie so passiert, aber mir fehlte der Kick. Ich fragte mich, wie lange es noch dauern würde, bis endlich alle zusammenkamen. 
Gegen Ende nimmt das Buch dann aber eine schöne Wendung. Obwohl viel Zeit vergangen ist, wirkt es trotzdem nicht unrealistisch, wie die Familie aufeinander reagiert. 

Schreibstil 
Lisa Jewell hat dem Roman einen allwissenden Erzähler verpasst. Sie erzählt nicht nur Kapitel aus verschiedenen Perspektiven, sondern wechselt hier und da auch schon mal innerhalb einer Szene die Perspektive. An sich mochte ich ihren Schreibstil. Sie schafft es schwierige Situationen bildhaft zu beschreiben, ohne, dass man als Leser gleich eine Diagnose hingeklatscht bekommt. Wir können mit ihr gemeinsam verfolgen, wie sich der Zustand entwickelt. Jedoch haben mir hier und da etwas die Dialoge gefehlt.

Gesamteindruck 
Wenn ihr meine Rezension jetzt so lest, fragt ihr euch wahrscheinlich, warum das Buch denn so viele Punkte bekommen hat, wenn ich bisher nur die negativen Seiten hervorhebe. An sich hat Der Flügelschlag des Glücks irgendwo auch eine schöne Atmosphäre und die Grundidee finde ich echt gut. Es war also keine absolute Leseenttäuschung, sondern warf für mich nur an einigen Stellen Fragen auf. 

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Rundum kulinarisch - Der Freiburger Bücherstammtisch im Oktober

Foto: A. Mack

Hallo Buchlinge,

im Oktober standen zwei Themen auf der Tagesordnung des Freiburger Bücherstammtisches. Zum einen wollten wir uns das letzte Mal mit dem satanarchäolügenialkohöllisch (alle anwesenden Stammtisch Mitglieder können das Wort einwandfrei aussprechen) Wunschpunsch beschäftigen. Die perfekte Überleitung dazu, bot dann unser zweites Thema: Essen in Büchern. 


Der Wunschpunsch - Das Fazit 

Bild von HörbuchHamburg


Alle Stammtisch Mitglieder hatten die Lektüre mittlerweile beendet. Nun wollten wir diskutieren, wie sich die Geschichte und die Charaktere verändert hatten. Gab es eine positive oder negative Veränderung? Was war die Moral von der Geschichte? Gab es überhaupt eine? 

Und schon bei der ersten Frage, nämlich der Charakterentwicklung gab es gegensätzliche Meinungen. Denn im Grunde blieb sich jeder auf seine Art ja irgendwie treu, oder? Und wo fängt das mit der Charakterentwicklung überhaupt an? 

Ihr merkt: Fragen über Fragen. Und eigentlich möchte ich diese aus Spoiler Gründen an dieser Stelle gar nicht beantworten. Das Buch hat uns allen recht gut gefallen. Der Inhalt war überschaubar, was aber auch einfach daran lag, dass es sich um ein Kinderbuch handelte. Dennoch kann jede Altersgruppe etwas aus der Geschichte mitnehmen. 

Wer sich für eine ausführliche Rezension interessiert, kann mal einen Blick HIER HER werfen.



Essen in Büchern 

Jetzt haben wir schon mal so ein Thema und ich habe es völlig vergessen unsere Ergebnisse anhand von Beweisfotos festzuhalten. Nun erfahrt ihr also nie, wie Isonas Schoko-Haselnuss Waffeln ausgesehen haben oder werdet nie herausfinden, dass mein Waffelteig fast davon geschwommen wäre. Schade... wirklich schade :-) 

Es stellte sich heraus, dass das Thema Essen in Büchern gar nicht so einfach zu beantworten ist, da Charaktere in Geschichten eben nicht oft essen. Natürlich kamen wir wieder auf Harry Potter zu sprechen. Denn dort gibt es eine Reihe fabelhafter Gerichte wie Kesselkuchen, Fred und Georges Süßigkeiten oder das Sortiment des Honigtopfs. Und nicht zu vergessen: das Butterbier. Selten werden Gerichte erwähnt, die unseren Charakteren nicht schmecken. Isona und emion stellten zudem fest, dass Harry, Ron und Hermine nie selbst kochen. Also stellt sich die Frage: Lernen das Zauberer überhaupt? 

