Sonntag, 23. August 2015

Wie bewerbe ich mich für ein Praktikum?

Vorwort

Hallöchen in die Runde,
ich habe hier ja schon ab und an mal erwähnt, dass auch ich mittlerweile unter den Studenten bin und den Studiengang Soziale Arbeit besuche. Da steht im März 2016 mein Praxissemester vor der Tür und ich habe im Moment massig Zeit mich dafür zu bewerben.

Das Thema Bewerbungen stößt bei vielen Leuten auf Unsicherheiten. Wie fange ich am besten an? Wo liegen meine Stärken / Schwächen? Welche Informationen gehören überhaupt in ein Bewerbungsschreiben? Welche Unterlagen muss ich dazu legen?
Fragen, die erst einmal beantwortet werden müssen. Schließlich möchte man nicht gleich zu Beginn in die ersten Fettnäpfchen treten.

Für Menschen mit Behinderung kommen hier noch ganz andere Fragen dazu: Soll ich meine Behinderung gleich im Anschreiben erwähnen? Was möchte der zukünftige Arbeitgeber wissen?

In meinem Artikel versuche ich auf die wichtigsten Fragen einzugehen und einen groben Überblick über das Thema Bewerbungen zu geben. Hierbei orientiere ich mich an dem, was uns in der Schule zu dem Thema vermittelt wurde, bzw. ich mittlerweile von Berufstätigen mitbekommen habe.
Ich versuche die Inhalte möglichst allgemein zu halten. Daher kann es gut sein, dass für spezielle Bewerbungen, individuelle Bewerbungsmappen verlangt werden. Es ist auf jeden Fall sinnvoll die Ausschreibung genau durchzulesen, bzw. sich vorher bei der zukünftigen Stelle zu informieren, welche Unterlagen verlangt werden, oder ggf. selbst die Standards der Branche zu googeln.


Welche Unterlagen gehören zu einer Bewerbung? 

Eine Bewerbung enthält folgende Unterlagen:

Deckblatt (optional) 
Hier spuckt mir das Internet widersprüchliche Informationen aus. Einige Seiten behaupten, ein Deckblatt sei für die Personalabteilung von Vorteil, da die Bewerber so schnell zugeordnet werden können. Andere erklären, dass sich je nach Bewerbung die Informationen auf dem Deckblatt auch wiederholen können.

1. Anschreiben 
Welche Informationen in ein Anschreiben gehören, findet ihr weiter unten.

2. Lebenslauf 
Der Lebenslauf ist euer persönlicher Steckbrief. Wichtig ist, dass ihr ihn übersichtlich gliedert. Ihr könnt hierfür eine Tabelle anlegen, jedoch gibt Google zu bedenken, dass tabellarische Lebensläufe nicht mehr zeitgemäß sind. Daher empfehle ich: Hebt eure Unterpunkte gut hervor.
Wichtig: Wenn ihr eurer Bewerbung kein Deckblatt beilegt, könnt ihr dem Lebenslauf euer Foto hinzufügen. Hier hat meine Internetrecherche ebenfalls ergeben, dass Fotos beispielsweise für Bewerbungen im Ausland nicht zwingend erforderlich sind.
Nun zu den Unterpunkten:

Persönliche Daten 
Name, Anschrift, Telefonnummer, Emailadresse, Geburtsdatum (wahlweise Geburtsort).

Berufstätigkeit (falls vorhanden) 
Hier führt ihr zuerst euren aktuellen Beruf auf und arbeitet euch zu bisherigen Ausbildungen vor. Außerdem erklärt ihr, was eure Aufgaben in eurem Beruf sind.
Beispiel: 
10/2010 - heute: Pädagogische Mitarbeiterin im Internat XY
                          Betreuung und Unterstützung von Schülern,                                                                        Durchführung von Hilfeplangesprächen usw.

01/2010 - 09/2010: Pädagogische Mitarbeiterin in der Kindertagesstätte Z U3
                              pflegerische und pädagogische Betreuung                                 von                                   Säuglingen, usw.

