Montag, 11. Dezember 2017

6, Türchen - Die Assistentin

«Hey, wo willst du hin? Gleich gibt’s die Überraschung?», zwinkerte ihr Betty verschwörerisch zu. Dabei wussten beide, dass es wahrscheinlich irgendein nichtssagendes Geschenk der Firma sein würde. Wie jedes Jahr. «Ich will mir mal kurz die Beine vertreten. Das Essen schaukelt noch so vor sich hin», lächelte sie.
«Aber geh nicht zu weit weg. Du hast ja gesehen, hier ist echt derbe tote Hose», meinte Betty und wandte sich nach der Verabschiedung wieder ihrem äußerst charmanten Gegenüber zu. So schnell würde ihr dann wohl doch nicht langweilig werden.

Maria verließ den großen Saal, der voller Menschen war. Alle hatten sie etwas mit der Firma zu tun. Angestellte, Geschäftspartner oder ehemalige, zufriedene Kunden. Und alle hatten sie eines gemeinsam: Sie wollten Weihnachten nicht alleine oder mit ihrer Familie verbringen.
Vor dem Gebäude hatten sich vereinzelt ein paar Raucher versammelt. In ihren Kreisen rauchte man nicht gemeinsam. Man nutzte die Zigarette als kurze Auszeit um für sich zu sein. Denn in ihrem Beruf war es wichtig, Kontakte pflegen zu können. Schweigsamkeit bei Tisch oder einer Konferenz würde nicht funktionieren und wurde auch von ihrem Chef nicht gern gesehen.
«Wir brauchen Kunden. Und wie bekommen wir die?», begann er dann immer mit seiner rhetorischen Frage.
Die Neulinge im Team blickten sich unsicher um und wussten nicht so recht, welches Wissen aus ihrem Bachelorstudiengang nun gefragt war. Oder spielte er sogar auf die ersten Inhalte des letzten Blockwochenendes des Masters an?
«Wir kehren zum Ursprung zurück. Kunden brauchen Leute, denen sie vertrauen können. Die nett zu ihnen sind und wissen, was sie wollen. Und an dieser Stelle schlagen wir zu: Wir geben ihnen das Gefühl zu Hause zu sein. Herr ihres Projektes zu sein. Was sie ja im Grunde auch sind.» Sobald er an dieser Stelle des Monologes angekommen war, gab es unter den Neulingen wieder ratlose, verunsicherte Blicke. War er nicht etwas verrückt? Oder wich er einfach nur gerne vom Thema ab? Konnte er sich das in seiner Position überhaupt leisten?

Maria wusste es. Er konnte es nicht. Und genau deswegen gab es sie. Die Frau, die dafür sorgte, dass der Laden nicht im Chaos versank. Sie kannte den Terminkalender ihres Chefs auswendig, denn sie hatte ihn erfolgreich geplant. Sie wusste über die Vorlieben der wichtigsten Geschäftspartner Bescheid und schaffte es so, immer angemessen auf diese zu reagieren. Bei den freundlichen und glücklichen Geschäftspartnern war es oft nur eine kleine Aufmerksamkeit. Eine Schachtel Pralinen aus der Gegend zum Beispiel.
«Oh, woher wussten Sie denn, dass ich schon immer mal so eine Schachtel haben wollte?»
«Haben Sie zufällig wieder an diese kleinen Schokolädchen ... Ah, ja Sie sind perfekt.»
Die Geschäftspartner, die hoch hinaus gekommen waren und sich schon lange auf ihr Geschäft verstanden, waren da etwas anspruchsvoller. Es begann hier schon bei einem Zimmer im besten Hotel und endete damit, dass man nach dem Geschäftstermin nicht seiner Wege ging, sondern sich nach der Arbeit mit dem Gast traf. Schließlich kannte er in dieser Gegend niemanden. Und es machte daher keinen guten Eindruck, wenn man ihm sich selbst überließ. Und dann waren da noch die Launen ihres Chefs. Maria hatte nämlich sehr schnell feststellen müssen, dass sich dieser nicht immer an seine eigene Maxime hielt. Freundlichkeit gehörte für ihn nicht zur Tagesordnung.

«Hey, wo wollen Sie hin?»
Ein Sicherheitsbeamter war ihr hinterher gelaufen, als sie das Gelände verlassen und in Richtung des Sees gelaufen war.
«Ich bin gleich wieder zurück. Nur eine kleine Runde», entgegnete sie.
Er nickte und sie zog von dannen.
Die Gegend in der das Bürgerhaus stand, war wirklich schön. Maria hatte während ihres Fulltime Jobs nicht viel Zeit für Spaziergänge. Und so genoss sie es, ein bisschen in der Natur unterwegs zu sein. Früher hatte sie die Weihnachtsfeiern der Firma, die meistens direkt auf den 24.12 fielen, geliebt. Man traf Kollegen, die man unter dem Jahr kaum zu Gesicht bekam. Es war meist eine gute Stimmung und die Veranstaltung war zahlreich besucht.
Doch in den letzten Monaten war ihre Vorfreude auf die alljährliche Feier gewichen. Frustration hatte sich breit gemacht. Wollte sie wirklich jedes Weihnachten mit ihren Kollegen verbringen? Betty zum Beispiel konnte sie ganz gut leiden. Dennoch war Weihnachten das Fest der Liebe. Der Tag, den man eigentlich mit seiner Familie genoss. Schuldbewusst registrierte Maria, dass sie heute völlig vergessen hatte, ihrer Schwester und den Kindern ein frohes Fest zu wünschen.

