Samstag, 29. Juli 2017

Sturmflimmern

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cbt Verlag
Steckbrief

Name: Sturmflimmern
Autor: Moira Frank
Verlag: cbt Verlag
Geeignet für: Menschen, die gerne Jugendbücher lesen
Gelesen oder gehört: gelesen
Bewertung: 1,5 von 5 Punkten


Klappentext 

(von cbt Verlag

"in flirrend heißer Sommer in einer amerikanischen Kleinstadt: Die 15-jährige Sofia würde am liebsten einfach nur die großen Ferien genießen, mit ihren Freunden Partys feiern und im Fluss baden gehen. Doch mit ihrer eigensinnigen Art hat sie unbeabsichtigt den Konflikt zwischen ihrem besten Freund Oscar und seinem brutalen älteren Bruder David verschärft. Aus ein bisschen Geplänkel entsteht eine gefährliche Spirale der Gewalt. Dabei fangen mit der Ankunft eines alten Bekannten von Sofias Vater die Probleme gerade erst an ..."


Meine Meinung 

Moira Franks Debüt begegnete mir bereits auf ein paar Buchblogs. Zudem wurde mir das Buch indirekt von einem Leser empfohlen, der unbedingt mit mir darüber diskutieren wollte. Und das haben wir... Leider gab es nicht viel Positives zu vermerken. Bevor ich aber mit meiner Rezension loslege: Ich freue mich für die Autorin, dass sich das jahrelange Schreiben gelohnt hat - sie hat bei mehreren Wettbewerben mitgemacht und u.a. ein Stipendium gewonnen - und sie nicht nur einen Agentur- sondern auch einen Verlagsvertrag bekommen hat. Dennoch kann ich mit Sturmflimmern einfach nichts anfangen. Die Rezension bleibt spoilerfrei. Allerdings werde ich in meinem Monatsrückblick nochmal von dem Buch berichten und dort wahrscheinlich spoilern um meine Meinung einfach noch besser begründen zu können. Jetzt aber genug geschwafelt. 

Gestaltung 
Die Gestaltung des Buches gefällt mir gut. Das Cover ist schlicht. Zudem haben auch die Kapitel eine gute Länge für ein Jugendbuch. Interessant fand ich das Stilmittel, das der erste Satz jeden Kapitels fett markiert war. Zuerst irritierte mich das etwas, jedoch habe ich mich schnell daran gewöhnt. 
Letztendlich war es der Klappentext, der mich neugierig auf die Geschichte gemacht hat. Dieses kurze Zitat aus Sturmflimmern warf einige Fragen auf. Was macht Sofia anders? Warum hat sie Angst, Ähnlichkeiten mit ihrer Mutter zu haben? 

Inhalt 
Sturmflimmern beginnt mit einem sehr spannenden Prolog. Hier erleben wir die Geschichte aus der Sicht von Harriet, die mit einem Mann und einem kleinen Mädchen auf der Flucht ist. Wovor? Das wissen wir noch nicht und haben auch keine Möglichkeit, es zu erahnen. 

Dann macht Moira Frank einen großen Zeitsprung. Sofia ist mittlerweile fünfzehn Jahre alt und hat es nicht leicht. Sie fällt in der Schule vor allem durch ihre Gewaltbereitschaft auf. Doch das kommt ihren Eltern Harriet und Schill gar nicht gelegen. Schließlich haben sie dem Mädchen oft genug eingeschärft, das sie ja nicht auffallen dürfen. Als Sofia dann noch ungewollt eine Gewaltspirale los tritt, nimmt die Geschichte ihren Lauf. 

Sturmflimmern handelt im Grunde von zwei Handlungssträngen: Zum einen geht es um die Problematik der Gewaltspirale, die sich in der Gegenwart entwickelt. Hier gerät Sofia in eine Schlägerei mit dem Bruder ihres besten Freundes. Das der sich nicht einfach so von einem Mädchen verprügeln lassen will und nach einer Gelegenheit sucht, es ihr heimzuzahlen, wird schnell klar. Doch es stellen sich die Fragen: Wie weit wird David gehen? Kann er gestoppt werden? 

Der zweite Handlungsstrang hat etwas mit dem Prolog zu Beginn der Geschichte zu tun. Urplötzlich werden Harriet und Schill nämlich von ihrer Vergangenheit eingeholt. Sofia erfährt, wo sie die ersten Jahre ihres Lebens verbracht hat und was dafür gesorgt hat, dass ihre Eltern Hals über Kopf mit ihr fliehen mussten. 