Studium, Schule 
Auch hier gilt: Ihr fangt mit dem aktuellen Abschluss an und arbeitet euch zu vergangenem vor.
Beispiel:
2013 bis voraussichtlich Jahr XY - Studium an Hochschule Z, Studiengang
2001 - 2010 Abitur an Gymnasium Z

Praktika / ehrenamtliche Tätigkeiten: 
bisher absolvierte Praktika oder ehrenamtliche Tätigkeiten auflisten. Ich führe hier nur die Praktika auf, für die ich auch einen schriftlichen Nachweis habe, also beispielsweise eine Beurteilung, oder eine Bestätigung des absolvierten Praktikums.
Beispiel:
08/2013 - heute: ehrenamtliche Mitarbeiterin bei der Tafel Z
06/2013 - 08/2013: ehrenamtliche Bürgerhelferin bei Verein XY

Besondere Kenntnisse: 
Hier zählt ihr Fremdsprachen, oder PC Kenntnisse auf.
Beispiel:
Englisch (gut), türkisch (sehr gut), Microsoft Word (gut), Microsoft Excel (Grundlagen)

Hobbies:
Hierzu muss ich hoffentlich nicht viel sagen. Es ist nur wichtig, dass ihr sie verständlich aufführt und nicht schreibt: "Musik" sondern erklärt was ihr macht z.B. "Musik in einer Band spielen"

Ort, Datum, Unterschrift 
Kennzeichnung von jedem Lebenslauf.

3. Zeugnisse (ACHTUNG: Es werden nicht immer alle Zeugnisse verlangt!)

Zeugnis des letzten Schulabschlusses z.B. Realschule / Abiturzeugnis, Zeugnisse bzw. Beurteilungen bisheriger Praktika, Nachweise über ein absolviertes FSJ / BFD, oder eine ehrenamtliche Tätigkeit

Hier empfiehlt es sich bei eurer Einrichtung anzurufen und nachzufragen, welche Zeugnisse verlangt werden.


Der Aufbau eines Anschreibens 

Zur Formatierung: 

Oben rechts: Eure Adresse, ggf. Telefonnummer, Emailadresse
Eselsbrücke: Im Grunde wie bei einem offiziellen Brief, den ihr bekommt. Da stehen die Kontaktdaten der Einrichtung auch rechts oben.

(Je nachdem ein paar Zeilen Abstand, hier gehe ich nach der Optik und schaue mir in der Seitenansicht an, ob mir das zu nah aufeinander ist).

Darunter auf der linken Seite: Die Adresse der Einrichtung und - falls vorhanden - den Ansprechpartner)

(1-2 Zeilen Abstand)

Darunter auf der rechten Seite: Das aktuelle Datum

Je nachdem, wie viel Text zusammenkommt, setze ich das Anschreiben auch 1 1/2 zeilig. Das ist aber kein Muss (!!!).

In der Hochschule wurde uns erklärt, dass Anschreiben in der Regel eine Seite lang sind. Für Menschen mit einer Behinderung ist das aber kaum umsetzbar. Meine Anschreiben haben meist 1 1/2 Seiten.

Das Anschreiben gliedert sich in folgende Teile:

Überschrift: 
Für was bewerbt ihr euch? Eventuell den Bewerbungszeitraum.

Allgemeiner Teil: 
Wer seid ihr?
Was macht ihr momentan? (z.B. Schule, Ausbildung, Studium)
Für was möchtet ihr euch bewerben?
In welchem Zeitraum soll das Praktikum stattfinden?

Motivationsteil: 
Warum bewerbt ihr euch ausgerechnet bei dieser Einrichtung?
Was erhofft ihr euch von dem Praktikum?
Was möchtet ihr gerne lernen / erleben?
Bringt ihr bereits Vorkenntnisse mit? (Bezogen auf Soziale Arbeit: Vorpraktika, oder die Arbeit mit einem bestimmten Klientel).