Eine Zeit lang hatte Maria das Weihnachtsfest verflucht. Wer brauchte das schon? Es reichte doch am ersten oder zweiten Weihnachtsfeiertag kurz bei der Familie vorbeizuschauen. So machten es die Kollegen doch auch. Je mehr Zeit sie aber in oder vor allem mit der Firma verbrachte, desto leerer fühlte sie sich. Wer war sie überhaupt? Die nette Frau, die alles im Griff hatte? Warum fragte sie niemand, wie man ihr eine Freude machen könnte?
Sie hatte den See zur Hälfte umrundet, als ihr ein einsamer Wagen auffiel. Es war nicht einfach ein Auto, das jemand mitten in der Gegend vergessen hatte. Verwundert stellte sie fest, dass es sich um einen Imbisswagen handeln musste.
Der kann doch nicht ernsthaft davon ausgehen, hier überhaupt etwas zu verkaufen, schoss es ihr durch den Kopf.
Doch dann fragte sie sich, warum der Besitzer hier war. Hatte er denn keine Familie? Vorsichtig näherte sie sich dem Wagen. Die Luke war nach oben geklappt und es wirkte so, als wäre der Wagen einsatzbereit. Ein Mann drehte ihr den Rücken zu. Er hatte sie offenbar nicht gehört. Sie wollte sich gerade räuspern doch ein lautes Rufen, nein ein Schrei, kam ihr zuvor.

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Samstag, 9. Dezember 2017

5. Türchen - Der Taxifahrer



«Du bist verrückt! Du kannst doch nicht an Weihnachten in deinem Taxi sitzen und durch die verdammte Gegend fahren!»
Oh, doch das konnte er. Schließlich feierte er kein Weihnachten. Also keine Kinder, die den ganzen Abend auf ihn warteten, keine Schwiegereltern, die ihm strafende Blicke zuwarfen, wenn er doch endlich zu Hause aufkreuzte. Alles Probleme, die er nicht hatte. Und das war auch gut so. 

Nun kurvte er am Weihnachtsabend durch eine verlassene, ruhige Gegend. Eigentlich hatte er damit gerechnet, irgendwelche Partylöwen von Club zu Club fahren zu dürfen. Doch die Singles, die Weihnachten trotzten, hatten wohl ein anderes Taxiunternehmen beauftragt. Und so hatte er die Fahrgäste des heutigen Abends an einer Hand abzählen können. Angefangen bei einer älteren Dame, die gerade aus dem Urlaub gekommen war und Weihnachten gerne in den eigenen vier Wänden verbrachte, bis hin zu einer stummen Frau, die unbedingt in dieser verlassenen Gegend abgesetzt werden wollte.

Wäre es ein anderer Stadtteil gewesen, hätte er den Wunsch der Frau boykottiert. Doch heute am Weihnachtsabend würde mit Sicherheit kein Verbrechen passieren. Nicht in dieser Gegend. Außerdem wusste die Frau sicher, was sie tat, als sie ihn bat, sie an dem Waldparkplatz herauszulassen.
Nachdem sie die Rechnung bezahlt und sich verabschiedet hatte, legte er eine kleine Pause ein. Erst einmal musste er sich neu sortieren. Sein Auto war das einzige Fahrzeug, welches den Parkplatz schmückte. Die Frau war bereits gegangen. Ihre Schritte hatten sich eilig entfernt, gefolgt von seinem unsicheren Blick, ob er wirklich das Richtige tat.

«Sie müssen nicht auf mich warten. Es wird sich nicht lohnen», hatte sie entgegnet, bevor sie die Tür öffnete.
«Aber wie kommen Sie dann nach Hause?», fragte er verwundert.
«Da findet sich sicher ein Weg. Vielleicht werde ich ja abgeholt, wer weiß.»
Bei dieser Vermutung hatte sich ein Lächeln auf ihr Gesicht geschlichen. Obwohl das Licht das Innere des Taxis nur spärlich beleuchtete, glaubte er es gesehen zu haben. Und er hatte ein Gespür für magische Momente. Auch wenn ihm das niemand so recht glaubte.

Die Frau hatte bezahlt, sich für die Fahrt bedankt und war gegangen.
Er atmete tief durch.
«Okay, Junge. Wenn du heute noch was einnehmen willst, solltest du langsam zurückfahren.»
Seine Freunde machten sich schon über ihn lustig, weil es häufiger vorkam, dass er halblaute Selbstgespräche führte.
Das Display des Navigationsgerätes hatte sich in den Stand-by Modus geschaltet. Als er auf das Gerät drückte, wurde der Bildschirm kurz hell, nur um sich dann gleich wieder zu verabschieden. Das brachte ihn noch nicht aus der Fassung. Seine Kollegen hatten schon häufig über die billigen Geräte der Firma gelästert.
«Nie macht es, was ich will», hatten sie gejammert.
Er glaubte, es sei bisher eine glückliche Fügung des Schicksals gewesen, dass ihm die Technik hold geblieben war.