Mein Problem bestand hauptsächlich darin, dass die Handlungsstränge nicht gut miteinander verknüpft waren. Der Auftakt der Gewaltspirale wirkte auf mich unlogisch. Ich habe den Sinn dahinter wirklich nicht verstanden und hatte daher Mühe, die Steigerung der Spirale zu erfassen, weil für mich ja schon das erste Erlebnis keinen Sinn ergeben hat. Hinzu kommt auch die Auseinandersetzung mit Sofias Vergangenheit. Hier bekommt Sturmflimmern einen leichten Hauch von Sciene-Fiction. Plötzlich ist von einem Labor und Versuchen die Rede. Dieser Handlungsstrang wirkte für mich fehl am Platz. Natürlich konnte ich die Bedrohung rational nachvollziehen, jedoch kam sie bei mir als Leser nicht wirklich an. 

Damit Sofias Vergangenheit auf mich präsenter gewirkt hätte, wäre ein neues Stilmittel besser gewesen. Moira Frank hätte beispielsweise abwechselnd aus der Gegenwart und der Vergangenheit erzählen können. Und das Kapitelweise. So hätte auch die Möglichkeit bestanden, einen Spannungsbogen aufzubauen. Die Handlungen bei Sturmflimmern waren entweder vorhersehbar oder kamen wie aus dem nichts, sodass ich mich fragte, was genau diese Handlung jetzt eigentlich soll. 

Außerdem gab es ganz viele Wiederholungen, auf die ich im nächsten Punkt aber nochmal genauer eingehen werde. 

Schreibstil 
Viele Leser sind gerade aufgrund des Schreibstils beeindruckt von Sturmflimmern. Mich konnte der Schreibstil nicht packen. Allerdings durfte ich sehr viel während des Lesens lernen. Es gibt zwei Kapitel, die mir in dem Buch richtig gut gefallen. Zum einen der Prolog: Hier ist nicht klar, wer jetzt gut und wer böse ist. Befindet sich Harriet tatsächlich auf der Flucht? Oder versucht sie alle zu täuschen? Der Prolog riss mich mit und machte mich neugierig auf den Roman. 
Das zweite Kapitel, das mir ebenfalls gut gefiel, berichtet von einer der ersten Verfolgungsjagden. Hier passiert vieles Schlag auf Schlag. Das Kapitel wirkte auf mich dynamisch und transportierte die Spannung der Situation. 

Die meiste Zeit von Sturmflimmern plätscherte die Geschichte aber vor sich hin. Und zwar nicht in diesem bedrohlichen "Die Ruhe vor dem Sturm"-Plätschern, sondern eher in einer trägen Richtung. Moira Frank hat versucht eine Mischung aus Orts- und Naturbeschreibungen und dem Gefühlsleben der Charaktere hinzubekommen. Jedoch überwog entweder das eine oder das andere. Zudem neigte sie dazu, die Charaktere viel übereinander erzählen zu lassen. Wir bekamen aber nicht die Möglichkeit, die Entwicklung eines Charakters zu beobachten. Beispielsweise erzählte man Sofia viel über ihre Vergangenheit. Für den Leser bestand aber keine Möglichkeit zu überprüfen, wer von der Wahrheit sprach und wer sie nur für seine Zwecke manipulierte. Außerdem füllte Frank Seiten damit, dass sie uns die Charaktere erklären wolle. So erzählte sie von der Familiensituation von Sofias besten Freundes. Natürlich war das interessant zu lesen. Ich hätte es aber spannender gefunden, wenn ich Teil des Erlebens gewesen wäre. 

Hinzu kamen auch die ständigen Wiederholungen in den Dialogen. Entweder es wurden belanglose Dinge gefragt bzw. gesagt. Oder die Charaktere beschränkten sich darauf, mit irgendwelchen Kraftausdrücken um sich zu werfen. Hier ist mir zum ersten Mal richtig bewusst geworden, dass Kraftausdrücke massiv an Bedeutung verlieren, wenn diese zu oft verwendet werden. 

Was ich mir gewünscht hätte: Entweder Tiefe in den Dialogen oder Tiefe in der Beschreibung. Eines von beiden hätte durch das ersetzt werden sollen, was im anderen Teil fehlt. 

Gesamteindruck 
Es kommt wirklich selten vor, das ich einen Roman als unlogisch oder gar chaotisch einstufe. Normalerweise bin ich eher die naive Leserin und denke mir vieles zurecht, wo es eigentlich keinen logischen Zusammenhang mehr gibt. Aber bei Sturmflimmern hatte ich einfach mehr Fragezeichen als Antworten und fand es einfach schade, weil ich durchaus die Idee hatte, dass die Grundidee der Geschichte keinesfalls schlecht ist aber das ganze Potential nicht wirklich genutzt werden konnte. 


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