Mittwoch, 18. Oktober 2017

Darm mit Charme

Bild von
Ullstein Verlag
Steckbrief 

Name: Darm mit Charme (auch als Hörbuch erhältlich)
Autor: Giulia Enders
Verlag: Ullstein Verlag
Geeignet für: alle, die sich mit dem Thema Darm beschäftigen wollen und verständlich geschriebene Lektüre suchen
Gelesen oder gehört: gelesen, als Paperback
Bewertung: 4 von 5 Punkten

Klappentext 

(von Ullstein Verlag

"Unser Darm ist ein fabelhaftes Wesen voller Sensibilität, Verantwortung und Leistungsbereitschaft. Wenn man ihn gut behandelt, bedankt er sich dafür. Das tut jedem gut: Der Darm trainiert zwei Drittel unseres Immunsystems. Aus Brötchen oder Tofu-Wurst beschafft er unserem Körper die Energie zum Leben. Und er hat das größte Nervensystem nach dem Gehirn. Allergien, unser Gewicht und eben auch unsere Gefühlswelt sind eng mit unserm Bauch verknüpft. In diesem Buch erklärt die junge Wissenschaftlerin Giulia Enders, was die medizinische Forschung Neues bietet und wie wir mit diesem Wissen unseren Alltag besser machen können. Die dazu gehörigen Illustrationen stammen aus der Feder ihrer Schwester Jill. Die aktualisierte Neuauflage wird um ein Kapitel ergänzt: Die Schwestern Enders geben hier ein Update zu neuen Forschungsergebnissen und der Welt der Mikroben.


Meine Meinung 

Dieses Buch ist mir so unfassbar oft im Buchladen begegnet. Das mag wahrscheinlich einfach daran liegen, dass es ziemlich lange auf der Bestsellerliste stand. Am Anfang hab ich den Hype um Darm mit Charme nicht so recht verstanden. Was sollte an diesem Thema bitte charmant sein? Dennoch siegte irgendwann die Neugier und das Buch zog bei mir ein. 

Darm mit Charme hat eine angenehme Schriftgröße und ist zudem sehr ansprechend gestaltet. Immer wieder tauchen Abbildungen in der Lektüre auf, die den Inhalt zum einen auflockern und zum anderen auch gut untermalen. Sehr toll fand ich, dass die Abbildung als Unterstützung dienten, aber nicht Voraussetzung dafür waren, den Inhalt verstehen zu können. 

Mir fällt es sehr schwer den Inhalt in Kürze zusammenzufassen, weil Giulia Enders das Thema Darm aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und ich das Buch nur gelesen aber nicht wirklich damit gearbeitet habe. Toll finde ich, dass sie umfassend über den Darm informiert. Sie beginnt beim richtigen Sitze nauf der Toilette, erklärt, was bei der Verdauung wirklich passiert und das anhand eines tollen Beispiels und erzählt zudem ausführlich wie der Darm und das Nervensystem zusammenhängt. In einer Talkshow erzählte sie, dass sie von den Medien gebeten wurde, den Darm-Nerven-Teil möglichst unerwähnt zu lassen, mit dem - meiner Meinung absolut dummen - Argument, dass die Menschen das ja gar nicht hören wollen. Und genau das stimmt einfach nicht. In unserer heutigen Gesellschaft leiden immer mehr Menschen an Stress, Depressionen oder Burnout. Da ist es doch interessant zu erfahren, ob und wie das mit dem Darm zusammenhängt. 

Giuila Enders hat einen angenehmen Schreibstil. Sie baut einiges an sprachlichen Bildern ein, was aber auch dafür gesorgt hat, dass ich Mühe hatte in das Buch hineinzukommen. Manchmal bin ich ihrem sprachlichen Bild so weit gefolgt, dass mir der Weg zurück zum Abstrakten oft etwas zu schnell ging und ich mich fragte, wie wir von der einen Stelle plötzlich bei der nächsten gelandet sind. Dennoch sind mir einige Bilder sehr präsent geblieben. Beispielsweise erzählt sie, dass der Darm wie ein Wald sei. Man könne neue Pflanzen oder Blumen setzen - übertragen auf den Darm wären das Bakterien - müssten aber auch Geduld haben, ob diese wirklich wachsen und das Bild des Waldes verändern. 

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir Darm mit Charme sehr gut gefallen hat. Besonders schön fand ich, dass die Thematik so erklärt wurde, dass vor allem Nicht-Mediziner die Möglichkeit hatten, inhaltlich mitzukommen und etwas zu lernen. 