Als er noch mal auf das Gerät tippte, wurde der Bildschirm in ein blaues Licht getaucht: No signal, please call a little bit later.
Was sollte denn der Spruch? Hatte ihm einer seiner Kollegen einen Streich gespielt? Er erinnerte sich dunkel daran, dass irgendein Informatik Student unter ihnen war.
Sofort drückte er mehrfach auf den Bildschirm. Nichts tat sich. Zum Teufel mit dem Touchscreen!, sagte er sich diesmal sogar in Gedanken. Auch als er die Knöpfe ausprobierte, tat sich nichts. 
Er zückte sein Handy. Da musste ein Anruf bei der Zentrale her. Beschämt stellte er fest, dass er ohne das Navigationsgerät den Weg nicht zurück in das Stadtzentrum finden würde. Seine Freunde hatten ihn für verrückt erklärt, als er von der Großstadt träumte.
«Du hast einen Orientierungssinn wie ein Blinder mit dem Langstock. Das kann nicht gut gehen.»
«Hey, die müssen doch auch irgendwie überleben, oder? Also werde ich das schon schaffen. Immerhin habe ich zwei Augen und ein Auto», entgegnete er stolz.
Und dann das höhnische Lachen der älteren Kollegen.
«Tja, und was machst du, wenn die Technik ausfällt, he? Orientierung muss man haben. Nicht nur auf der Straße, sondern im Leben. Und das lernt man nicht innerhalb von vier Wochen und einer App.»

Und genauso lange arbeitete er in diesem verdammten Taxiunternehmen. Dabei wollte er ja eigentlich studieren.
Was tun?, fragte er sich.
Bei der Zentrale anrufen? Nur um sich das Gelächter der Kollegen anzuhören? Wahrscheinlich würden sie ihn quer durch die Stadt jagen. Sie brauchten an Weihnachten ja auch etwas Unterhaltung. Und er wollte sie ihnen ganz bestimmt nicht bieten.
Es blieb nur eine Möglichkeit: Er musste die Frau wiederfinden. Und je länger er wartete, desto weiter hatte sie sich von dem Auto entfernt. 

Es war totenstill, als er den Weg entlang lief. Ängstlich stellte er fest, dass er nicht einmal ihren Namen kannte. Er wusste also nicht, ob oder was er überhaupt rufen sollte.
«Hallo?», fragte er leise in die Stille hinein.
Nichts tat sich.
Sein Rufen wurde lauter.
Der Weg war nur spärlich von Straßenlaternen beleuchtet. Er war überrascht, dass diese Gegend überhaupt mit Laternen ausgestattet war. Aber wenn es hier sogar einen Parkplatz gab, musste die Gegend wohl bekannt sein.
Wo war sie nur hin? So weit konnte sie doch nicht gekommen sein.
Da hörte er ein Knacken. Er fuhr zusammen und blickte in die Richtung aus der das Geräusch gekommen war.
«He, Kumpel was machst du denn hier?»
Ein Junge, kaum älter als sechzehn Jahre war vor ihm aufgetaucht.
«Das Gleiche könnte ich dich fragen», gab er mutig zurück.
Der Junge wirkte dünn und alles andere als kräftig.
Den bekomme ich im Notfall auch alleine überwältigt, dachte er sich.
«Hast du eine»-
«HE, WAS MACHEN SIE DA?»

Beide Männer fuhren zusammen. Sie wussten, dass der Ruf nicht ihnen gegolten hatte.
«Das kommt von da unten», erklärte der Junge und zeigte in Richtung des Sees.
Er wollte gerade los rennen, wurde aber von dem Taxifahrer zurückgehalten. «Moment mal! Wir haben keine Ahnung, was uns da unten erwartet», überlegte er unsicher.
«Wenn wir hier warten und nichts tun, werden wir es auch nicht herausfinden», meinte der Junge genervt, machte aber keine Anstalten mehr, davonrennen zu wollen. Er verharrte auf der Stelle. So als würde ihn etwas blockieren.
Der Taxifahrer blickte in Richtung des Sees. Er lag noch gute fünf Minuten entfernt. Was sollte er tun? Konnte er überhaupt helfen?
«Was ist, wenn sie Hilfe brauchen?», fragte der Junge nach einer gefühlten Ewigkeit.
«Was soll denn schon passiert sein? Es ist Weihnachten. Da will niemand etwas Böses», sprach sich der Taxifahrer Mut zu.
«Hast du den Ruf nicht gehört? Das klang schon ... na ja ich weiß nicht ... ängstlich?», meinte der Junge.
Was war so falsch daran, unten nach dem Rechten zu sehen? Sie waren immerhin zu zweit. Und er hatte ein Auto.
«Ist mir egal, was du machst. Ich schau mir jetzt mal an, was da unten los ist.»
Der Junge hatte sich bei seinen Worten beinahe verhaspelt. So als wolle er sich noch einmal Mut zusprechen, bevor er sich ins Abenteuer stürzte. Und der Taxifahrer? Er blieb kurz stehen und wartete. Aber worauf denn? Auf die Sicherheit? Die Orientierung? Der Gedanke, der ihm schon sagte, wie die Situation zu meistern war?
«Ich habe keine Lust mehr zu warten», murmelte er und rannte dem Jungen nach.