Bücherstammtisch Mitglied Isabelle hielt eine Überraschung bereit: Sie brachte Roald Dahls Matilda mit. In der Geschichte geht es um ein hochbegabtes Mädchen, das von ihren Eltern nicht beachtet wird. Auch in der Schule werden sie und die anderen Mitschüler von einer ziemlich schrägen Schulleiterin terrorisiert. ACHTUNG SZENEN SPOILER Als ein Schüler auf die Idee kommt ein Stück Schokoladentorte zu stehlen, bekommt er eine böse Aufgabe. Er muss eine ganze, große Torte alleine aufessen. Und bevor das nicht passiert ist, darf keines der zusammengetrommelten Kinder die Aula der Schule verlassen. SPOILER ENDE 

Das Interessante an dieser Szene war, dass es nicht etwa um ein ekliges Gericht ging. Der Junge durfte etwas Leckeres verspeisen. Allerdings war jedem klar, dass das Leckere in so einer großen Menge nur Übelkeit hervorrufen könnte. Dieses Stilmittel fand ich besonders spannend. 

Meine mitgebrachten Bücher hingegen, waren da schon etwas banal. Zum einen stellte ich Mordshunger von Frank Schätzing vor. Allerdings konnte ich nicht mehr viel über den Inhalt erzählen. Warum ich das Buch dennoch mitbrachte? Auf dem Cover ist ein offenes Maul zu erkennen. Vermutlich blicken wir hier in das Gebiss eines Tieres. Gepaart mit dem Titel und dem Trailer zum Film, der damit endet, dass wir eine Pfanne sehen, in der Fleisch angebrutzelt wird, bekam ich das Gefühl, dass es sich vielleicht um Kannibalismus handeln könnte. Daher wollte ich zuerst das Buch lesen und kann an dieser Stelle eine Entwarnung aussprechen. Es gibt einen spannenden Thriller aber ohne gegessene Menschen. 

Buch Nummer zwei auf meiner Liste war die Reihe Pinkmufin@BerryBlue von Hortense Ulrich und Joachim Friedrich. Ja, Buchlinge, ich weiß, dass das Essen bereits im Titel steckt. Allerdings geht es mir hier nicht um Muffins oder Beeren. Die Eltern von Protagonist Berry haben eine Konditorei zu der auch ein Cafe gehört. Hier muss der Sohn oft aushelfen. Er erzählt Pinkmuffin in seinen Mails von den verschiedenen Gästen, die hier so ein- und ausgehen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Gruppe älterer Damen, die gerne die Spezialität des Hauses, nämlich so genannte Walkürenbällchen bestellen. Und ich wollte diese Bällchen immer einmal probieren. Allerdings scheinen sie wohl aus der Fantasie von Joachim Friedrich zu entsprechen. 

Isona fand das Thema Essen so spannend - wer unsere Messeberichte kennt: Nein, nicht lachen! :-) - dass sie es gern nochmal auf die Tagesordnung für ein Frühjahrstreffen setzen möchte. So bleibt uns länger Zeit in unseren aktuellen Lektüren zu beobachten, wie mit dem Thema Essen umgegangen wird. Außerdem können wir nochmal ausführlicher im eigenen Bücherregal stöbern. 


Stöbern im Veranstaltungskalender des Literaturhauses 

Buchlinge, die Wintermonate werden absolut literarisch. Ihr könnt euch auf einige Berichte freuen. Vor ein paar Monaten bin ich dem Literaturforum Südwest e.V. beigetreten. Wie der Titel schon sagt, geht es hier um Literatur und Bücher. Ich glaube, also ich bin am richtigen Platz. Aber was ich eigentlich erzählen wollte:

Freiburg bekommt ENDLICH ein Literaturhaus. Am Sonntag den 22. Oktober und ein Teil des Bücherstammtisches wird live dabei sein. Beinahe pünktlich zum Bücherstammtisch Treffen wurde mir das Programm zugeschickt, sodass wir ordentlich darin stöbern konnten. 

Am Samstag den 28.10. ab 13:00 Uhr wird übrigens zum Lesemarathon geladen. Klingt gut, oder? 


Sonntag, 8. Oktober 2017

Vier Tipps für ein erfolgreiches Studium mit Behinderung Tipp 3: Umgang mit der eigenen Behinderung

Hallo in die Runde,

heute kommen wir also zum vorletzten Tipp in dieser kleinen Reihe. Falls ihr gerade zufällig über diese Artikel stolpert und euch fragt, was es damit auf sich hat: Ich, selbst Studentin mit Sehbehinderung und kurz vor Ende des Studiums, möchte anderen Studierenden mit Behinderungen Anregungen an die Hand geben, die den Studienalltag hoffentlich etwas leichter gestalten zu können.

Im ersten Beitrag ging es um das Thema räumliche Orientierung auf dem Hochschul- bzw. Uni Gelände. Im zweiten Teil gibt es etwas zum Thema Organisation im Studium zu lesen. So erzähle ich beispielsweise, welche Möglichkeiten es gibt an barrierefrei Fachliteratur zu kommen.