Montag, 16. Oktober 2017

SuB Geheimnisse Part 2: (Auto)Biografien

Hallo Buchlinge,

vor einer Weile habe ich euch ja in meinen Stapel ungelesener bzw. ungehörter Hörbücher eingeführt. Und die Podcast Folge ist - um es mit emions Worten zu sagen - etwas eskaliert.
Deswegen hab ich mir vorgenommen, die ganze Aktion etwas zu kürzen, weil sonst nicht nur euer Gehirn, sondern wahrscheinlich auch meines explodiert.

Kurz zu der Idee: Ich stelle euch nicht mehr alle Hörbücher oder Bücher eines Genres vor, sondern suche mir die heraus, die ich am langweiligsten oder am spannendsten finde. Es kann aber auch vorkommen, dass es Rubriken gibt, in denen nur spannende Bücher zu finden sind. Dann gibt es halt kein langweiliges Buch. Aber ich denke, ihr könnt es verkraften.

Wie der Titel schon sagt, soll es in diesem Post um die Hörbücher aus dem Genre (Auto)biografie gehen. Vielleicht mache ich an dieser Stelle nochmal auf den Unterschied aufmerksam: Eine Autobiografie wurde von dem Autor selbst geschrieben. Biografien werden meist von anderen Personen verfasst. Aber natürlich wird hier eng mit demjenigen zusammengearbeitet, von dem die Biografie handelt.

Aber fangen wir jetzt mit meinen Büchern an.


Langweiligstes Hörbuch 

Mr. Nice von Howard Marks 
Der Klappentext (von Goldmann Verlag)
"Mr Nice alias Howard Marks war der berühmteste Drogendealer der Welt. Nach einem Studium in Oxford vernebelte er in den Siebzigerjahren das Bermuda-Dreieck zwischen Irland, Großbritannien und Spanien mit Stoff aus Pakistan. In den Achtzigern besaß er 43 Decknamen, 89 Telefonanschlüsse und 25 Firmen. Nach seiner Verhaftung 1988 saß er sieben Jahre in Amerikas härtestem Knast ein. Seine Biographie klingt unglaublich und ist doch wahr."

Warum mich das Hörbuch erstmal nicht anspricht
Ich muss dazu sagen, dass das Hörbuch so alt ist, dass es beim Verlag nicht mehr vertrieben wird. Ich finde das schon echt krass, weil ich dachte, dass Hörbücher auch zeitlos sind und quasi immer erhältlich sind.

Nun aber zum Inhalt: An sich ist es spannend zu erfahren, wie ein Mann sich so viele Identitäten und Firmen aufbauen konnte ohne erst einmal aufzufliegen. Ein bisschen erinnert mich das Setting an den Film Catch me if you can. Hier schleicht sich unser Protagonist ebenfalls durchs Leben und gibt vor etwas zu sein, was er nicht ist.
Allerdings merke ich auch, dass ich schon eine Abneigung gegen Mr. Nice hege. Natürlich hat er sicher seine Gründe gehabt, Drogendealer zu werden und mehrere Identitäten anzunehmen. (Der Satz klingt schon verrückt, oder?)
Aber wenn ich seine Biografie höre, muss ich mich ja auch auf seine Ansichten einlassen können. Und das kann und will ich im Moment noch nicht. 


Spannendste Hörbücher  

Warum soll ich mich eigentlich entscheiden, wenn ich auch einfach zwei Hörbücher vorstellen kann? Also legen wir doch gleich mal los. 

Mein Leben von Marcel Reich-Ranicki
Klappentext von der hörverlag
"Heute kennt man Marcel Reich-Ranicki vor allem als wortgewaltigen Kritiker, der über viele Jahre mit der ZDF-Sendung "Das literarische Quartett" Literatur einem breiten Publikum nahe brachte. In seinen Memoiren lernt man ihn als einen Menschen kennen, dessen Schicksal eng mit dem bedrückendsten Teil der Geschichte dieses Jahrhunderts verknüpft ist. Wie Reich-Ranicki seine Kindheit in Polen schildert, seine Jugend im Berlin der Weimarer Zeit, die Erlebnisse seiner Deportation nach Polen, die Begegnung mit seiner Frau Tosia am Anfang des Krieges, das Warschauer Ghetto, die Rückkehr nach Deutschland, das alles lässt nicht wieder los." 