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Freitag, 8. Dezember 2017

Literarischer Jahresrückblick beim Bücherstammtisch - Rückblick im Dezember

Foto: A. Mack

Hallo Buchlinge,

aufgrund des literarischen Adventskalenders und meines chaotischen Zeitmanagements verschiebt sich auch der Bücherstammtisch Lagebericht in diesem Monat. Dennoch möchte ich euch von unserem zweiten weihnachtlichen Treffen berichten. Denn unsere Gruppe besteht jetzt schon über ein Jahr.


Unser neues Zuhause 

Schon seit einer Weile habe ich es angekündigt: Im Dezember fand also der erste Bücherstammtisch im neuen Zuhause statt. Leider müssen wir unseren Veranstaltungsort offiziell geheim halten, da es sich hier um eine teil-öffentliche Veranstaltung handelt. Kurzum: Wir möchten ungern den Facebook-Veranstaltungs Effekt heraufbeschwören und mit der Bekanntgabe der Adresse dafür sorgen, dass unser Ort von Menschenmassen überflutet wird. Daher das kleine Geheimnis. Allerdings wird das natürlich gelüftet, wenn ihr euch für ein Bücherstammtisch Treffen anmeldet.

Was wir allerdings verraten können: Der Raum ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr gut erreichbar. Außerdem gibt es Getränke vor Ort, die durch eine kleine finanzielle Spende erworben werden können. Und natürlich haben wir das gleich fleißig genutzt.

Isona und ich hatten außerdem etwas Bedenken, ob es am Samstag überhaupt einigermaßen warm in dem Raum werden würde. Schließlich war Wochenende und der Raum wurde, außer von unserer Gruppe, nicht benutzt. Glücklicherweise wurden wir eines Besseren belehrt. Kurzum: Wir waren also sehr glücklich, unsere neuen Räumlichkeiten einweihen zu können.


Weihnachtslektüren der Bücherstammtisch Mitglieder 

Da ich mit den Bakerstreet Bookworms in den nächsten zwei Monaten in weihnachtliche Bücher eintauchen werde, interessierte mich natürlich auch, ob die Bücherstammtisch Mitglieder eine weihnachtliche Buchempfehlung für mich haben.

Isona und emion begannen daraufhin sofort von Emerald vorzuschwärmen. (Hierzu erwartet euch im Januar eine Rezension von Isona. Sie ist bereits geschrieben und muss nur noch veröffentlicht werden). Weihnachten spielt hier zwar eher eine Nebenrolle, dennoch ist die Stimmung in dem Auftakt der Bücherreihe schön.

Den meisten Stammtisch Mitgliedern ging es ähnlich wie mir. Manchmal überkam sie der Wunsch, doch etwas Weihnachtliches zu lesen. Allerdings wurde dem nicht wirklich nachgegangen. Durch die Bakerstreet Bookworms habe ich ein bisschen in Weihnachtsbüchern gestöbert und tatsächlich Lust, die ein oder andere Weihnachtsgeschichte zu lesen. Mal schauen, ob es dazu kommt.


Top und Flops 2017 

Da wir offizielle Räumlichkeiten haben, heißt das auch, dass wir wieder neue Mitglieder aufnehmen konnten. Daher war das Programm im Dezember etwas offener gehalten, um Interessierten die Möglichkeit zu geben, unseren chaotischen Haufen kennenzulernen. Eine Interessierte nutzte das Angebot und brachte auch gleich mal zwei Bücher mit, die ihr, neben den anderen vorgestellten Exemplaren, unten aufgelistet seht.

Im Dezember war wieder eine spannende Bücher Mischung für uns dabei. Unser Bücherstammtisch Neuling stellte uns eine Kurzgeschichten Sammlung von Sherlock Holmes vor. Sie beteuerte, dass es sich hierbei nicht um typische Krimis handelte. Und genau das sei gerade so verlockend an der Sherlock Holmes Reihe. Bisher habe ich mich immer etwas vor Sherlock Holmes gedrückt, weil ich befürchtete, dass die Reihe von Klischees umgeben sei. Allerdings glaube ich mittlerweile, dass ich vielleicht doch mal zu einem Krimi greifen werde.

Bücherstammtisch Mitglied Isabelle schaffte es dann unabsichtlich, mich zu verwirren. Sie stellte uns Golden Son, den zweiten Teil einer Trilogie vor. Der Auftakt der Reihe heißt Red Rising. Ich konnte mich dunkel erinnern, dass Stephen King ebenfalls ein Buch mit dem Titel geschrieben hat. Daher fragte ich sofort: "Ist die Reihe blutig?" Isabelle verneinte und war etwas erstaunt über meine Frage. Der Irrtum klärte sich übrigens erst im Nachhinein auf.

Bei der Red Rising Trilogie handelt es sich wieder um eine dystopische Geschichte. Und zwar haben die Menschen mittlerweile den Mars bevölkert. Allerdings profitieren nur eine kleine Gruppe der Menschen von dem neuen Planeten. Der Großteil der Menschen wird als Arbeiter unter der Erde gehalten und nicht darüber informiert, dass der Planet schon bewohnbar ist. Allerdings lassen sich das die Menschen auf Dauer natürlich nicht gefallen.