Die Tipps sind nicht in Stein gemeißelt. Es kann sein, dass sie dem ein oder anderen von euch helfen. Es kann aber genauso gut vorkommen, dass ihr überhaupt nichts mit meinem Geschreibsel anfangen könnt.

Egal, wie ihr über die Reihe oder den hier vorliegenden Beitrag denkt: Haut mir alles in die Kommentare.

Am Ende des Beitrages findet ihr zudem eine weitere Übersicht, welche Artikel in der Rubrik Leben mit Sehbehinderung bereits erschienen sind.



3. Überleg dir, wie du mit deiner Behinderung im Studium umgehst 

Je nachdem, welche Behinderung ihr habt, werdet ihr mir spätestens jetzt wahrscheinlich den Vogel zeigen und brüllen: Ich stell mich doch nicht an den Pranger, ich bin doch nicht blöd! 
Ihr müsst ja auch nicht jeder wildfremden Person eure Lebensgeschichte erzählen. Dennoch ist es wichtig, dass zumindest einige Personen über eure Krankheitsgeschichte Bescheid wissen oder zumindest die Basics eurer Behinderung bekannt sind.

Nicht sichtbare Behinderungen oder Erkrankungen 
Hier fallen mir zu allererst die psychischen Erkrankungen ein. Es sind natürlich auch alle anderen Erkrankungen gemeint, die man auch nicht auf den ersten Blick ansieht, die aber wiederum dafür sorgen, dass ihr nicht regelmäßig an Lehrveranstaltungen teilnehmen könnt oder länger braucht, um Leistungsnachweise zu erbringen.
Wenn ihr hier nicht offen mit eurer Erkrankung umgehen möchtet, kann ich das absolut verstehen. Dennoch denke ich, dass ihr euch das Studentenleben erleichtern könnt, indem ihr einen Antrag auf Nachteilsausgleich beim Prüfungsamt stellt. Hier könnt ihr beispielsweise beantragen, dass ihr für Prüfungen oder Hausarbeiten mehr Zeit bekommt. So wissen zumindest die Leute Bescheid, die euch benoten müssen. Wie ihr so einen Nachteilsausgleich beantragen könnt und was es dabei zu beachten gibt, erkläre ich HIER.

Zudem ist jede Hochschule oder Universität mit einem Behindertenbeauftragen besetzt. Eine Aufgabe des Behindertenbeauftragen ist es, Studierende mit Behinderung beim Studium zu unterstützen bzw. zu beraten. Ihr könnt euch also auch gerne mit den Mitarbeitern in Verbindung setzen.

Sichtbare Behinderungen 
Auch wenn ich damit einen Shitstorm auslöse: Einige Sehbehinderungen sind sichtbar. Ihr bekommt die irritierenden Blicke vielleicht nicht mit, weil ihr sie nicht seht, aber eurem Umfeld wird schnell auffallen, dass da etwas nicht stimmt. Ich persönlich bin sogar froh, dass man mir meine Behinderung ansieht, weil ich so gar nicht au die Idee kommen würde, irgendetwas zu verheimlichen. Nun kommen wir zu meinen Ideen:

Dinge benennen 
Ich bin gerade in der Anfangszeit dazu übergegangen, bei Vorstellungsrunden meine Sehbehinderung anzusprechen und zu erklären, wie viel ich sehe. Und zwar nicht nur in Prozentzahlen, sondern auch, wie sich das in der Praxis äußert. Zudem habe ich dann erwähnt, was die Leute tun können, wenn sie mit mir ins Gespräch kommen wollen. (Mich gezielt ansprechen zum Beispiel und das idealerweise mit meinem Namen :). Allerdings habe ich das nur gemacht, wenn es im Seminar Vorstellungsrunden gab.
Bei einigen Studierenden war das der Türöffner. Ich hab gemerkt, dass sie keine Probleme im Umgang mit mir haben. Andere haben sich nach der Fragerunde wieder verabschiedet und ich hab sie buchstäblich nicht mehr gesehen. Damit müsst ihr natürlich auch rechnen. Dennoch finde ich es sehr wichtig, den Wind aus den Segeln zu nehmen. Und natürlich ist mir klar, dass es alles andere als einfach ist. Ich habe mich oft gefragt, ob ich das Behinderungsprogramm schon wieder abspulen soll oder nicht.