Warum mich die Biografie interessiert 
Die Biografie verbindet historische Elemente mit der Liebe zur Literatur. Als es Das literarische Quartett mit Marcel Reich-Ranicki noch gab, war ich zu klein, um mich dafür zu interessieren.
Aber ich kann mich noch gut an seinen Ich nehme diesen Preis nicht an-Auftritt erinnern und fand es damals irgendwie witzig, dass jemand zu einer Preisverleihung geht, nur um diese eigentlich zu boykottieren. Er hätte ja auch einfach zu Hause bleiben können.

Vor Jahren hab ich dann mal ein paar Ausschnitte aus der Verfilmung seiner Biografie gesehen und fand diese ebenfalls interessant, war aber auch noch zu jung um die Geschichte richtig verstehen zu können. 
Leider ist der Literaturkritiker mittlerweile verstorben. Dennoch möchte ich mich gerne mit seiner Biografie auseinandersetzen. 

Ich bin dann mal weg von Hape Kerkeling 
Hape Kerkeling kennen wahrscheinlich noch viele von euch als einen lustigen Menschen, der sich auf ziemlich gute Wortwitze versteht. Eine Zeit lang war er aus dem Fernsehen nicht mehr wegzudenken. Und seine Kult-Figur Horst Schlämmer stellte sich sogar mal zur Bundestagswahl auf. Kerkeling begab sich schließlich auf eine Reise und wanderte den Jakobsweg entlang. Was er dort erlebt hat, berichtet er in seiner Biografie. 

Warum mich das Buch interessiert 
Eigentlich gehört das Hörbuch gar nicht mir. Es gehört zu den Büchern, die einem anderen Familienmitglied - in diesem Falle der Grafikerin - geschenkt wurden und die alle früher oder später bei mir landen. Dennoch interessiert mich die Biografie sehr: Ich möchte wissen, wie Hape Kerkeling aufgewachsen ist, wie er dazu kam, auf der Bühne stehen zu wollen und was er bei seiner Wanderung erlebt hat. In Interviews hatte der Autor nämlich erzählt, dass er keine leichte Kindheit hatte. Und da frage ich mich, wie man trotz der Schwere, die man schon früh mitbekommen hat, trotzdem immer wieder Witze produzieren kann. Außerdem wir das Hörbuch von Hape Kerkeling selbst gelesen. Und auf dieses Hörerlebnis bin ich natürlich besonders gespannt. 


Und ihr? 

Kennt ihr eines der vorgestellten Bücher? 
Welche Biografien schlummern auf eurem Stapel ungelesener Bücher? 


Samstag, 14. Oktober 2017

Der Flügelschlag des Glücks

Bild von
blanvalet Verlag
Steckbrief

Name: Der Flügelschlag des Glücks (auch als Hörbuch erhältlich)
Autor: Lisa Jewell
Verlag: blanvalet
Geeignet für: Menschen, die gerne Familiengeschichten mögen
Gelesen oder gehört: gelesen als Taschenbuch
Bewertung: 3,5 von 5 Punkten

Klappentext 

(von blanvalet

"Ein Haus. Eine Familie. Und das tragische Geheimnis, das zwischen ihnen steht ...

In einem gemütlichen Cottage in England verbringen die vier Bird-Geschwister eine idyllische Kindheit voller Wärme und Harmonie. Bis zu jenem schrecklichen Osterwochenende, nach dem nichts mehr ist wie zuvor. Die Jahre vergehen, und bald schon scheint es, als wären sie nie eine Familie gewesen ... Doch dann erreicht die in alle Himmelsrichtungen zerstreuten Birds eine Nachricht, die sie in das Haus zurückkehren lässt, in dem sie aufgewachsen sind. Endlich sollen sie die Wahrheit über das erfahren, was an jenem Osterfest vor vielen Jahren wirklich geschah ..."


Meine Meinung 

Gestaltung 
Mich machte der Klappentext von Der Flügelschlag des Glücks neugierig. Mich interessierte nicht nur, welches Ereignis die Familie auseinander trieb, sondern ob oder wie sie wieder zueinander finden. 
Das Cover finde ich sehr ansprechend gestaltet. Es ist ein Baum darauf abgebildet. Der Titel ist in der Baumkrone platziert. Durch die farbliche Gestaltung des Covers wird auch die Atmosphäre der Geschichte transportiert, die teilweise sehr bunt und farbenfroh ist. 
Allerdings war mir die Schriftart eindeutig zu klein. Jetzt werdet ihr sagen: Ja, dann hättest du das Hörbuch hören können! Und ich gestehe: Das Buch war schon sehr lange auf meiner Wunschliste und ich habe es absolut verplant, dass es eigentlich eine Hörbuch Fassung der Geschichte gibt. Tja, Buchlinge, man lernt nie aus. 