Isona berichtete uns den Buchmagiern. Was ihr an dem Buch besonders gut gefällt war, dass man zwar Fantasy Wesen einbringt, die in dem Genre bereits nicht unbekannt sind, es aber trotzdem schafft, neue Elemente hervorzuheben. Und natürlich spielen Bücher dabei eine große Rolle.

emion entschied sich im Dezember nicht dafür, ein Buch in zwei Kategorien unterzubringen. Ihr persönliches Jahreshighlight war Der Look von Sophia Bennett. Protagonistin Ted wird von einem Modescout entdeckt. Und das obwohl eigentlich ihre Schwester Ava viel besser für den Job als Model geeignet ist. Eigentlich hält Ted nichts von diesem schrägen Angebot. Sie soll also "den Look" haben. Doch Ava möchte, dass ihre Schwester einen Termin bei der Agentur macht. Und so nimmt die Geschichte ihren Lauf.

Ich konnte mich mal wieder nicht entscheiden und brachte genau wie unser Bücherstammtisch-Neuzugang, Isabelle und Isona gleich zwei positive Jahreshighlights mit. (Keine Angst, im Jahresrückblick Ende Dezember wird es noch weitere Titel geben).

Ich stellte Was wir dachten, was wir taten von Lea-Lina Oppermann vor. Hier wird eine Schulklasse in einem Klassenraum festgehalten. Sie werden von einem Maskierten dazu gezwungen, Aufgaben zu erledigen, die die Geheimnisse der Schüler ans Tageslicht befördern. Die Autorin greift in ihrem Debüt all die Elemente auf, die mich während meiner Schulzeit beschäftigten. Und das ohne zu moralisieren.
Außerdem brachte ich Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen von Ulla Scheler mit. Hier runzelte emion die Stirn. Schließlich hatte ich das Buch doch neulich schon bei dem Treffen zum Thema beste und schlechteste Liebespaare mitgebracht. Allerdings muss ich sagen, dass mir auch hier die Handlung wirklich gut gefallen hat und Ulla Scheler sich sehr gut darauf versteht, die Beziehung der Hauptcharaktere zueinander darzustellen.

Bei den Flop Büchern war es da schon etwas schwieriger. Isona brachte das von mir erwichtelte Buch Allein unter Schildkröten mit. Hier berichtet Autorin Marit Kahldol von einem Protagonisten, der ein scheinbar perfektes Leben führt. Er hat eine Freundin, kommt in der Schule gut zurecht und arbeitet ehrenamtlich. Dennoch fühlt er sich einsam. Und genau das verstand Isona nicht. Warum fühlt man sich einsam, wenn doch alles scheinbar glatt läuft?

Ich brachte dann ein, dass ich das Element in dem Buch gerade stark finde, weil es zeigt, dass man nach außen hin oft ein anderes Bild abgibt, als es in einem aussieht. Allerdings ist ein Großteil des Buches in Tagebucheinträgen verfasst. Und Isona hätte sich gewünscht, dass dieses Element von den Tagebucheinträgen aufgefasst wird und sie die Möglichkeit hat, die Innenwelt unseres Protagonisten besser verstehen zu lernen.

Bei den Jahres Flops entschied ich mich diesmal für Sturmflimmern und Sieben Minuten nach Mitternacht. Anfang oder Mitte des Jahres bin ich ja bereits in einer Podcast Folge (die ich an dieser Stelle absichtlich nicht verlinke) schon ausführlich auf Sturmflimmern eingegangen. Es war leider eine Enttäuschung. Ich kann es nicht anders sagen.
In Sieben Minuten nach Mitternacht begegnet Conor einem Monster, das ihm drei Geschichten erzählen möchte, die ihm helfen sollen, mit Trauer umzugehen. Und leider fand ich das Monster absolut belehrend.

Besprochene Bücher in der Übersicht:
Top:
"Während die Welt schlief" von Susan Abulhawa
"Sherlock Holmes"- Kurzgeschichten
"Outlander", von Diana Gabaldon,
"Golden Son", von Pierce Brown
"Die Buchmagier" von Jim C. Hines
"Emerald - Die Chroniken vom Anbeginn" von John Stephens
"Der Look" von Sophia Bennett
"Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen", von Ulla Scheler 
"Was wir dachten, was wir taten", von Lea-Lina Oppermann 

Flops: 
"Die Rebellion der Maddie Freeman" von Katie Kacvinsky
"The Cage - Entführt", von Megan Shepherd
"Allein unter Schildkröten", von Marit Kaldhol
"Die Gabe der Magie", von Melanie Bruns
"Vom Sinn des Scheiterns", von Lena Hofhansl
"Sturmflimmern", von Moira Frank
"Sieben Minuten nach Mitternacht", von Patrick Ness


Themen im Januar 

Der Termin für unser Januar-Treffen steht leider noch nicht offiziell fest. Ich warte noch auf eine Zusage. Allerdings haben wir schon zwei Themen, über die wir unbedingt sprechen wollen. Ein drittes Thema wird eventuell noch gewählt:

Gemeinsam lesen: Im Januar könnt ihr ein Buch mitbringen, das ihr gerne gemeinsam mit der Gruppe lesen möchtet. Wir stimmen dann vor Ort ab und lesen das Buch dann bis zum Juli-Treffen um dort dann darüber zu sprechen.