Erklärung der Behinderung: 

Warum: Es ist super wichtig, dass ihr euren Adressat über eure Behinderung aufklärt, damit es bei einem potentiellen Bewerbungsgespräch keine bösen Überraschungen gibt. Es geht nicht darum, dem Arbeitgeber einen medizinischen Bericht zu liefern und in eine neue Fachsprache einzuweihen, sondern mehr von eurem "ist"- Zustand zu berichten.

Beispiel anhand der Sehbehinderung: 
Wie gut seht ihr? (Gleichbleibender oder tagesformabhängiger Sehrest? Wie viel könnt ihr sehen? Nicht in % sondern in Metern :-)
Was bedeutet das im Alltag? (Hier nur 1-2 Sätze wie z.B. Orientierungschwierigkeiten, oder mehr Zeit bei Erledigung bestimmter Aufgaben)

Für das Bewerbungsgespräch: 

Wenn ihr zum Bewerbungsgespräch geladen seid und euer Arbeitgeber das Thema nicht von sich aus erfragt, schneidet es selbst an! Fragt, ob es noch irgendwelche Unklarheiten gibt und informiert dann z.B. über die Hilfsmittel, die ihr im Alltag und in dem Fall auch bei der Arbeit, nutzt.

Eigene Erfahrung: 

Ich habe selbst ein Vorstellungsgespräch gehabt, bei dem ich das Thema Behinderung angeschnitten habe. Mein Eindruck war, dass die Mitarbeiter erleichtert waren. Oft besteht hier Unsicherheiten, ob Fragen gestellt werden dürfen, oder man hier Tabuthemen anschneidet.
Deswegen kann ich euch nur mit auf den Weg geben, offen mit der Behinderung umzugehen.


In diesem Sinne... 

hoffe ich, dass ich dem ein oder anderen von euch weiterhelfen konnte.

Allerdings möchte ich nochmals darauf hinweisen, dass sich die Standards ständig ändern.

Falls es weitere Fragen gibt: Her damit, und ich werde schauen, was sich damit machen lässt :-)

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In dieser Rubrik bereits erschienen: 

Bewerben für die Ausbildung / das Studium - HIER KLICKEN
Wo und wie beantrage ich Hilfsmittel - HIER KLICKEN
Wie beschaffe ich mir Fachliteratur - HIER KLICKEN
Was muss ich für Prüfungen beachten? - HIER KLICKEN
Umgang mit der Sehbehinderung eigene Erfahrungen - HIER KLICKEN


Wie arbeite ich mit einer Gesetzessammlung? - HIER KLICKEN


Kommentare:

  1. Hi Emma,

    ich finde das super, dass du das Thema so locker angehst. Selbst für Leute ohne Behinderung ist das ja alles ganz schrecklich und aufregend und so, aber wie man eine solche Behinderung da noch "nett verpackt" ist ja noch mal viel schlimmer.

    Ich hoffe, dass du einigen Leuten damit helfen konntest :)

    Christina

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    1. Hey,
      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Ich denke das oft die Motivation fehlt, sich dem Thema zu stellen und viele Menschen das Thema gerne so lange aufschieben, wie es eben geht :-).
      Ich hoffe auch, dass der ein oder andere Tipp in der Praxis weiterhilft.

      viele Grüße
      Emma

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  2. Oh eine "Kollegin" Hehe, bei mir steht nach dem SoSe16 das Praktikum an :D aber wir haben "nur" 50 Tage.

    Bewerben ist bei mir immer so ne Sache. Aber ich hab beim ersten praktikum gar keine geschrieben. Ich habe die Einrichtungen angerufen oder bin gleich hin und habe gefrage. Hier scheint es im bereich Sozialer Arbeit echt kein problem zu sein. Aktuell könnte ich in so vielen bereichen ein praktikum machen. Mal sehen wohin es mich verschlägt :D

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    1. Hey,
      eine aus meinem Semester hat ihren Praktikumsplatz auch ohne herkömmliche Bewerbung bekommen. Sie hat auch angerufen, hospitiert und die haben sie genommen.
      Letztendlich führen viele Wege nach Rom :-). Hauptsache das Praktikum macht Spaß.
      viele Grüße und vielen Dank für deinen Kommentar.
      Emma

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