Inhalt 
Zu Beginn des Romanes lernen wir eine wunderbare Familie kennen. Mutter Lorelei und Vater Collin sind absolut liebenswürdig und versuchen das Leben ihrer Kinder so schön wie möglich zu gestalten .Zentraler Handlungsort der Geschichte ist das alljährliche Osterfest, welches die Birds bei sich zu Hause feiern. Hier werden auch regelmäßig Freunde und Familie eingeladen. Ostern stellt für die Birds wohl das zweite Weihnachtsfest dar. Ganz besonders die alljährliche Eiersuche hat es nicht nur den Kindern, sondern auch Mutter Lorelei angetan.

Lisa Jewell beschreibt die Geschichte aus mehreren Perspektiven. Zuerst blickt sie von außen auf die Familie und beschreibt die Idylle, in der sie leben. Und dann nimmt sie nach und nach die verschiedenen Perspektiven der Familienmitglieder ein: Angefangen bei der ältesten Tochter Meg, der nach und nach auffällt, dass mit ihrer Mutter etwas nicht stimmt. Weiter geht es mit ihrer jüngeren Schwester Bethan, von allen Beth genannt, die auf der Suche nach sich selbst ist. Und auch die Brüder Rhys und Rory haben eine eigene Sichtweise auf das Familienleben. 

Nach dem Ereignis, das die Familie auf eine harte Probe stellt, gehen die Wege der Familienmitglieder auseinander. Lisa Jewell lässt uns teilhaben, wie es dazu kam und wie sich die unterschiedlichen Familienmitglieder mit sich auseinandersetzen. 

Ich kam mit dem Aufbau des Romanes nicht wirklich zurecht. Die Kapitel werden immer mit einer Mail von Mutter Lorelei an ihren Brieffreund Jim eingeleitet. Das ist zwar gut gelungen, weil wir Lorelei sonst nur aus den Perspektiven Anderer erlebten, aber gerade auf den letzten Seiten waren mir die Mails etwas zu banal. Die Idee die Geschichte aus den verschiedenen Blickwinkeln der Kinder zu erzählen, hat mir an sich auch gefallen. Allerdings waren mir die Charaktere etwas zu einseitig bzw. wurde ihre Veränderung nicht wirklich thematisiert. Wir lernten zwar hier und da ein paar Krisen kennen, ich konnte aber nicht wirklich nachvollziehen, wie es dazu kam. Alles auf das Ereignis zu schieben, klang einerseits logisch, andererseits war es mir auch irgendwo etwas zu weit hergeholt. Zudem wurden mir die wesentlichen Veränderungen eines Geschwisterteils immer im Gespräch zwischen anderen Geschwistern herausgearbeitet. Das war mir tendenziell auch etwas zu einfach gedacht.
Hier und da schienen mir die Charaktere manchmal etwas unberechenbar, was einfach daran lag, dass ich sie nicht richtig greifen konnte. So gibt es beispielsweise eine Nachbarin, die eine wichtige Rolle in dem Roman einnimmt. Wir erleben ein Kapitel aus ihrer Sicht. Hier schien sie mir wirklich unsympathisch. Sie versucht sich in die Familie zu drängen und lässt auch kein gutes Haar an den Bird-Kindern aus. Und auch die anderen Familienmitglieder schienen sie höchstens zu dulden. Dann - Jahre später - ist sie plötzlich vollkommen akzeptiert worden. Auch ich schien sie nun sympathischer zu finden und hatte das Gefühl, dass der Charakter eine vollkommene gegensätzliche Entwicklung gemacht hat, von der ich aber überhaupt nichts mitbekommen habe. Und das schien mir dann doch etwas weit hergeholt.

Zudem erzählt der Klappentext davon, dass ein Ereignis die Familienmitglieder wieder zusammenbringt. Und dieses Wieder- zueinander-Finden-Thema spielte sich etwa auf den letzten 80 Seiten des Buches ab. Über die Hälfte des Buches handelte von dem Auseinanderdriften der Familie. Mir wäre es lieber gewesen, wenn die Handlungsstränge gleichmäßig verteilt worden wären. 