Bücherstammtisch Zukunft: Was wünschst du dir von dem Bücherstammtisch? Was gefällt dir bisher? Was geht dir tierisch auf die Nerven? Hast du Ideen, Vorschläge oder Kritik?

Neugierig? 

Du kommst aus Freiburg oder der näheren Umgebung und möchtest gerne (hoffentlich regelmäßig) bei unsere Bücherstammtisch Gruppe vorbeischauen?

Du kannst dich zum einen in unseren Mail Verteiler eintragen lassen. Keine Angst, hier wird dein Postfach nicht zugepflastert. Ich bin die Einzige, die über den Verteiler schreibt. Ich erinnere dich regelmäßig an die anstehenden Treffen und die Themen der Treffen. Wenn du dich in den Verteiler eintragen möchtest, schicke mir einfach eine Mail an EmmaZecka@gmx.de.

Wenn du eher der Social Media Mensch bist, kannst du auch gerne unserer Facebook Gruppe (Name: Freiburger Bücherstammtisch) eintreten. Lass dich hier aber von der Teilnehmerzahl nicht abschrecken :-).

Über beide Möglichkeiten - also Facebook Gruppe und Mail Verteiler - gibt es dieselben Informationen. Wir hoffen jedenfalls, dich bald bei einem persönlichen Treffen begrüßen zu können.

Donnerstag, 7. Dezember 2017

4. Türchen - Die Frau


Es war mitten in der Nacht. Die Uhr zeigte zwar erst sechs Uhr an, aber es fühlte sich an, als würde die Welt schon längst schlafen. Gedankenverloren strich sie umher. Heute war Weihnachten, das Fest der Liebe.
Liebe... Ja, wenn das mit dem Glücksgefühl und der rosaroten Brille nur so einfach wäre. Vor einem Jahr leuchtete das Rosa noch etwas blass. Aber es war da. Inzwischen war sie von Wolke sieben wieder auf den Boden der Tatsachen angekommen. Er war mittlerweile ausgezogen und hatte eine neue Freundin. Sie hingegen war mit den beiden Kindern zurückgeblieben.

«Lass uns bitte nicht streiten. Der Kinder wegen», hatte er gefordert, als er ihr verkündete, dass ein neuer Nachwuchs anstehen würde.
Natürlich war es kein Befehl im typischen Sinne. Kein ernster Blick, keine harten Worte. Warum musste sie sich ihm anpassen? Durfte sie sich denn nicht so fühlen, wie sie wollte? Ihr war nun mal nicht nach Patchworkfamilie und Friede-Freude-Eierkuchen. Ihre Ehe war in die Brüche gegangen.
Dennoch war es ihr so vorgekommen, als zerlegte er mit einem Messer ihr schlagendes... Nein, keine Horrorbilder an Weihnachten, dachte sie. Das konnte sie sich vielleicht an Halloween in allen Einzelteilen ausmalen. Stattdessen machte sich ein Gitarren Intro in ihrem Kopf breit und das Lied einer bekannten deutschsprachigen Gruppe sollte also nun ihr neuer Ohrwurm werden.

«Wenn das mit dir so weitergeht, wäre es wirklich besser, wenn die Kinder erstmal bei mir wohnen. Bis du dein Leben wieder im Griff hast und es dir besser geht», hatte er vor zwei Wochen angemerkt.
Sie war noch im Schlafanzug gewesen und hatte sich notdürftig einen Morgenmantel übergestreift, als es an der Haustür geklingelt hatte. 
Während sie unter der Woche ihr Zimmer kaum verließ, versuchte sie sich zumindest am Wochenende dazu durchzuringen, das eigene Bett gegen das Sofa im Wohnzimmer einzutauschen. Damit die Kinder wenigstens am Wochenende etwas von ihr mitbekamen.
Sie hatte ihn wütend angestarrt. Die Kinder waren bereits am Ende des Treppenhauses angelangt und hatten so ihre zischenden Worte nicht gehört: «Wenn du das machst, dann bringe ich mich um.»

Und nun war Weihnachten, das Fest der Liebe. Die Kinder feierten bei der neuen Familie. Sie hatte es nicht mehr ausgehalten und war spazieren gegangen. An diesen Ort, an dem sie so viele Sommer- und auch schon manche Winternachmittage verbracht hatten.
Heute Abend war niemand da. Sie seufzte. Was hatte sie auch erwartet? Es war Weihnachten. Und dazu noch Winter. Da verbrachte keine normale Familie ihren Abend an einem einsamen, kalten See. Normale Familien saßen jetzt in heimischen Wohnzimmern. Die Kinder spielten mit den neuen Geschenken, die Eltern und andere Verwandten lehnten sich müde aber hoffentlich glücklich zurück und freuten sich, dass alles nach Plan gelaufen war.