In Vorlesungen bin ich zu Beginn meist zum Dozenten gegangen und habe gefragt, ob es möglich ist die Vorlesungsfolien vorab zur Verfügung stellen zu können, damit ich in der Lehrveranstaltung auch mitlesen kann. Hier braucht ihr sehr viel Geduld und gute Argumente, da die meisten Dozenten zwar Verständnis zeigen, es aber regelmäßig vergessen oder klarstellen, dass sie sich gerne die Ich-ändere-in-letzter-Minute-einen-Inhalt-Option offen halten möchten. (Wer noch ein Thema für eine Forschungsarbeit suchen sollte: Mich würde brennend interessieren, welche Dozenten am Frühstückstisch nochmal ihre Vorlesungsfolien durchgehen :-) ).

In letzteren Fällen hatte ich dann oft Glück und die Dozenten haben ihre Materialien dann am selben Tag oder zeitnah zur Verfügung gestellt, sodass ich gezielt nacharbeiten konnte.

Sätze wie "Ich will nicht auf meine Behinderung reduziert werden",
Inhaltlich stimme ich euch hier vollkommen zu. Ihr seid mehr als nur der Mensch mit Behinderung. Allerdings kann dieser Satz je nachdem auf welche Leute man trifft, auch ein Kommunikationskiller sein. Stellt euch vor, dass die meisten aus eurem Semester noch nie etwas mit einem Menschen mit Behinderung zu tun hatten. Viele sind unsicher und wissen nicht, wie sie mit euch umgehen sollen oder haben eine Hand voll Fragen, möchten aber auch nicht hochkant ins Fettnäpfchen springen. Ich will nicht auf meine Behinderung reduziert werden, könnte auch übersetzt heißen: Sprich mich nicht darauf an. Damit habt ihr wahrscheinlich eure Ruhe vor den vielleicht lästigen immer wiederkehrenden Fragen. Die Unsicherheiten eures Gegenübers bleiben aber bestehen.

Stellt euch darauf ein, dass 
... es eine Menge Leute geben wird, die sich nicht trauen werden, offen auf euch zuzugehen, weil sie absolut noch nie etwas mit einem Menschen mit Behinderung zu tun hatten.
... gefühlt alle euch kennen, ihr aber nur wenige :-)
... am Anfang sehr viele Fragen zu eurer Behinderung kommen werden: Einige verabschieden sich nach der Fragerunde und waren nie wieder gesehen. Für Andere ist die Fragerunde zum Einstieg der Türöffner für einen zuverlässigen Kontakt.
... ein offener Umgang mit eurer Behinderung euch oft das Leben erleichtern kann: Sagt was ihr braucht, dann weiß euer Umfeld Bescheid.


Deine Erfahrungen 

An dieser Stelle interessiert mich brennend, welche Erfahrungen du im Studium oder in der Ausbildung gemacht hast.
Oder an die Leser, die keine Behinderung haben: Was würde dir im Umgang mit Menschen mit Behinderung helfen? Wo sind deine Unsicherheiten?

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Zu meiner Person und der Sache mit der Sehbehinderung: Ich bin von Geburt an auf dem linken Auge blind und auf dem rechten Auge hochgradig sehbehindert. Seit 2017 beträgt mein Sehrest 2%, was bedeutet, dass ich nach dem Gesetz als blind gelte. In der Praxis heißt dass: Ich...

  • Habe Mühe mich in unbekannten oder schlecht beleuchteten Räumen zu orientieren
  • Erkenne mir bekannte Personen nicht im Vorbeigehen 
  • Laufe mit einem Blindenlangstock (von mir als Elderstab betitelt) pendelnd durch die Weltgeschichte 
  • Kann keinen Blickkontakt aufnehmen und mit der Mimik meines Gegenübers nichts anfangen 
  • Kann Personen, die in unmittelbarer Nähe (linker, rechter Sitznachbar je nach Entfernung auch mein Gegenüber) erkennen, alle was darüber hinaus geht aber nicht

In dieser Rubrik bereits erschienen:  

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Wo und wie beantrage ich Hilfsmittel - HIER KLICKEN
Wie bewerbe ich mich für ein Praktikum? - HIER KLICKEN
Wie beschaffe ich mir Fachliteratur? - HIER KLICKEN
Was muss ich für Prüfungen beachten? - HIER KLICKEN
Umgang mit der Sehbehinderung eigene Erfahrungen - HIER KLICKEN
Wie arbeite ich mit einer Gesetzessammlung? HIER KLICKEN
Wichtige Tastaturbefehle (Shortcuts) im Überblick HIER KLICKEN
Blind heißt nicht gleich nichts sehen - HIER KLICKEN
Vier Tipps für ein erfolgreiches Studium mit Behinderung: Tipp 1: Orientierung ist alles HIER KLICKEN 
Vier Tipps für ein erfolgreiches Studium mit Behinderung: Tipp 2: Organisation ist alles HIER KLICKEN