Spannung 
Zu Beginn von Der Flügelschlag des Glücks war der Spannungsbogen gut aufgebaut. Wir erlebten die Idylle und wie das ganze Gebilde zu bröckeln beginnt, als die älteste Tochter Megan in die Pubertät kommt. Dann bleibt der Spannungsbogen ziemlich lange auf einer Ebene. Natürlich ist es interessant zu lesen, was mit der Bird-Familie so passiert, aber mir fehlte der Kick. Ich fragte mich, wie lange es noch dauern würde, bis endlich alle zusammenkamen. 
Gegen Ende nimmt das Buch dann aber eine schöne Wendung. Obwohl viel Zeit vergangen ist, wirkt es trotzdem nicht unrealistisch, wie die Familie aufeinander reagiert. 

Schreibstil 
Lisa Jewell hat dem Roman einen allwissenden Erzähler verpasst. Sie erzählt nicht nur Kapitel aus verschiedenen Perspektiven, sondern wechselt hier und da auch schon mal innerhalb einer Szene die Perspektive. An sich mochte ich ihren Schreibstil. Sie schafft es schwierige Situationen bildhaft zu beschreiben, ohne, dass man als Leser gleich eine Diagnose hingeklatscht bekommt. Wir können mit ihr gemeinsam verfolgen, wie sich der Zustand entwickelt. Jedoch haben mir hier und da etwas die Dialoge gefehlt.

Gesamteindruck 
Wenn ihr meine Rezension jetzt so lest, fragt ihr euch wahrscheinlich, warum das Buch denn so viele Punkte bekommen hat, wenn ich bisher nur die negativen Seiten hervorhebe. An sich hat Der Flügelschlag des Glücks irgendwo auch eine schöne Atmosphäre und die Grundidee finde ich echt gut. Es war also keine absolute Leseenttäuschung, sondern warf für mich nur an einigen Stellen Fragen auf. 

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Rundum kulinarisch - Der Freiburger Bücherstammtisch im Oktober

Foto: A. Mack

Hallo Buchlinge,

im Oktober standen zwei Themen auf der Tagesordnung des Freiburger Bücherstammtisches. Zum einen wollten wir uns das letzte Mal mit dem satanarchäolügenialkohöllisch (alle anwesenden Stammtisch Mitglieder können das Wort einwandfrei aussprechen) Wunschpunsch beschäftigen. Die perfekte Überleitung dazu, bot dann unser zweites Thema: Essen in Büchern. 


Der Wunschpunsch - Das Fazit 

Bild von HörbuchHamburg


Alle Stammtisch Mitglieder hatten die Lektüre mittlerweile beendet. Nun wollten wir diskutieren, wie sich die Geschichte und die Charaktere verändert hatten. Gab es eine positive oder negative Veränderung? Was war die Moral von der Geschichte? Gab es überhaupt eine? 

Und schon bei der ersten Frage, nämlich der Charakterentwicklung gab es gegensätzliche Meinungen. Denn im Grunde blieb sich jeder auf seine Art ja irgendwie treu, oder? Und wo fängt das mit der Charakterentwicklung überhaupt an? 

Ihr merkt: Fragen über Fragen. Und eigentlich möchte ich diese aus Spoiler Gründen an dieser Stelle gar nicht beantworten. Das Buch hat uns allen recht gut gefallen. Der Inhalt war überschaubar, was aber auch einfach daran lag, dass es sich um ein Kinderbuch handelte. Dennoch kann jede Altersgruppe etwas aus der Geschichte mitnehmen. 

Wer sich für eine ausführliche Rezension interessiert, kann mal einen Blick HIER HER werfen.



Essen in Büchern 

Jetzt haben wir schon mal so ein Thema und ich habe es völlig vergessen unsere Ergebnisse anhand von Beweisfotos festzuhalten. Nun erfahrt ihr also nie, wie Isonas Schoko-Haselnuss Waffeln ausgesehen haben oder werdet nie herausfinden, dass mein Waffelteig fast davon geschwommen wäre. Schade... wirklich schade :-) 

Es stellte sich heraus, dass das Thema Essen in Büchern gar nicht so einfach zu beantworten ist, da Charaktere in Geschichten eben nicht oft essen. Natürlich kamen wir wieder auf Harry Potter zu sprechen. Denn dort gibt es eine Reihe fabelhafter Gerichte wie Kesselkuchen, Fred und Georges Süßigkeiten oder das Sortiment des Honigtopfs. Und nicht zu vergessen: das Butterbier. Selten werden Gerichte erwähnt, die unseren Charakteren nicht schmecken. Isona und emion stellten zudem fest, dass Harry, Ron und Hermine nie selbst kochen. Also stellt sich die Frage: Lernen das Zauberer überhaupt? 