Das letzte Mal, als sie mit ihren Kindern hier her gekommen war, hatte man auf dem See laufen können.
«Das macht Spaß, komm rauf!», rief die Älteste.
Und tatsächlich! So waren sie über den See geschlittert, hatten sich gejagt und ausgelassen gespielt. Damals war es lang genug kalt gewesen. Das Eis war bereits ausreichend gefroren und somit ging von dem See keine Gefahr aus.
Und heute? Ein «Betreten verboten»- Schild war nicht zu sehen. Verstohlen blickte sie sich noch einmal um. Nein, sie war tatsächlich alleine. Sollte sie es wirklich wagen? Was wäre, wenn ihr etwas passieren würde? Niemand wusste, wo sie war. Keiner konnte sie retten. Doch gab es überhaupt jemanden, der das wollte? Sie glaubte, allen nur noch eine Last zu sein. Ihr Mann, Verzeihung Ex-Mann, musterte sie traurig, wenn er regelmäßig vorbeikam, um nach den Kindern zu sehen. Und auch ihre Mädchen warfen ihr aus den Augenwinkeln ängstlich, besorgte Blicke zu. Die Mädchen dachten vermutlich, sie könne die Blicke nicht sehen. Aber sie spürte sie. Stärker als alles andere.

Und das tat weh. Fast noch mehr als die Zerteilung ihres Herzens.
Ihr Blick war wieder auf den See gerichtet und sie fasste einen Entschluss: Sie wollte noch einmal dieses Glücksgefühl spüren, das sie mit ihren Kindern hier erlebt hatte.
Also setzte sie vorsichtig einen Fuß auf den zugefrorenen See. Als nichts passierte, legte sie nach und tastete sich langsam vor. Sie war noch nicht weit gekommen, als das Eis zu knacken begann.
«HEY, WAS MACHEN SIE DA?», drang ein lauter, schriller Ruf in ihre Richtung.
Und das Eis knackte und knackte.

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Mittwoch, 6. Dezember 2017

Leere Herzen

Bild von der hörverlag
Steckbrief

Name: Leere Herzen (auch als Buch erhältlich)
Autor: Juli Zeh
Geeignet für: Menschen, die gerne gesellschaftskritische Romane lesen, oder die Psychothriller mögen
Gelesen oder gehört: gehört als gekürztes Hörbuch
Sprecher: Ulrike C. Tscharre
Bewertung: 3,5 von 5 Punkten


Klappentext

(von der hörverlag)

"Sie sind desillusioniert und pragmatisch. Sie haben den Zynismus der Politik genauso durchschaut wie den modernen Selbstoptimierungswahn oder das kleinbürgerliche Gutmenschentum. Sie haben sich in der Welt erfolgreich eingerichtet – und sie haben keine Lust, deswegen Schuldgefühle zu haben. Zusammen mit dem Informatikgenie Babak Hamwi hat Britta Söldner eine kleine Firma aufgezogen, die beide reich gemacht hat. Hinter der Fassade ihrer unscheinbaren Büroräume aber betreiben Britta und Babak ein lukratives Geschäft mit dem Tod. Als ihr Unternehmen unliebsame Konkurrenz zu bekommen droht, setzt Britta alles daran, die unbekannten Trittbrettfahrer auszuschalten. Doch sie hat ihre Gegner unterschätzt. Bald ist nicht nur Brittas Firma in Gefahr, sondern auch ihr Leben …"


Meine Meinung 

Unterleuten war das erste Buch von Juli Zeh, das ich gelesen habe. Und es hat mir wirklich gut gefallen. Sie verstand sich gut darauf, Handlungsstränge zu verstricken und Spannung aufzubauen. Daher war ich ziemlich gespannt, wie sie Leere Herzen gestaltete. Ich muss gestehen, dass ich etwas blind in die Geschichte gestolpert bin. Ich las nur Juli Zeh und den Titel, hörte mir vorab aber weder die Hörprobe an noch las ich den Klappentext des Buches. 

Gestaltung 
Das Hörbuch wird von Ulrike C. Tscharre gelesen. Ihre Stimmfarbe gefällt mir wirklich gut. Außerdem hat sie der Geschichte den richtigen Unterton verpasst. Allerdings hat das auch dafür gesorgt, dass ich ziemlich genau zuhören musste, um keine Anspielung zu verpassen. Dank dem ein oder anderen Nebencharakter konnte sie auch ihre Vielfältigkeit unterstreichen. So wurden beispielsweise lautes Kinder Schreien oder Dialektkenntnisse verlangt. Gerade letzteres hatte einen unfreiwillig komischen Beigeschmack, trotz der ernsten Thematik. Ulrike C. Tscharre kommt auf meine "Im Ohr behalten"-Hörbuchsprecher Liste. 

Inhalt 
Inhaltlich geht es hier ziemlich zur Sache. Britta und Babak, beste Freunde, betreiben eine Agentur. Eine Firma, die assistierten Suizid betreibt. Aber das nicht etwa, indem man den Betroffenen ein tödliches Medikament verschafft. Ihr Tod soll einer Organisation nützen. Und damit diese Organisation gut ausgebildete Leute bekommt, haben Britta und Babak ein Trainingsprogramm entwickelt, das es in sich hat. 

Das ist nun der erste Handlungsstrang. Allerdings deutet Juli Zeh hier auch etwas Höheres an. Sie kritisiert nicht nur die momentane politische Lage, die sie aber nur in Ansätzen schildert, sondern wendet sich auch dem Prinzip der Leeren Herzen zu. Britta wirkt emotionslos und kalt. Mit ihrer Familie kann sie nichts anfangen. Sie glaubt, nur mit Gewalt etwas im Leben erreichen zu können. Man könnte fast vermuten, dass sie auch etwas frustriert von der Entwicklung der Welt ist. Dann taucht eine Organisation auf, die Britta auf eine harte Probe stellt: Sie muss nicht nur ihre eigene Firma retten, sondern sich auch überlegen, was sie von ihrem Leben möchte. 