Bücherstammtisch Mitglied Isabelle hielt eine Überraschung bereit: Sie brachte Roald Dahls Matilda mit. In der Geschichte geht es um ein hochbegabtes Mädchen, das von ihren Eltern nicht beachtet wird. Auch in der Schule werden sie und die anderen Mitschüler von einer ziemlich schrägen Schulleiterin terrorisiert. ACHTUNG SZENEN SPOILER Als ein Schüler auf die Idee kommt ein Stück Schokoladentorte zu stehlen, bekommt er eine böse Aufgabe. Er muss eine ganze, große Torte alleine aufessen. Und bevor das nicht passiert ist, darf keines der zusammengetrommelten Kinder die Aula der Schule verlassen. SPOILER ENDE 

Das Interessante an dieser Szene war, dass es nicht etwa um ein ekliges Gericht ging. Der Junge durfte etwas Leckeres verspeisen. Allerdings war jedem klar, dass das Leckere in so einer großen Menge nur Übelkeit hervorrufen könnte. Dieses Stilmittel fand ich besonders spannend. 

Meine mitgebrachten Bücher hingegen, waren da schon etwas banal. Zum einen stellte ich Mordshunger von Frank Schätzing vor. Allerdings konnte ich nicht mehr viel über den Inhalt erzählen. Warum ich das Buch dennoch mitbrachte? Auf dem Cover ist ein offenes Maul zu erkennen. Vermutlich blicken wir hier in das Gebiss eines Tieres. Gepaart mit dem Titel und dem Trailer zum Film, der damit endet, dass wir eine Pfanne sehen, in der Fleisch angebrutzelt wird, bekam ich das Gefühl, dass es sich vielleicht um Kannibalismus handeln könnte. Daher wollte ich zuerst das Buch lesen und kann an dieser Stelle eine Entwarnung aussprechen. Es gibt einen spannenden Thriller aber ohne gegessene Menschen. 

Buch Nummer zwei auf meiner Liste war die Reihe Pinkmufin@BerryBlue von Hortense Ulrich und Joachim Friedrich. Ja, Buchlinge, ich weiß, dass das Essen bereits im Titel steckt. Allerdings geht es mir hier nicht um Muffins oder Beeren. Die Eltern von Protagonist Berry haben eine Konditorei zu der auch ein Cafe gehört. Hier muss der Sohn oft aushelfen. Er erzählt Pinkmuffin in seinen Mails von den verschiedenen Gästen, die hier so ein- und ausgehen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Gruppe älterer Damen, die gerne die Spezialität des Hauses, nämlich so genannte Walkürenbällchen bestellen. Und ich wollte diese Bällchen immer einmal probieren. Allerdings scheinen sie wohl aus der Fantasie von Joachim Friedrich zu entsprechen. 

Isona fand das Thema Essen so spannend - wer unsere Messeberichte kennt: Nein, nicht lachen! :-) - dass sie es gern nochmal auf die Tagesordnung für ein Frühjahrstreffen setzen möchte. So bleibt uns länger Zeit in unseren aktuellen Lektüren zu beobachten, wie mit dem Thema Essen umgegangen wird. Außerdem können wir nochmal ausführlicher im eigenen Bücherregal stöbern. 


Stöbern im Veranstaltungskalender des Literaturhauses 

Buchlinge, die Wintermonate werden absolut literarisch. Ihr könnt euch auf einige Berichte freuen. Vor ein paar Monaten bin ich dem Literaturforum Südwest e.V. beigetreten. Wie der Titel schon sagt, geht es hier um Literatur und Bücher. Ich glaube, also ich bin am richtigen Platz. Aber was ich eigentlich erzählen wollte:

Freiburg bekommt ENDLICH ein Literaturhaus. Am Sonntag den 22. Oktober und ein Teil des Bücherstammtisches wird live dabei sein. Beinahe pünktlich zum Bücherstammtisch Treffen wurde mir das Programm zugeschickt, sodass wir ordentlich darin stöbern konnten. 

Am Samstag den 28.10. ab 13:00 Uhr wird übrigens zum Lesemarathon geladen. Klingt gut, oder? 


Sonntag, 8. Oktober 2017

Vier Tipps für ein erfolgreiches Studium mit Behinderung Tipp 3: Umgang mit der eigenen Behinderung

Hallo in die Runde,

heute kommen wir also zum vorletzten Tipp in dieser kleinen Reihe. Falls ihr gerade zufällig über diese Artikel stolpert und euch fragt, was es damit auf sich hat: Ich, selbst Studentin mit Sehbehinderung und kurz vor Ende des Studiums, möchte anderen Studierenden mit Behinderungen Anregungen an die Hand geben, die den Studienalltag hoffentlich etwas leichter gestalten zu können.

Im ersten Beitrag ging es um das Thema räumliche Orientierung auf dem Hochschul- bzw. Uni Gelände. Im zweiten Teil gibt es etwas zum Thema Organisation im Studium zu lesen. So erzähle ich beispielsweise, welche Möglichkeiten es gibt an barrierefrei Fachliteratur zu kommen.

Die Tipps sind nicht in Stein gemeißelt. Es kann sein, dass sie dem ein oder anderen von euch helfen. Es kann aber genauso gut vorkommen, dass ihr überhaupt nichts mit meinem Geschreibsel anfangen könnt.

Egal, wie ihr über die Reihe oder den hier vorliegenden Beitrag denkt: Haut mir alles in die Kommentare.

Am Ende des Beitrages findet ihr zudem eine weitere Übersicht, welche Artikel in der Rubrik Leben mit Sehbehinderung bereits erschienen sind.



3. Überleg dir, wie du mit deiner Behinderung im Studium umgehst 

Je nachdem, welche Behinderung ihr habt, werdet ihr mir spätestens jetzt wahrscheinlich den Vogel zeigen und brüllen: Ich stell mich doch nicht an den Pranger, ich bin doch nicht blöd! 
Ihr müsst ja auch nicht jeder wildfremden Person eure Lebensgeschichte erzählen. Dennoch ist es wichtig, dass zumindest einige Personen über eure Krankheitsgeschichte Bescheid wissen oder zumindest die Basics eurer Behinderung bekannt sind.

Nicht sichtbare Behinderungen oder Erkrankungen 
Hier fallen mir zu allererst die psychischen Erkrankungen ein. Es sind natürlich auch alle anderen Erkrankungen gemeint, die man auch nicht auf den ersten Blick ansieht, die aber wiederum dafür sorgen, dass ihr nicht regelmäßig an Lehrveranstaltungen teilnehmen könnt oder länger braucht, um Leistungsnachweise zu erbringen.
Wenn ihr hier nicht offen mit eurer Erkrankung umgehen möchtet, kann ich das absolut verstehen. Dennoch denke ich, dass ihr euch das Studentenleben erleichtern könnt, indem ihr einen Antrag auf Nachteilsausgleich beim Prüfungsamt stellt. Hier könnt ihr beispielsweise beantragen, dass ihr für Prüfungen oder Hausarbeiten mehr Zeit bekommt. So wissen zumindest die Leute Bescheid, die euch benoten müssen. Wie ihr so einen Nachteilsausgleich beantragen könnt und was es dabei zu beachten gibt, erkläre ich HIER.

Zudem ist jede Hochschule oder Universität mit einem Behindertenbeauftragen besetzt. Eine Aufgabe des Behindertenbeauftragen ist es, Studierende mit Behinderung beim Studium zu unterstützen bzw. zu beraten. Ihr könnt euch also auch gerne mit den Mitarbeitern in Verbindung setzen.

Sichtbare Behinderungen 
Auch wenn ich damit einen Shitstorm auslöse: Einige Sehbehinderungen sind sichtbar. Ihr bekommt die irritierenden Blicke vielleicht nicht mit, weil ihr sie nicht seht, aber eurem Umfeld wird schnell auffallen, dass da etwas nicht stimmt. Ich persönlich bin sogar froh, dass man mir meine Behinderung ansieht, weil ich so gar nicht au die Idee kommen würde, irgendetwas zu verheimlichen. Nun kommen wir zu meinen Ideen:

Dinge benennen 
Ich bin gerade in der Anfangszeit dazu übergegangen, bei Vorstellungsrunden meine Sehbehinderung anzusprechen und zu erklären, wie viel ich sehe. Und zwar nicht nur in Prozentzahlen, sondern auch, wie sich das in der Praxis äußert. Zudem habe ich dann erwähnt, was die Leute tun können, wenn sie mit mir ins Gespräch kommen wollen. (Mich gezielt ansprechen zum Beispiel und das idealerweise mit meinem Namen :). Allerdings habe ich das nur gemacht, wenn es im Seminar Vorstellungsrunden gab.
Bei einigen Studierenden war das der Türöffner. Ich hab gemerkt, dass sie keine Probleme im Umgang mit mir haben. Andere haben sich nach der Fragerunde wieder verabschiedet und ich hab sie buchstäblich nicht mehr gesehen. Damit müsst ihr natürlich auch rechnen. Dennoch finde ich es sehr wichtig, den Wind aus den Segeln zu nehmen. Und natürlich ist mir klar, dass es alles andere als einfach ist. Ich habe mich oft gefragt, ob ich das Behinderungsprogramm schon wieder abspulen soll oder nicht.