Nun noch zu der oben angedeuteten politischen Lage: Zuerst hat mich Juli Zeh ordentlich verwirrt. Es ist nicht so, dass ich ein grandioses politisches Verständnis habe. Allerdings sind mir einige Grundlagen bekannt. Und so war ich wirklich verunsichert, als Juli Zeh politische Gegebenheiten schildert, die in der Realität nicht zutreffen. Und das obwohl unsere Protagonisten in einem scheinbar realistischen Deutschland leben. Also ohne Sciene-Fiction oder dystopische Elemente. An dieser Stelle war mir klar, dass wir uns doch in naher Zukunft befanden und somit ein bisschen Dystopie vorhanden war.

Was mich störte war, dass Juli Zeh viele politische Probleme andeutet, diese aber nicht konsequent und detailliert beschreibt. Zum einen ist das natürlich verständlich, da sie sich hier auf dünnes Eis begibt und es ja letztendlich um eine fiktive Geschichte und nicht um eine politische Diskussion drehen soll. Andererseits haben mich diese politischen Andeutungen irgendwann auch genervt. Das ist ungefähr, wie das Sahnetorten-Beispiel: Jemand läuft mit einer Sahnetorte an dir vorbei, verrät dir aber weder, wie du eine Sahnetorte machst, noch wann du sie probieren darfst.

Als die Geschichte dann auf ihren Höhepunkt zuläuft, bekommt die Politik noch eine wichtige Bedeutung. Und Britta trifft eine Entscheidung, die ich absolut nicht nachvollziehen kann und die mich mit vielen Fragezeichen zurückgelassen hat. Dennoch würde ich nicht behaupten, dass der Inhalt völlig daneben ist. Ich kann ihn einfach nur absolut nicht einordnen. 

Spannung 
Der Aufbau des Spannungsbogens konnte mich hier nicht ganz packen. Ich konnte lange keinen Zusammenhang zwischen den einzelnen Szenen des Romanes feststellen. Sie bauten für mich nur bedingt aufeinander auf und zeigten eher Momentaufnahmen von den Charakteren. Mir war beispielsweise nicht klar, welche Zeitspanne zwischen den einzelnen Szenen liegt. Und gerade zu Beginn hatte ich den Eindruck, dass der Anfang mehr im Schnelldurchlauf erzählt wird, um noch mehr Luft für den Hauptteil bzw. das Finale zu haben.

Allerdings habe ich das Hörbuch auch in einer gekürzten Version gehört. So habe ich in einer anderen Rezension gelesen, dass Brittas Privatleben im Buch viel Raum einnimmt, was mir bei dem Hörbuch überhaupt nicht so vorkam. Es wurden immer wieder Szenen aus dem Privatleben geschildert. Diese reichten aber vollkommen aus, um einen Blick für die private Britta zu bekommen.
Ich hätte mir hier insgesamt einen fließenderen Übergang zwischen den einzelnen Szenen gewünscht. 

Schreibstil 
Leere Herzen konnte ich nicht in einem Rutsch herunterlesen. Das liegt einfach daran, dass Juli Zeh viele Anspielungen verpackt und ich diese erst einmal richtig sortieren musste. Juli Zeh hat einen angenehmen Schreibstil, der die kritischen Elemente des Buches auch wunderbar hervorhebt. Außerdem konnte ich viel über Britta zwischen den Zeilen erfahren. Und ich hätte absolut nicht gedacht, dass der Titel Leere Herzen zum einen so gut zur Geschichte passt und zum anderen bildlich so gut in der Geschichte dargestellt werden kann. 

Gesamteindruck 
In Leere Herzen begegnet uns Kritik an jeder Ecke. Damit hätte ich absolut nicht gerechnet. Ich hatte hier und da den Eindruck, dass sich Juli Zeh etwas verzettelt. Da hätte ich mir gewünscht, dass sie sich auf eines der vielen angesprochenen Themen festlegt und dieses auch konsequent durchzieht, anstatt viele Fässer aufzumachen. 

Ich würde nicht sagen, dass Leere Herzen eine negative Überraschung war. Ich kann das Hörbuch nur absolut nicht einordnen und zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht wirklich sagen, ob es mir gefallen hat oder nicht. Wer auf gesellschaftskritische Bücher steht und kein Problem damit hat, sich mit Themen wie Suizid zu befassen, sollte sich Leere Herzen mal genauer anschauen. Ansonsten: Lest es schon allein deswegen, damit wir darüber diskutieren können. 

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* Dieses Hörbuch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt


Und du? 

Ich habe Redebedarf und möchte dir daher ein paar Fragen zum buch stellen. Da einige Antworten auf die Fragen Spoiler enthalten, möchte ich dich bitten, die Spoiler in deiner Antwort zu markieren, damit kein Leser später eine böse Überraschung erlebt, wenn er die Kommentare liest.

1. Hast du das Buch gelesen?
2. Wie hat es dir gefallen?
3. Was hältst du von Brittas Entscheidung?
4. Was hältst du von Juli Zehs Element der Leeren Herzen?