In Vorlesungen bin ich zu Beginn meist zum Dozenten gegangen und habe gefragt, ob es möglich ist die Vorlesungsfolien vorab zur Verfügung stellen zu können, damit ich in der Lehrveranstaltung auch mitlesen kann. Hier braucht ihr sehr viel Geduld und gute Argumente, da die meisten Dozenten zwar Verständnis zeigen, es aber regelmäßig vergessen oder klarstellen, dass sie sich gerne die Ich-ändere-in-letzter-Minute-einen-Inhalt-Option offen halten möchten. (Wer noch ein Thema für eine Forschungsarbeit suchen sollte: Mich würde brennend interessieren, welche Dozenten am Frühstückstisch nochmal ihre Vorlesungsfolien durchgehen :-) ).

In letzteren Fällen hatte ich dann oft Glück und die Dozenten haben ihre Materialien dann am selben Tag oder zeitnah zur Verfügung gestellt, sodass ich gezielt nacharbeiten konnte.

Sätze wie "Ich will nicht auf meine Behinderung reduziert werden",
Inhaltlich stimme ich euch hier vollkommen zu. Ihr seid mehr als nur der Mensch mit Behinderung. Allerdings kann dieser Satz je nachdem auf welche Leute man trifft, auch ein Kommunikationskiller sein. Stellt euch vor, dass die meisten aus eurem Semester noch nie etwas mit einem Menschen mit Behinderung zu tun hatten. Viele sind unsicher und wissen nicht, wie sie mit euch umgehen sollen oder haben eine Hand voll Fragen, möchten aber auch nicht hochkant ins Fettnäpfchen springen. Ich will nicht auf meine Behinderung reduziert werden, könnte auch übersetzt heißen: Sprich mich nicht darauf an. Damit habt ihr wahrscheinlich eure Ruhe vor den vielleicht lästigen immer wiederkehrenden Fragen. Die Unsicherheiten eures Gegenübers bleiben aber bestehen.

Stellt euch darauf ein, dass 
... es eine Menge Leute geben wird, die sich nicht trauen werden, offen auf euch zuzugehen, weil sie absolut noch nie etwas mit einem Menschen mit Behinderung zu tun hatten.
... gefühlt alle euch kennen, ihr aber nur wenige :-)
... am Anfang sehr viele Fragen zu eurer Behinderung kommen werden: Einige verabschieden sich nach der Fragerunde und waren nie wieder gesehen. Für Andere ist die Fragerunde zum Einstieg der Türöffner für einen zuverlässigen Kontakt.
... ein offener Umgang mit eurer Behinderung euch oft das Leben erleichtern kann: Sagt was ihr braucht, dann weiß euer Umfeld Bescheid.


Eure Erfahrungen 

An dieser Stelle interessiert mich brennend, welche Erfahrungen ihr im Studium oder in der Ausbildung gemacht habt.
Oder an die Leser, die keine Behinderung haben: Was würde euch im Umgang mit Menschen mit Behinderung helfen? Wo sind eure Unsicherheiten?

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In dieser Rubrik bereits erschienen:  

Bewerben für die Ausbildung / das Studium - HIER KLICKEN
Wo und wie beantrage ich Hilfsmittel - HIER KLICKEN
Wie bewerbe ich mich für ein Praktikum? - HIER KLICKEN
Wie beschaffe ich mir Fachliteratur? - HIER KLICKEN
Was muss ich für Prüfungen beachten? - HIER KLICKEN
Umgang mit der Sehbehinderung eigene Erfahrungen - HIER KLICKEN
Wie arbeite ich mit einer Gesetzessammlung? HIER KLICKEN
Wichtige Tastaturbefehle (Shortcuts) im Überblick HIER KLICKEN
Blind heißt nicht gleich nichts sehen - HIER KLICKEN
Vier Tipps für ein erfolgreiches Studium mit Behinderung: Tipp 1: Orientierung ist alles HIER KLICKEN 
Vier Tipps für ein erfolgreiches Studium mit Behinderung: Tipp 2: Organisation ist alles HIER KLICKEN